LUXEMBURG
MARCO MENG

Die Ressourcen, die beim Abriss frei werden, werden noch nicht optimal genutzt

Die Bauinvestitionen sollen in Luxemburg 2017 um 3,8 Prozent und 2018 um 3,1 Prozent steigen. Dies prognostiziert die EU-Kommission, die für das laufende Gesamtjahr sogar mit einem realen Plus von 6,2 Prozent rechnet. Noch 2015 hatte sich der Gesamtumsatz des luxemburgischen Hochbaus um 9,6 Prozent verringert. 23,0 Prozent aller Gebäude im Land stammen aus der Zeit von 1970 bis 1989, 22,8 Prozent aus der Zeit von 1945 bis 1969, 14,9 Prozent entstanden zwischen 1919 und 1945 und 13,9 Prozent aller Objekte sind vor 1919 gebaut worden.

Es wird viel gebaut, und nicht wenig abgerissen. Gewaltige Mengen an mineralischen Abfällen fallen bei beidem, beim Bauen und beim Abriss von alten Bauten an. Fester Bauschutt wie Zement, Steine, Keramik stellen 93 Prozent des Abbruchmaterials in Luxemburg dar, sieben Prozent sind Materialien wie Holz, Glas, Metall, die leicht wiederverwertbar sind. Aber was mit den anderen Materialien: Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff, und so ist es derzeit erst einmal eine mühevolle Suche, das Material aus Abbruchhäusern zu bestimmen, damit man es dem Recycling zuführen kann.

In Zukunft soll das besser werden, wie sich die Beteiligten sicher sind. Mit einer modularen Bauweise, die vielerorts bereits ausprobiert wird, wird nicht nur das Bauen selbst schneller und einfacher, auch beim Rückbau wäre das der Fall. Zudem gewinnt der Einsatz recycelbarer oder bereits recycelter Stoffe als Baumaterial Bedeutung. En vogue ist hier Holz, womit die ersten Hochhäuser gebaut werden.

Maßnahmenkatalog in Vorbereitung

Für die rund 40.000 Beschäftigten im luxemburgischen Bausektor heißt das, dass die Arbeit immer anspruchsvoller wird. Planer und Beschäftigte müssen beim Bauen und beim Abriss genaue Kenntnisse über die verwendeten Materialien haben - und wie und wo sie recycelt werden können. Fraglos wird in den kommenden Jahren die Recycling-Wirtschaft wachsen, nicht nur in der Baubranche. Ein Beispiel ist das Unternehmen Tarkett in Luxemburg, das den Anteil von Recyclingmaterial bei seinen Produkten stetig ausbaut. Die Summe betrug im letzten Jahr 80.000 Tonnen, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 27 Prozent bedeutet.

Der nationale Abfallplan („plan national de la gestion des déchêts 2016“) spricht hierzu konkrete Maßnahmen aus, denn die Wiederverwertung von Materialien aus dem Gebäudeabriss seien hier wichtige Linien für die Zukunft, so die Umweltabteilung des Nachhaltigkeits- und Infrastrukturministeriums.

Derzeit erarbeitet man dort Kriterien, die die Wiedernutzung von Bauschutt klären und unterstützen sollen. Dabei geht es um die Qualität des Abfallmaterials, da auch nur gutes Material Abnehmer auf dem Markt finden wird.