LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Eine Spielzeit der Uraufführungen erwartet das Publikum im Kasemattentheater

Das Kasemattentheater wartet in seiner neuen Saison nicht mit Klassikinszenierungen samt großartiger Besetzung auf, wie sie große Häuser als Aushängeschilder nutzen, um ihr Publikum anzuziehen. Das erwartet nun auch niemand in einem kleinen Off-Theater, das seine Daseinsberechtigung vielmehr anderswo sucht und auch suchen muss. Als Zuschauer freut man sich auf Neues: auf innovatives, aber auch kritisches Theater. Die neue Spielzeit im Kasemattentheater verspricht diese Erwartungen zu erfüllen, dies mit seinen Koproduktionen mit dem „Centre national de littérature“ (CNL), den „Théâtres de la ville de Luxembourg“, dem Trifolion, dem Escher Theater, dem TOL und dem „Théâtre du Centaure“

„Wir wollen keine schon x-mal gespielten Klassiker auf die Bühne bringen“, bemerkte gestern während der Programmvorstellung auch Lex Weyer, Präsident des Verwaltungsrats, „als Off-Theater steht für uns die Freude am Spielen, die Kreativität, die Aktualität, Literatur und auch Risikobereitschaft, immer wieder neue Sachen auszuprobieren, im Vordergrund. Wir verstehen uns auch als Plattform für Experimente und für junge Schauspieler, Autoren und Regisseure. Deshalb ist die Saison 2016/2017 dieses Mal ganz auf Uraufführungen Luxemburger Autoren oder Autorenkollektive aufgebaut. Diesmal haben wir absolut keine Klassiker im Programm“. Die neue Spielzeit, für dessen Programm zum achten Mal in Folge Dramaturg Marc Limpach verantwortlich zeichnet, steht indes unter dem Thema Europa.

„Und dies gerade jetzt, da die Utopie eines vereinigten Europas immer mehr ins Wanken gerät. (…) Nicht mit politischen Parolen, sondern mit den ästhetischen Mitteln des Theaters kann man zu Streitthemen wie ,Europa‘ oder ,neue Armut‘ Stellungen beziehen“, schreibt Limpach im Vorwort des Programmhefts. Vorhang auf!

Auftakt mit Hundekotsammler Jim Steller

Am 26. September startet das Kasemattentheater mit „Kleines Schicksal oder Das
kleine alltägliche Elend“
in die neue Saison. Die Koproduktion mit dem CNL ist eine aktualisierte Lesung der Erzählung von Joseph Funck, die bei ihrem Erscheinen im Jahr 1934 hoch gelobt wurde. Die letzten Tage im Leben des Hundekotsammlers Jim Steller im gutbürgerlichen Gedränge der Oberstadt werden geschildert. In „Refugium“ vom Autorenkollektiv De Toffoli/Schiltz/Simon flüchten zwei Männer (Luc Schiltz und Pitt Simon) vor dem Zusammenbruch ihrer Welt. „Was tun, wenn es kein Draußen mehr gibt?“, „Wie hat das alles angefangen?“, „Woher kam die ganze Gewalt?“, sind die Fragen mit denen das Publikum und die Protagonisten konfrontiert werden. Premiere ist am 14. Oktober. Eine Farce über Mittal und die Übernahme von Arcelor ist Thema des Stücks „En Tiger am Rousegäertchen“, das ab dem 10. November im Großen Theater unter der Regie von Frank Feitler aufgeführt wird. Auf der Bühne stehen neun bekannte Schauspieler, darunter Luc Feit, Fernand Fox, Steve Karier und Désirée Nosbusch. Beschrieben wird die Schlacht zwischen Mittal und Arcelor aus Luxemburger Perspektive. Eine Lesung über die Idee Europa - „Europae Europes“ - steht am 22. November auf dem Spielplan. Das Saarbrücker Performance-Kollektiv „Zeig’s mir! Sushi.“ ist am 26. November mit „A Smell of Yellow - Hugo am Ball & was kann Dinsky?! zu Gast. Steve Karier liest am 9. Dezember unter dem Thema „Extreme“ Texte des luxemburgischen Dichters Pol Michels, der ab 1917 zu einer aktivistischen Verbindung junger Luxemburger Intellektueller der Avantgarde zählte, aus Angst vor Denunziationen im Zweiten Weltkrieg aber in die Kollaboration mit der Nazibesatzung Luxemburgs rutschte.

Neues im neuen Jahr

Für „Oh du do uewen, deem seng Hand“ haben Ian De Toffoli, Olivier Garofalo, Nico Helminger und Jeff Schinker vier Ein-Akter geschrieben, in denen sie altgriechische Mythen in die Luxemburger Gesellschaft von heute übertragen haben. Premiere ist am 3. März. Auf eine musikalisch-politische Reise durch die Luxemburger Geschichte wird ab dem 8. März eingeladen. Die „Lëtzebuerger Fräiheetslidder“ wurden von Georges Urwald neu arrangiert. „Ein Vortrag“ (Texte von Frantz Clément) mit Pitt Simon steht am 28. April auf dem Programm. Für die „Carte Blanche“ von „Musik im Mai“ konnte Greg Lamy verpflichtet werden. Désirée Nosbusch, Florian Panzner und Fabienne Hollwege stehen ab dem 1. Juni in der Komödie „Guten Morgen, Ihr Völker“ von Guy Helminger auf der Bühne. Es geht um die aktuelle EU-Problematik, um Menschen, für die die europäische Politik nichts mehr mit der europäischen Idee zu tun hat, aber auch um Menschen, die finden, Europa sei auf dem richtigen Weg. Dann gibt es Politiker, die Angst haben, alles würde zusammenbrechen, derweil andere weder loslassen, noch komplett hinter der Politik stehen können. Alle Positionen kommen in dieser Komödie gleichberechtigt zu Wort.

Die Saison schließt am 30. Juni und 1. Juli mit einem Abschlussfest und gleichzeitig der Geburtstagsfeier des Verlags „Hydre Editions“, der 2012 vom Schriftsteller Ian De Toffoli sowie den Schauspielern Luc Schiltz und Pitt Simon gegründet wurde.


Weitere Details zum Programm sowie die Daten der Wiederaufnahmen verschiedener Stücke unter www.kasemattentheater.lu