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EU einigt sich auf Blitz-DNA-Tests - Luxemburg wird ab März kontrollieren

Wer in den vergangenen Wochen Tiefkühl-Lasagne, Ravioli oder Gulasch verzehrt hat, hat dabei womöglich auf einem alten Gaul gekaut. 750 Tonnen als Rind deklariertes Pferdefleisch brachte alleine das französische Unternehmen Spanghero in Umlauf. Und die Produkte landeten auch in den vielen Supermärkten. Weitere könnten folgen.

2.250 Stichproben

EU-weite Schnell-Gentests an verarbeiteten Rindfleischprodukten sollen jetzt rasch Klarheit über das Ausmaß des Skandals schaffen. Die Vertreter der EU-Staaten unterstützten gestern entsprechende Kommissionsvorschläge und beschleunigten sie noch.

Statt am 1. März sollen nun schon ab sofort 2.250 Stichproben von mutmaßlichen Rindfleischgerichten genommen werden, um herauszufinden, ob in der Lasagne oder dem Hamburger nicht doch Pferdefleisch steckt.

Er begrüße es sehr, dass sich die Länder so rasch dazu durchgerungen hätten, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Die einzelnen Länder müssen zwischen 10 und 150 Tests durchführen. Parallel zu den Gentests werden in Schlachthäusern und in importiertem Pferdefleisch weitere Proben genommen, um das Fleisch auf Rückstände des verbotenen Arzneimittels Phenylbutazon zu testen. Das entzündungshemmende Mittel wird auch als Doping eingesetzt und macht das Fleisch ungenießbar.

Bislang muss nur bei unverarbeitetem Rindfleisch die Herkunft angegeben werden. Die Agrarindustrie hatte sich erfolgreich gegen eine Kennzeichnungspflicht auch bei verarbeiteten Produkten gewehrt - weil das zu kompliziert sei. Im Fall der Pferde-Lasagne hätte der Schwindel mit einem klaren Etikett schneller aufgedeckt werden können.

Das Thema wird nun die EU-Landwirtschaftsminister auf ihrer Sitzung in zwei Wochen beschäftigen. Als Haupturheber haben die französischen Behörden den Zulieferer Spanghero identifiziert. „Es ist als Pferdefleisch bei Spanghero eingetroffen und als Rindfleisch rausgegangen“, sagte der französische Verbraucherminister Benoit Hamon am Donnerstagabend.

Es handele sich um „Wirtschaftsbetrug“, für den sich Spanghero verantworten müsse. Dem Lebensmittelbetrieb wurde die Lizenz zur Fleischverarbeitung entzogen. Noch am Montag hatte die Firma erklärt, nur mit Rindfleisch gehandelt zu haben.

Veterinärinspektion bestätigt Fundvon Pferdefleisch

Derweil bestätigte gestern die Luxemburger Veterinärinspektion, dass bei der Lebensmittelfabrik Tavola in Capellen, die ihr Fleisch von der französischen Firma Spanghero bezogen hat, Pferdefleisch in Gerichten mit Rundfleisch verarbeitet wurde. Mit Medikamenten belastet war das Fleisch aber laut Analyse nicht.

Mit DNA-Tests soll hierzulnade aber erst im März angefangen werden, wie es in einer gestrigen Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums heißt. Kontrolliert werden dann vor allem Produkte mit der Bezeichnung „pur boeuf“.