Die kommende Woche könnte eine der spannendsten werden im „Bommeleeër“-Prozess. Denn womöglich erhärtet sich die von den Ermittlern nicht sonderlich nachverfolgte Spur in Richtung Geheimdienst, respektive geheimes Netzwerk „Stay Behind“ dann definitiv. Am Dienstag tritt ein Zeuge vor die Richter, der behauptet, dass die Bombenattentate von seinem Vater, dem Verantwortlichen für den deutschen „Stay Behind“, gesteuert wurden. Um, so schreibt der Zeuge in seiner sehr detaillierten eidesstattlichen Erklärung, die Bevölkerung zu terrorisieren und „politisch zu einem Rechtsruck einzuschwören“.

Die Geschichte der letzten, sehr heißen Phase des Kalten Krieges zwischen den Jahren 1979 und 1989, in denen die Supermächte wieder kräftig aufrüsteten, ist durchzogen von teils blutigen terroristischen Anschlägen. Viele dieser Attentate, respektive Attentatsserien, die so urplötzlich begannen wie sie endeten, bleiben bis heute ungeklärt. Sogar über die Motive der Täter sind sich die Ermittler alles andere als einig. Jenen, denen es allerdings gelang, tiefer zu graben als die offiziellen Erklärungen, wie einem mutigen Richter in Italien beispielsweise, stießen auf schier unglaubliche konspirative Verflechtungen von Geheimdiensten, Sicherheitskräften und oft Rechtsextremen.

Es kam zu Prozessen, bei denen Angeklagte zugaben, dass sie gebombt hätten, damit die Leute nach mehr Sicherheit und Schutz gegen eine kommunistische Bedrohung rufen. „Für uns war der Kalte Krieg ein Krieg“, sagte etwa der italienische Rechtsterrorist Vincenzo Vinciguerra, dessen Aussagen vor Gericht zur Geheimorganisation „Gladio“ dazu führten, dass Regierungen 1990 in ganz Europa die Existenz NATO-gesteuerter geheimer Netzwerke zugeben mussten, die laut offizieller Darstellung nur in Aktion treten sollten, wenn der „Ennemi“ Westeuropa überrollen sollte. Die Mission: Nachrichtenübermittlung, Infiltrierung/Exfiltrierung, Aktionen - sprich Sabotage, psychologische Kriegsführung und die Unterstützung militärischer Spezialkräfte. Dass die Mitglieder der Netzwerke permanent dafür trainiert wurden liegt auf der Hand, schließlich mussten sie jederzeit losschlagen können. Kaum zu glauben eigentlich, dass es am wichtigen NATO-Stützpunkt Luxemburg keine Spezialisten gab, die auch dann noch hätten agieren können, wenn die Russen die offiziellen Streit- und Sicherheitskräfte überrollt hätten. Oder zu speziellen Missionen, etwa zum Aufbau einer „Strategie der Spannung“ hätten heran gezogen werden können. Bis heute gilt aber die Darstellung, dass das Luxemburger „Stay Behind“-Modell nur aus „honorablen“ Funkern und Helfern bestand. 23 Jahre nach der Auflösung des „Plan“, zu dem damals leider kein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ermitteln durfte, sind die Archive freilich leer. Aber die Leute, die Verantwortung für „Stay Behind“ trugen und NATO-Befehle entgegen nahmen, sind noch da. Sie werden vor Gericht unter Eid sagen müssen, was sie darüber wissen. Kommende Woche könnte der „Bleideckel“ über der „Bommeleeër“-Affäre einen tiefen Riss bekommen.