TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Aus Shakespeares „Othello“ wird in Trier ein Rockspektakel

William Shakespeare schrieb sein Drama „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ um 1603. Die zeitlosen Elemente wie Gier und Eifersucht haben aus dem 1604 erstmals in London gespieltem Stück einen Theaterklassiker gemacht. In Trier adaptierte der im Sommer scheidende Theaterintendant Gerhard Weber das Stück zusammen mit Sven Sorring zu einem Rockspektakel „Othello Reloaded - The Moor of Venice“, das man auch als Musical bezeichnen könnte. Sorring, Begründer und Leadsänger der Band „CowGaroo“, komponierte 21 rockige Songs und spielt zudem die Rolle des Jagos. Am Samstag war die Premiere der ebenfalls von Weber inszenierten Show im Bobinet-Quartier in der Halle 6 in Trier.

Eifersucht kennt keine Grenzen

Das Trierer Musical spielt in der Zukunft auf einer Insel. Der farbige General Othello (Andrea M. Pagani) ist wegen seiner Hautfarbe das Objekt rassistischer Bemerkungen seitens seiner Soldaten und Offiziere. Heimlich hat er die bildhübsche Desdemona (Nadine Eisenhardt) geheiratet, die eine Modeagentur zusammen mit Jagos Frau Emilia (Sabine Brandauer) betreibt. Die Heirat passt Desdemonas Vater Brabantio (Klaus-Michael Nix) gar nicht. Fähnrich Jago hat eigentlich darauf gerechnet, Othellos neuer Adjutanten zu werden, doch wurde Cassio (Jan Schuba) auserwählt. Diese Entscheidung schürt seinen Hass gegen den General. Mit Hilfe von Drogen gelingt es ihm während einer Feier über das Ende des Krieges, Cassio und Rodrigo (Daniel Kröhnert), der ein Auge auf Desdemona geworfen hat, in einen Rausch zu versetzen, so dass es zu einem Kampf kommt, bei dem Cassio verletzt wird, der aber Rodrigo erstechen kann. Dieser Zwischenfall führt zu Cassios Degradierung. Zusätzlich kann Jago Othello überzeugen, dass Cassio eine Affäre mit Desdemona hat, was ein Taschentuch beweisen soll, das er ihr einst schenkte. Grenzenlose Eifersucht beginnt im General zu wachsen.

Rockige Songs in futuristischem Ambiente

Die Offiziere tragen kugelsichere Westen sowie eine Art Krone, aus der Kabel heraushängen, etwa wie aus einer Elektroenzephalografie-Haube, während Othello eine weiße Halbmaske trägt, wie das berühmte Pariser Phantom, und ein Hemd mit Hieroglyphen. Den Songs in englischer Sprache und den deutschen Dialogen nach zu urteilen, kämpfen sie gegen türkische Heiden. Die Verse Shakespeares wurden in eine moderne Sprache verwandelt, und die Lieder ertönen im Sound des 21. Jahrhunderts, live von der Band „CowGaroo“ gespielt. Besonders gut klingen „We are God“, „Together with O“, „Pictures of War“, „Turn the Light Out“ oder „Fly With Me“.

Andrea M. Pagani spielt den langsam von der Eifersucht aufgefressenen General mit einer unwahrscheinlichen Überzeugung und besticht durch seinen außerordentlichen Gesang. Sven Sorring intrigiert mit schauspielerischer Finesse und überzeugt voll und ganz als Sänger. Dass Nadine Eisenhardt eine ausgezeichnete Sängerin ist, weiß man seit langem, und hier sieht sie in ihrem engen blauen Kleid und ihrem silbernen Haarschmuck echt sexy aus. Schauspielerisch und gesanglich passt Jan Schuba perfekt ins Konzept, genau wie Sabine Brandauer.

„Othello Reloaded“ ist eine originelle Aufarbeitung des Shakespeare-Dramas, in dem die menschlichen Gefühle wie Gier, Hass und Eifersucht immer noch zeitlosen Charakter haben, und das umgarnt von flotter Rockmusik. Der Weg in die Halle 6 im Bobinet Quartier ist somit gerechtfertigt. Schade ist nur, dass die Sicht in der Halle durch Stützpfeiler eingeschränkt ist, je nach dem, wo man sitzt. Das Rockspektakel wird in naher Zukunft auch auf Tournee gehen.


Tickets und weitere Informationen findet man unter
www.theater-trier.de.