LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Leben nach der Apokalypse: Peter Jackson produzierte „Mortal Engines“

Der britische Autor und Kinderbuch-Illustrator Philip Reeve schrieb den Fantasy-Roman „Mortal Engines“ 2001, dem noch drei Teile folgten: „Predator’s Gold“ (2003), „Infernal Devices“ (2005) und „A Darkling Plain“ (2006). Bereits 2008 kündigte der neuseeländische Regisseur Peter Jackson („The Lord of the Ring“-Trilogie) die Verfilmung des ersten Teils an. Regisseur Christian Rivers sitzt zum ersten Mal auf dem Regiestuhl, arbeitete jedoch bereits mit Jackson zusammen, unter anderem als Storyboard-Artist für „Braindead“ (1992). Jackson schrieb das Drehbuch zusammen mit seiner Frau Fran Walsh und Philippa Boyens, die ihm ebenfalls beim Schreiben von „Der Herr der Ringe“ zur Seite standen.

Gierige Städte und Historiker

In einer klitzekleinen Einleitung wird erklärt, dass ein 60-Minuten-Krieg die Erde zerstörte. Nur wenige Menschen überlebten. Wann diese Apokalypse stattfand, wird nicht genau gesagt, doch bemerkt Tom Natsworthy (Robert Sheehan) beim Essen eines Stück Kuchens, dass das Verfallsdatum seit über 1.000 Jahren abgelaufen ist. Somit müsste die Geschichte um 3100-3200 spielen. Die Menschen haben Städte auf Rädern gebaut, so dass sie sich bewegen können, um unterwegs Rohstoffe zu sammeln. Ein solches rollendes Städtchen „Salthook“ (Salzhaken) wird von der riesigen Prädator-Stadt „London“ angegriffen und „geschluckt“ - der einfachste Weg, um an Ressourcen zu kommen. Übrigens gibt es auch noch kleinere Räuber-Städte und solche, die unter dem Boden kriechen können.

Über „London“ herrscht ein Bürgermeister (Joel Tobeck), doch auch der Chef der Historiker Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) beansprucht mehr als nur seinen Stuhl als Wissenschaftler. Er hat eine Tochter, Katherine (Leila George), die durch die kommenden Ereignisse Zweifel an der Integrität ihres Daddys bekommt. Als eine junge Frau mit zwei Narben im Gesicht, Hester Shaw (Hera Hilmar), aus „Salthook“ Thadeus töten will, verfolgt sie Tom Natsworthy, ein junger Historiker. Nicht nur Hester, sondern auch er werden von Thaddeus in einen Abgrund gestoßen. Beide überleben, und sie müssen nun herausfinden, was Thaddeus im Schilde führt.

Eine Mischung aus Steampunk und allem Möglichen

Eines muss man dem Film lassen: Er ist von der Tricktechnik her außerordentlich gut gemacht. Besonders das Steampunk-Ambiente gefällt. Die Szenenbildner haben sich enorm viel Mühe bei der Herstellung einiger Kulissen gegeben. Verschiedene Figuren sind weniger originell und erinnern zum Beispiel an die Krieger in „Star Wars“, nur dass sie hier wie britische Bobbys aussehen, und die Verfolgung von „Salthook“ durch „London“ erinnert weitläufig an „Pirates of the Caribbean“. Wenn man jedoch anfängt, die grauen Zellen anzustrengen, dann stellt sich schnell heraus, dass jegliche Logik fehlt: Wie zum Teufel haben sie diese Städte gebaut? Die Erde liegt ja schließlich in Schutt und Asche, wie wahrscheinlich auch die Saint-Paul-Kathedrale und der Big Ben. Nur die beiden britischen Denkmäler verzieren die gefräßige Stadt „London“. Und schließlich finden sich alle möglichen Relikte auf der Erde wieder, um eine neue Super-Waffe zu konstruieren. Tricktechnisch ist „Mortal Engines“ ein Glanzlicht, aber von der Geschichte her wieder einmal ein Griff ins Leere. Einziger lustiger Moment ist das Museum in „London“. Hier sind zwei Minion-Figuren ausgestellt, die vorzeitliche Götter gewesen sein sollen!