LUXEMBURG
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Die Technologie-Trends für 2020

Dass die Welt sich so rasant ändert hat natürlich in erster Linie auch mit der Entwicklung der Technologie zu tun. Was werden die Trends sein, die das kommende Jahr bestimmen? Das versuchen eine Menge Beratungsunternehmen aufgrund der Entwicklung jährlich vorauszusagen. Nachfolgend zehn ausgewählte Trends, die sich in den Berichten wieder finden.

Die Technologie-Trends für 2020

Selbstfahrende Autos
2020 ist das Jahr, für das einst Roboterwagen im Straßenverkehr in Aussicht gestellt wurden. Doch die Entwickler mussten inzwischen eingestehen, dass es deutlich länger dauern wird. Die Schwierigkeit besteht immer noch vor allem darin, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer richtig vorherzusagen. Bisher ist die Google-Schwesterfirma Waymo der einzige Player, der einen Robotaxi-Service in größerem Maßstab testet. Es wird sich zeigen, ob weitere Konkurrenten soweit sind - oder ob die von Experten erwartete Auslese weniger erfolgreicher Anbieter losgeht. Luxemburg, Deutschland und Frankreich haben 2017 eine Zusammenarbeit für ein Testfeld für selbstfahrende Autos unter realen Bedingungen unterzeichnet. Es betrifft insbesondere die Autobahnverbindungen zwischen Metz, dem Süden Luxemburgs und dem Saarland.

Virtuelle Realität
Die Technik, bei der Nutzer mit einer Spezialbrille auf dem Kopf komplett in virtuelle Welten eintauchen, blieb bisher trotz Milliarden-Investitionen ein Nischenmarkt. Ändert sich das schließlich 2020? Vor allem die Facebook-Firma Oculus stellte die Weichen dafür mit ihrem Modell Quest, das ein hochwertiges VR-Erlebnis ohne Kabel und Anschluss an einen teuren PC bieten kann. Im kommenden Jahr will Oculus den nächsten Schritt machen, mit der Erkennung von Handgesten zur Steuerung statt der bisher üblichen Controller.

Hyperautomatisierung
Hier sprechen wir nicht nur von Robotern, die eine gewisse Routine ausführen, sondern von lernenden Maschinen. Laut Gartner kommt es auf das Zusammenspiel der bestehenden Instrumente an. A propos Roboter: Das Beratungsunternehmen Deloitte geht davon aus, dass eine Million Roboter im Jahr verkauft werden, dass ab kommendem Jahr allerdings mehr davon „Service Roboter“ sein werden, als Industrieroboter.

5G
Erste Netze laufen - das kommende Jahr könnte das erste mit 5G auf breiter Front werden. Auch in Luxemburg soll es im Laufe von 2020 kommerzielle Angebote geben. Telekomunternehmen haben bereits erste erfolgreiche Tests durchgeführt. Die Lizenzen für die Funkfrequenzen sind noch zu vergeben. Der Chipkonzern Qualcomm, dessen Technik in den weitaus meisten Smartphones steckt, rechnet mit dem Absatz von bis zu 225 Millionen 5G-Modems. Eine spannende Frage ist auch, ob wie erwartet zunächst die Industrie oder am Ende doch die Verbraucher schneller auf 5G einschwenken werden.

Ambient Computing
Die Idee ist nicht neu - die Interaktion mit Computern verteilt sich auf viele Geräte, die einen Nutzer ständig Umgeben. Doch jetzt, mit der Verbreitung von Sprachassistenten und der Miniaturisierung von Computertechnik wird die Vision des „Ambient Computing“ schließlich greifbar. Amazon stellte jüngst als experimentelle Geräte einen Ring und eine Brille mit Alexa-Assistentin vor. Bei Apple sind einige Funktionen, auf die man üblicherweise über das iPhone zugreift, auf die Computer-Uhr Apple Watch und die drahtlosen AirPods-Ohrhörer verteilt.

Augmented Reality
Apple schwört auf die Technologie der sogenannten erweiterten Realität (Augmented Reality), bei der virtuelle Inhalte auf dem Display in reale Umgebungen integriert werden. Der iPhone-Konzern will mit der Plattform ARKit App-Entwicklern die Möglichkeit geben, die Technik ohne viel Aufwand in ihre Apps zu integrieren. Zunächst geht es um Spiele sowie Anwendungen zum Lernen oder für den Beruf. Apple arbeitet aber laut Medienberichten - genauso wie andere Anbieter - auch an einer entsprechenden Spezial-Brille. Der Spiele-Anbieter Niantic, der hinter dem populären Game „Pokémon Go“ steckt, stellt sich bereits auf eine Zukunft mit AR-Brillen ein.

Internet aus dem All
Deloitte sieht 2020 als das Jahr, in dem die „Low Earth Orbit Satelliten“ Internet aus dem Weltraum für das breite Publikum zugänglich machen. Zahlreiche Unternehmen wie SpaceX, Amazon und andere seien nämlich dabei oder stünden kurz davor, eine große Anzahl sogenannter LEO-Sats in der Erdumlaufbahn zu installieren (zwischen 160 and 2.000 Kilometer) und als Internet-Zugangspunkte für jeden Ort dieser Welt zu betreiben. 2019 umkreisten erst 200 derartige Satelliten unseren Planeten, Ende 2020 sollen es bereits 700 sein. In den nächsten Jahren ist der Einsatz von bis zu 16.000 LEO-Sats geplant. Auch in Luxemburg arbeiten Unternehmen an LEO-Systemen.

Treiber/Zubehör
Smartphone-Hersteller haben sich mittlerweile auch zu weltweiten Marktführern etwa bei Uhren und drahtlosen Kopfhörern aufgeschwungen. Der Markt für Smartphone-Apps, Add-ons und Zubehör wächst so laut Deloitte mit 15 Prozent von Jahr zu Jahr doppelt so schnell wie der Smartphone-Endgerätemarkt selbst. Das Beratungsunternehmen geht für 2020 von einer Markt- Größenordnung von weltweit 459 Milliarden US-Dollar aus – die Smartphone-Verkäufe an sich liegen bei 484 Milliarden Dollar. Rechnet man Inhalte (dazu gehört auch Werbung) und Dienstleistungen (etwa Datenaufbewahrung, Versicherungen usw.) hinzu, ist der Smartphone-Markt ein Billionengeschäft.

Praktisches Blockchain
Die sogenannte „Blockketten-Technologie“ oder „Distributed Ledger Technology“ erlaubt bombensichere Transaktionen. Sie ist die Grundlage der Kryptowährung Bitcoin, kann aber auch auf zahlreiche andere Anwendungen repliziert werden, was unter anderem die Sicherheit stärkt, Kosten verringert und „cash flows“ beschleunigt. Das Consulting-Unternehmen Gartner sieht erhebliches „Disruptionspotenzial“ in dieser Technologie, die noch mit technischen und Interoperabilitätsproblemen zu kämpfen hat. Auf jeden Fall wird auf allen Ebenen damit experimentiert. Im Mai wurde in Luxemburg sogar die erste Blockchain im öffentlichen Sektor angekündigt.

Podcast- & Hörbücher
Laut Deloitte entwickeln sich Podcast und Hörbücher immer mehr zu einer ernsthaften Konkurrenz für Radio, gedruckte Bücher und eBooks. Allein der weltweite Markt für Hörbücher dürfte dem Beratungsunternehmen zufolge 2020 um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zulegen. Der Podcast-Markt abonnierbarer Mediendateien dürfte sogar um 30 Prozent steigen, auf über eine Milliarde Euro. Podcast ist ein Kofferwort aus „Broadcast“ (Rundfunk) und iPod – Apples erfolgreicher MP3-Player. Die Funktion ist längst in Smartphones integriert.
Lëtzebuerger Journal
Auf sie gilt es 2020 zu achten

Köpfe der Netzwelt

Margrethe Vestager
Als EU-Wettbewerbskommissarin galt die dänische Politikerin bereits als die härteste Aufseherin für amerikanische Tech-Riesen, die bereits allein gegen Google Strafen von mehr als acht Milliarden Dollar verhängte. In der neuen Kommission ist Margrethe Vestager nun zusätzlich als „exekutive Vizepräsidentin“ für Digitales insgesamt verantwortlich. Die 51-Jährige bekommt damit einen bisher beispiellosen Einfluss auf den Kurs Europas bei der Digitalisierung. Sie will unter anderem für fairere Spielregeln in der Tech-Industrie sorgen.

Mark Zuckerberg
Der Facebook-Chef ist Kritik eigentlich gewohnt - doch der Druck auf das weltgrößte Online-Netzwerk hat in den vergangenen Monaten eine neue Ebene erreicht. US-Wettbewerbshüter leiteten Ermittlungen ein, der Plan für die Digitalwährung Libra stieß auf massiven Gegenwind von Regulierern und Politikern. Aktuell muss der 35-Jährige zudem die Position verteidigen, dass auch nachweislich falsche Äußerungen von Politikern auf der Plattform bleiben sollten. Das Jahr 2020 mit der US-Präsidentenwahl könnte entscheidend für die Zukunft von Facebook und Mark Zuckerberg werden. Das Werbegeschäft des Online-Netzwerks läuft unterdessen blendend.

Julian Assange
Der Wikileaks-Gründer tauschte in diesem Jahr den kleinen Raum in der Londoner Botschaft Ecuadors gegen eine Zelle in einem britischen Gefängnis ein, nachdem das lateinamerikanische Land ihm kein Asyl mehr gewähren wollte. 2020 könnte sich das weitere Schicksal von Julian Assange entscheiden. Die USA fordern seine Auslieferung. Dabei werfen US-Ankläger dem 48-Jährigen nicht die Veröffentlichung geheimer Informationen bei der Enthüllungs-Plattform vor, sondern dass er dabei geholfen habe diese illegal zu erlangen. Die Ermittlung in Schweden wegen eines Vergewaltigungs-Vorwurfs gegen Assange wurden unterdessen inzwischen eingestellt.

Elon Musk
2018 schien der Tesla-Chef noch auf dem absteigenden Ast zu sein - allein schon das Chaos um seine Idee, den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen, ließ Anleger zweifeln. Doch dieses Jahr lief es wieder ganz gut für Elon Musk: Tesla baut seinen Hoffnungsträger Model 3 inzwischen in stabilen Stückzahlen und präsentierte den Kompakt-SUV Model Y und einen Pick-Up. 2020 muss der Tesla-Chef allerdings schließlich beweisen, dass er ein neues Modell auch ohne großes Drama in die Produktion bringen kann: Das Model Y und der Elektro-Sattelschlepper sollen auf den Markt kommen.