PARIS/ATHEN
MARCO MENG/DPA

Matthieu Pigasse und seine Lazard-Bank berät Griechenland

Athens neue Regierung hat mit der französisch-amerikanischen Traditionsbank Lazard Experten für Schuldenschnitte und Fusionen an ihrer Seite. Im Jahr 1876 von den lothringischen Brüdern Lazard in den USA gegründet, hat die Bank mit Hauptbüros in Paris, New York und London einen Namen für Beratungen auf diesen Feldern. Mit Griechenland hatte das in Frankreich von Matthieu Pigasse geleitete Institut bereits zu tun - Lazard stand Athen 2012 bei dem Schuldenschnitt für private Gläubiger zur Seite.

Bei Vorgesprächen für neue Verhandlungen zum Schuldenproblem der Griechen waren am Freitag erstmals auch Abgesandte der Lazard-Bank zugegen. Die Einbeziehung der Fachleute für die sogenannten Swaps (Umtausch von Anleihen), die zur Schuldenverringerung führen, lag auf der Hand: Pigasse ist von der Tsipras-Regierung zum Chefberater in Sachen Schuldenbewältigung ernannt worden. Er hat bereits mit einer ganzen Reihe von Äußerungen prononciert zu den Problemen Athens und Ursachen Stellung bezogen.

Die Gegner einer Verringerung der griechischen Schulden werden „zur Vernunft zurückkehren“, dessen ist sich Pigasse sicher. Ihm zufolge wird es zu einem Schuldenschnitt kommen. Seine Begründung ist lapidar: „Es gibt keine andere Lösung als die Verringerung der Schulden.“ Um wie viel und wie? Das müsse man sehen, aber immerhin sei so etwas bereits ohne größere Schwierigkeiten öfter gemacht worden - allerdings außerhalb der Euro-Zone. Der Chef weist gern auf die Kompetenz seiner Analystenteams hin. Seine feste Haltung gegen eine harte Sparpolitik dürfte Berlin auch nicht gefallen - diese führe „direkt gegen die Wand“. Dies sei bei den Griechen nachzuzeichnen, erläutert Pigasse, denn deren Schulden hätten sich in den vergangenen fünf Jahren nicht erhöht, eingebrochen sei dagegen aber (um 25 Prozent) das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

„Alles falsch gemacht“ hat aus Pigasses Sicht die Troika (Internationaler Währungsfonds , Europäische Zentralbank und EU) mit ihrer den Griechen auferlegten Austeritätskur, die dann in ein Desaster geführt habe. „Die Politik der Troika läuft auch Gefahr, Europa gegen die Wand zu fahren“, warnte der Berater hoch verschuldeter Länder wie etwa Argentinien im Radio France Inter.

Auch politisch zeigte er Verständnis für das griechische Votum „der Würde und des Stolzes“, das einen radikalen Wechsel brachte. Schon vor Wochen schätzte er, die griechischen Schulden von derzeit mehr als 300 Milliarden Euro müssten um 100 Milliarden verringert werden.

Matthieu Pigasse (46) aus Clichy bei Paris, Absolvent der bekannten Ena-Kaderschmiede, ist in Frankreich auch sehr präsent als das, was man einen Presse-Patron nennt. Ihm gehört unter anderem das Magazin „Les Inrockuptibles“, und er ist Aktionär von „Le Monde“ und des „Nouvel Observateur“. In diesen Tagen möchte sich der Sohn eines Journalisten gern noch einen französischen Radiosender dazukaufen.

Griechen heben vermehrt Geld ab

Unterdessen spüren die Banken in Griechenland zunehmend die Verunsicherung. Die Einlagen auf den Konten sind nach Angaben aus Branchenkreisen in Athen inzwischen auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der schweren Schuldenkrise gefallen. Damit wurde ein Bericht der konservativen Zeitung „Kathimerini“ bestätigt, wonach die Griechen seit November 2014 insgesamt schon rund 20 Milliarden Euro abgehoben haben. Grund sei die Angst der Menschen vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage wegen der Unstimmigkeiten zwischen Athen und der EU über den Abbau des gigantischen Schuldenberges. Etwa zehn Milliarden Euro seien in „Truhen, Safes oder unter den Matratzen“ in den Häusern versteckt, hieß es in dem „Kathimerini“-Bericht. Weitere sechs Milliarden Euro seien in ausländische Wertpapiere investiert worden. Und rund vier Milliarden Euro lägen mittlerweile auf Konten im Ausland, schrieb das Blatt weiter.

Dieses „Verbluten“ sei in den vergangenen Tagen „mit einem Rhythmus von etwa 200 bis 300 Millionen (Euro) täglich“ weitergegangen, erklärte ein hoher Bankangestellter der Deutschen Presse-Agentur. Nach den Wahlen am 25. Januar hatte Griechenlands linker Regierungschef Tsipras das bisherige Rettungsprogramm für beendet erklärt. Er fordert eine Neuregelung für die griechischen Schulden. Auch unter Finanzexperten bleibt unklar, ob nach einem möglichen Scheitern der Verhandlungen innerhalb der Eurogruppe eine Staatspleite und ein Austritt Griechenlands aus dem Euro folgen könnten. Falls kein Erfolg erzielt werden könne, dürfte die derzeitige Wahrscheinlichkeit für einen solchen „Grexit“ von 25 Prozent deutlich steigen, schrieben Analysten der Commerzbank . Der Bestand der Währungsunion insgesamt sei jedoch nicht in Gefahr.