PATRICK WELTER

Jetzt geht er, und sein Generalvertreter für Deutschland hofft, dass er einen „jungen“ Nachfolger haben wird. Mit „jung“ ist jemand „unter siebzig“ gemeint. Diese Aussage, die der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Herr Zollitsch, gestern in Trier machte, lässt tief blicken. Einen Verein, der darauf hofft einen geschäftsführenden Vorsitzenden zu finden der das 70. Lebensjahr noch nicht erreicht hat, darf man als durch und durch überaltert bezeichnen.

Immerhin, der jetzt freiwillig aus dem Amt scheidende Bischof von Rom hat mit seinen fast 86 Jahren seine vier Vorgänger an Lebensalter übertroffen und die Zeichen erkannt. Sein in bestem Latein formuliertes „Nun macht doch euren Kram alleine“ sollte man nicht mit der Flucht des guten Coelestin in seine Einsiedelei vergleichen. Herrn Ratzingers Rücktritt vom Amt des Papstes ist eigentlich nur mit einem historischen Ereignis zu vergleichen, das nicht mehr 700 sondern nur rund 450 Jahre her ist: Der Thronverzicht von Kaiser Karl V., (Carlos I. für Spanier) im Jahr 1556. Da ging auch einer ins Kloster, weil er die Welt nicht mehr verstand. Obwohl in seinem Reich die Sonne nie unterging, hatte ihm ein Mönchlein die Stirn geboten, bei den Fürsten Unterstützung gefunden und die Kirche gespalten. So das kaiserliche Weltbild. Für andere hatte das Mönchlein das Christentum reformiert und den Weg in die Zukunft geebnet. 2017 wird sich der Thesenanschlags Luthers zum 500. Mal jähren und gefeiert werden. Für den Noch-Papst und ehemaligen Chef der heiligen Inquisition, ein ganz und gar unerfreuliches Fest.

Im Gegensatz zu seinem genauso konservativen aber charismatischen Vorgänger, der zunächst einmal alle umarmte, die an einen Gott glaubten und dann erst über theologische Fragen diskutierte, besteht Professor Ratzinger darauf, dass zuerst der theologische Anspruch und dann das Miteinander kommt. Das Dogma zuerst, danach die theologische Debatte, dann ein großer Haufen Stein und ganz zum Schluss, wenn überhaupt, die ganz normale Menschlichkeit.

Immerhin ist die Menschlichkeit nun auch ein Thema bei der deutschen Bischofskonferenz. Den Punkt hat man fix auf die Tagesordnung gesetzt weil die Heilsverkünder vom Sturm der Entrüstung überrumpelt wurden, als man eine Vergewaltigte an zwei katholischen Kölner Kliniken abwies, aus lauter Angst, der armen Frau eine „Pille danach“ verabreichen zu müssen. Die „Barmherzigkeit“ des Kardinal Meissner reicht erkennbar bis zur letzten eingeschüchterten Krankenschwester.

Die Herren in schwarz diskutieren nun in Trier, ob man die „Pille danach“ als Medikament bei der Behandlung vergewaltigter Frauen zulassen kann, aber es dürfe kein reguläres Verhüttungsmittel sein…

Es wäre mal interessant herauszufinden wie es Luxemburgs Krankenhäuser in solchen Fällen halten, da sich Mutter Ecclesia, obwohl im Alltagsleben ziemlich bedeutungslos geworden, mehr und mehr den Gesundheits- und Sozialsektor untertan macht. Dazu braucht es nicht mal eine Luxemburger Bischofskonferenz, hierzulande genügt einer um das Schiff noch näher an die dunkle Seite Roms heran zu steuern.