LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Autor Tom Hillenbrand über sein neuestes Werk „Letzte Ernte“

Kieffer köchelt wieder: Am 20. Juni veröffentlicht der deutsche Autor Tom Hillenbrand mit „Letzte Ernte“ seinen dritten Krimiband, in dem der kauzige luxemburgische Gourmetkoch Xavier Kieffer als Freizeit-Schnüffler Mörder jagt. Ist die „Letzte Ernte“ auch der letzte Kieffer? „Nein“, erklärt der Autor im „Journal“-Gespräch, „ ich bin guter Dinge, dass es noch ein bisschen weitergeht“.

An dieser Stelle soll noch nicht alles über den Inhalt des neuesten Werkes verraten werden. Nur so viel: Während der Schobermesse stürzt ein Mann von der „Roten Brücke“ in den Tod, der wenige Tage zuvor erst in Kieffers Jahrmarktsbude randaliert hat. Dieser betreibt im dritten Teil , neben seinem Restaurant „Deux Eglises,“ einen Imbissstand auf der „Fouer“, in dem er Gourmet-„Gromperekichelcher“ anbietet.

Recherchen vor Ort

Die Schobermesse war Hillenbrand, der kurze Zeit in Luxemburg gelebt hat und nach wie vor regelmäßig im kleinen Nachbarland vorbeischaut, selbstverständlich ein Begriff. Es bot sich also an, den größten Jahrmarkt der Großregion irgendwann in ein „Kieffer“-Abenteuer einzubauen und somit seiner vorwiegend deutschen Leserschaft einen weiteren gastronomisch-kulturellen Aspekt des Nachbarlandes vorzustellen. Ähnlich wie auf dem Oktoberfest dreht sich auf der Schobermesse nicht alles nur um die Fahrgeschäfte, sondern auch um die typischen kulinarischen Spezialitäten, erläutert Hillenbrand die Faszination, die von einem solchen Event ausgeht.

„Hier bekommt der Besucher Sachen zu essen, die es sonst nirgendwo gibt“. Recherchiert über die „Fouer“ hat der Autor und Journalist nicht nur im Internet, sondern auch vor Ort. „Mir ist wichtig, dass ich auch dahingehe und vor Ort die Wege überprüfe“.

Der ortskundige Leser wird auch beim Lesen des dritten Krimis wieder auf Orte und Straßen stoßen, die ihm bekannt sind. Hillenbrand achtet schon darauf, dass seine Hauptfigur Kieffer in Straßen unterwegs ist, die man auf jedem Stadtplan ausfindig machen kann. „Die Namen sollten schon stimmen, ich glaube es gibt im dritten Teil nur eine fiktive Straße“, erklärt der Autor.

Mehr Luxemburg

Reiste der Gourmet-Koch im zweiten Band „Rotes Gold“ oftmals nach Paris oder Italien , so ist der Besitzer des „Deux Eglises“ in „Letzte Ernte“ wieder vermehrt in Luxemburg unterwegs. Es habe schon Leser gegeben, so Tom Hillenbrand, die der Meinung waren, Luxemburg wäre im zweiten Teil zu kurz gekommen, da Kieffer öfters verreisen musste.

Treue Kieffer-Leser mag es überraschen, dass der Schriftsteller in seinen drei Gourmet-Krimis seine Leserschaft immer mit den wiederkehrenden typischen Luxemburg-Bildern füttert. Wein aus Schengen und die Kirchberger Eurokraten gehören zu einem Kieffer-Abenteuer wie das Amen zum Gebet.

„Bei einer Serie ist es wichtig, dass verschiedene Dinge immer wieder auftauchen. Wenn eine Figur im ersten Band Riesling aus Schengen getrunken hat, kann er in einem späteren Band nicht einen anderen trinken“.

Darüber hinaus, so der Autor könne man das Luxemburg-Wissen der deutschen Leser nicht gering genug einschätzen; von den Saarländern oder Pfälzern einmal abgesehen, wüsste der Leser aus seinem Heimatland erschreckend wenig über das kleine Nachbarland im Westen. Den luxemburgischen Regierungschef Jean-Claude Juncker und Starköchin Lea Linster seien den Lesern ein Begriff, dass der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ebenfalls aus dem Großherzogtum kommt, wüssten jedoch die wenigsten in Deutschland.

Grantler und Sterne-Italiener

Tom Hillenbrand gelingt es auch im dritten Gourmet-Krimi, sich an die „Realität anzurobben, um dann wieder abzudrehen“, wie er es selbst formuliert. Neben einem Bierimperium aus der Eifel, das selbstverständlich nicht namentlich genannt wird, tauchen einige Figuren auf, die durchaus Ähnlichkeiten mit lebenden TV-Köchen aufweisen. „Es gibt halt bestimmte Phänotypen, wie z.B. den übel gelaunten bayerischen Grantler oder den punkigen Koch mit Ziegenbart und Bandana.“

Die luxemburgischen Leser werden vermutlich auch das eine oder andere Sternerestaurant wiedererkennen, obwohl Hillenbrand diesen in seinen Werken immer fiktive Namen verpasst.

Ist jedoch von einem „Zwei Sterne-Italiener“ die Rede, so dürfte jedem luxemburgischen Leser bekannt sein, um wen es sich handelt. „Ich mache für niemanden Werbung“, erklärt Hillenbrand lachend, „außer für Ducal. Die haben mir aber keinen Werbevertrag angeboten“.