LUXEMBURG
DR. CHRISTIAN FRANTZ

Elektronische Zigaretten und Dampfer haben für die Tabakindustrie eine völlig neue Nische am Markt geöffnet. Besonders mit einer großen Aromaauswahl und stilvollen Geräten verleihen sie ihren Nutzern oft auch ein Gefühl der Coolness. Ihr Risiko sollte aber keinesfalls banalisiert werden, insbesondere mit Blick auf jüngere Raucher, betont der Pneumologe Dr. Christian Frantz von den „Hôpitaux Robert Schuman“.

„Bei den E-Zigaretten muss man sehr stark unterscheiden; abhängig vom Nutzer können sie sogar ein Fortschritt sein. Es ist eine echte Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Denn einerseits können sie eine willkommene Therapiemöglichkeit für schwer abhängige Raucher sein, bei denen die herkömmlichen Mittel nicht funktionieren. Hier ist stark von Vorteil, dass die E-Zigaretten ihre Inhaltsstoffe lediglich verdampfen, statt sie zu verbrennen. Die entstehenden Partikeltröpfchen sind für den Körper und die Lunge vergleichsweise leichter zu verarbeiten als die verbrannten Partikel einer normalen Zigarette. Das haben auch In Vitro-Studien an Zellen gezeigt. Für starke Raucher sind sie also das ,kleinere Übel‘.

Das heißt aber nicht, dass der Konsum auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Gerade durch das darum bestehende Geschäft mit spaßigen Dampfern und unterschiedlichen Aromen riskieren die E-Zigaretten, vormalige Nichtraucher zu Gewohnheitsrauchern zu machen – sie praktisch ,anzufixen‘. Angesichts der Tatsache, dass die Zahlen der Raucher im Großherzogtum wieder gewachsen sind und ausgerechnet jüngere Menschen wieder häufiger zur Zigarette greifen, wäre es unverantwortlich, sich nicht mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Heikel wird es gerade deshalb, weil die besonders bei jungen Menschen sehr beliebten Aromastoffe die Mixtur nur schädlicher für den Körper machen. Das liegt auch daran, dass diese Inhaltsstoffe kaum reguliert sind und keine Auflagen zur Beschriftung haben. Hier muss noch viel geschehen, um die E-Zigaretten nicht zu banalisieren. Hier müssen dieselben Regeln wie bei normalen Zigaretten gelten. Weitere Aufklärung über die Risiken wird nötig sein, damit sie nicht mehr als unbedenkliche Form des Rauchens gelten. Ein erschwerter Zugang, gerade für Jugendliche, ist deshalb wohl auch nötig – ein Mittel könnten höhere Preise sein.“