LUXEMBURG
GUSTY GRAAS

Vor 225 Jahren endete das Leben einer der markantesten Figuren der Französischen Revolution

Er war eine der markantesten Figuren der Französischen Revolution: Maximilien-Marie-Isidore Robespierre, am 6. Mai 1758 in Arras geboren, der Frankreich vom feudalen Joch befreien wollte, um es in ein neues Zeitalter zu führen. Sein kurzes Leben war durch eine schwierige Kindheit gekennzeichnet. Nach dem Ableben der Mutter und dem Verschwinden des Vaters brach eine bittere Zeit für die vier Waisen aus dem Hause Robespierre an. Armut löste nun den Wohlstand ab. Robespierre, ein leidenschaftlicher Leser und großer Anhänger von Jean-Jacques Rousseau, studierte zunächst in Paris am Collège Louis-le-Grand und später an der Sorbonne. In seiner Heimatstadt entwickelte er sich zu einem angesehenen Bürger, der den Kampf gegen die örtlichen Kirchenbehörden nicht scheute.

Am Anfang seiner politischen Laufbahn unterschätzt, bestach er immer mehr durch eine klare und scharfe Rhetorik. In relativ kurzer Zeit gelang ihm einen kometenhaften Aufstieg. Im April 1789 schaffte er die Wahl in die Generalstände, wobei man die genaue Zahl der Abgeordneten nicht kennt. Sie schwankte zwischen 1.118 und 1.196. Fortan galt Robespierre als einer der mächtigsten Männer des Jakobinerklubs, auch Bergpartei genannt, saßen diese Abgeordneten doch immer in den obersten Reihen im Parlament. Die Jakobiner vereinten den Block der mittleren und der Kleinbourgeoisie, der Bauernschaft und der Stadtplebejer. Ihr politischer Gegner waren die Girondisten.

Missmut gegenüber Ludwig XV.

Die über 40-Jährige Herrschaft des umstrittenen Königs Ludwig XV., eine zunehmende Ausbeutung der Bauern und die steigende Besteuerung des Bürgertums, säten Unzufriedenheit über das Land. Menschen wie Robespierre, der auch Gedichte verfasste, sahen sich zum Handeln gezwungen. Bauernunruhen gewannen im Laufe des 18. Jahrhunderts an Stärke und in den Jahren 1788 und 1789 verschärfte sich die angespannte Lage. Anfang August 1788 wurden die Generalstände, die seit zwei Jahrhunderten nicht mehr getagt hatten, einberufen. Das Ende des Feudalismus und der tausendjährigen französischen Monarchie kündigten sich an.

Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, wandelte Robespierre sich vom konstitutionellen zum revolutionären Demokraten. Im Volk sah er die Kraft der Revolution und in seinen Augen waren alle Regierenden, auch Könige, lediglich Delegierte des Volkes. Zudem verteidigte er das allgemeine Wahlrecht, wobei aber Frauen ausgeschlossen blieben. Im September 1789 unterbreitete er einen aus heutiger Sicht bizarren Vorschlag über die jährliche Wiederwahl der Abgeordneten. Sein Ruhm hatte inzwischen ganz Frankreich erfasst und sein Bild zierte sogar die Schaufenster von Geschäften. Trotzdem blieb er in seinem Wesen bescheiden und Geld spielte für ihn keine Rolle.

Aber innerhalb des Jakobinerklubs tauchten Spannungen auf, die schließlich am 16. Juli 1791 zur Spaltung führten. Am 30. September desselben Jahres fand übrigens die letzte Sitzung der Konstituante statt.

In Europa formierten sich zusehends Kräfte, die entschlossen gegen das revolutionäre Aufbegehren in Frankreich vorgehen wollten. Diese konterrevolutionäre Koalition umfasste neben Österreich und Preußen auch England, Holland, Spanien, die Königreiche Neapel und Sardinien sowie mehrere deutsche und italienische Kleinstaaten. Am 20. April 1792 erklärte Frankreich dem österreichischen Kaiser den Krieg. Nach einigen Misserfolgen gelang den Franzosen am 20. September 1792 bei Valmy der erste Sieg über die Interventen. Der Tag danach wurde zum ersten Tag des Jahres 1 der Republik erklärt. Robespierre verschaffte sich mit der mit von ihm publizierten Wochenschrift „Le défenseur de la Constitution“ eine zusätzliche Tribüne. Im Juli 1792 forderte er unmissverständlich die Abschaffung der Monarchie und die Ausrufung der Republik mit der Bildung eines Nationalkonvents, der dann auch am 20. September 1792 in Paris zusammentrat. Das ganze Land bekämpfte nun die Monarchie und am 10. August 1792 erhob sich in Paris, unter der Leitung der Kommune, das Volk - die Sansculotten der Hauptstadt - gegen den verhassten König, der im Tempel eingesperrt wurde. Es folgte die Entstehung der Kommune als Organ, die den bewaffneten Aufstand befürwortete. Robespierre trat ihr bei und wurde später zum Mitglied ihres Generalrates gewählt. In seiner Rede vom 3. Dezember 1792 forderte er den Tod des ehemaligen Königs, der mit 387 gegen 334 Stimmen denn auch entschieden wurde. Geköpft wurde Louis Capet, so lautete nun der Name des früheren Königs Ludwig XV., am 21. Januar 1793. Robespierre hatte sich definitiv für den revolutionären Terror des Wohlfahrtsausschusses, das Exekutivorgan des Konvents, entschieden. Vom 23. Prairial bis zum 8. Thermidor wurden rund 1.563 Urteile gefällt, darunter 577 Todesstrafen.

Nachdem im Herbst 1792 die Bauernunruhen wieder zunahmen, entbrannte im März 1793 ein Aufstand in der Vendée. Mit einer Erhebung am 31. Mai 1793 in Paris endete die Herrschaft der Gironde und die Jakobiner gelangten an die Macht. Doch die jakobinische Diktatur schürte besonders in der Bourgeoisie und der besitzenden Bauernschaft konterrevolutionäre Kräfte. Innerhalb der Jakobiner wuchsen erneut Feindseligkeiten. Im März 1794 wurden die Gruppen um Danton und Hébert zerschlagen. Danton und Camille Desmoulins, frühere Weggefährten von Robespierre, fielen schließlich am 5. April 1794 der gefürchteten Guillotine zum Opfer.

Ende der Republik

Da Robespierre manche Ziele verfehlte, setzte er sich dem Groll seiner Anhänger aus. Das arbeiterfeindliche Gesetz Le Chapelier ließ er zum Beispiel in Kraft. Sein Feind war in erster Linie die Großbourgeoisie. Besondere Sympathien hegte er für die Bauern und rechtfertigte deren gewaltsames Vorgehen. Er spürte aber zusehends die aufkeimende Kritik an seiner Person innerhalb des Jakobinerklubs. Allmählich erkannte er, dass die Hoffnung auf eine Republik der Gerechtigkeit immer weiter entrückte. Die Hebel der Macht entglitten seinen Händen und die Zahl der Verschwörer in seinem Dunstkreis vergrößerte sich. Am 9. Thermidor (27. Juli 1794) kam es im Sitzungssaal des Konvents zu einer entscheidenden Redeschlacht, wo ein bis dato unbekannter Hinterbänkler namens Louchet den Vorschlag hinausschrie, Robespierre zu verhaften. Dafür erntete er brausenden Applaus. Mit anderen Gesinnungsgenossen wurde Robespierre schließlich in Gewahrsam genommen, doch das Volk von Paris erhob sich gegen diese Entscheidung. Infolge Verrats drang aber ein konterrevolutionärer Truppenteil in das Rathaus, wo sich Robespierre aufhielt, und der Gendarm Merda zerschmetterte ihm mit einer Pistole den Kiefer. Am darauffolgenden Tag wurde Robespierre, wie seine Mitstreiter, ohne Gerichtsverhandlung auf dem Place de Grève guillotiniert. Das Ende der Republik war besiegelt.

Robespierre revolutionäres Handeln sollte Nachahmer in vielen anderen Ländern, sowohl in Europa als auch in Amerika, finden. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod versammelten sich in Russland junge Anhänger des französischen Freiheitskämpfers, die sich vom Würgegriff des Zaren Nikolai I. lösen wollten. Auf den Britischen Inseln waren die Parolen von Robespierre Ansporn für die Entfachung von Klassenkämpfen.

War Robespierre ein blutgieriger Tyrann, ein nach Herrschsucht lechzender Diktator oder ein Mann mit Weitsicht, der das Volk von den aristokratischen Fesseln befreien wollte, auch wenn dieses edle Ziel nur mit Gewalt erreichbar schien? Diese Frage ist schwer zu beantworten, klaffen doch die Meinungen unter den Historikern über diesen bis heute im kollektiven Gedächtnis lebendigen Revolutionär weit auseinander.

Bibliografie: Albert Manfred, Robespierre, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, Stephan Eggerdinger Verlag, München 1994.