LUXEMBURG
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CFL zieht positive Bilanz nach dem Fahrplanwechsel im Dezember

Positive Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Passagiere und ein Zugewinn an Zuverlässigkeit trotz Streiks und reichlich verbleibender Baustellen: Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch und die Vertreter der CFL wagten am gestrigen Mittwoch eine eigentlich positive Bilanz der Arbeiten nach dem Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres. Dabei wagten sie auch einen Ausblick in die Zukunft der Schieneninfrastruktur Luxemburgs - und die dazu gehörigen Milliardeninvestitionen.

Der Fahrplanwechsel im Dezember mit den neuen Stationen am Howald und dem Pfaffenthal hätten demnach wesentlich zur Zufriedenheit der Fahrgäste beigetragen, erklärte Minister Bausch gestern. „Das hat die Situation für viele Fahrgäste erheblich verbessert“, meinte er mit Blick auf die knapp 7.000 Passagiere, die täglich beide Haltestellen nutzen. Er mahnte aber auch: „Für manche waren die Änderungen vorerst auch Verschlechterungen, und solange wir das Projekt am Hauptbahnhof nicht abgeschlossen und keinen durchgängigen Verkehr ermöglichen können, wird es keinen kompletten, großen Schritt nach vorn für alle geben.“

Grund genug für CFL-Generaldirektor Marc Wengler, die Zahlen der CFL im Detail zu betrachten. So seien die Fahrgastzahlen seit 2005 um knapp 70 Prozent gestiegen, nachdem in der Periode zwischen 1980 und 2005 nahezu Stillstand herrschte. „Wir haben damit einen ganz eigenen Kontext in Luxemburg“, fasste er zusammen. „Inzwischen befördern wir 22.9 Millionen Fahrgäste jährlich bei quasi gleichbleibendem Netzwerk.“ Das Angebot sei stark angezogen worden.

90.000 Reisende und 1.000 Züge pro Tag

„Der Kunde steht damit ganz klar im Mittelpunkt der Strategie. Wir setzen stärker und systematischer auf Kommunikation und auf ein besseres Angebot“, betonte er mit Blick auf die Investments in neue Züge, kostenloses WiFi-Angebot auf den Bahnhöfen und der erhöhten Kadenz an Zügen. Hinzu komme, dass das Netz Luxemburgs sternförmig ausgerichtet sei und alle Gleise in der Stadt zusammen laufen. „Gepaart mit knapp 1.000 Zügen und 90.000 Reisenden pro Tag sowie einer scharfen Spitze am Morgen ist das eine europaweit ziemlich einmalige Situation“, meinte Wengler.

Das äußere sich mit Erfolgen; das erste Semester 2018 habe so knapp fünf Prozent mehr Fahrgäste eingebracht - und das trotz des zweimonatigen Streiks der französischen Eisenbahner. Spezifische, systematische Umfragen zur Zufriedenheit mit dem neue Angebot seien dementsprechend positiv ausgefallen, betont Wengler weiter. „Wir haben eine große Zustimmung für unsere neuen Fahrpläne erhalten; fast 30 Prozent gaben an, seitdem öfter auf den Zug umgestiegen zu sein, und fast zehn Prozent wollen erstmals den Zug genutzt haben“, meinte er. „Das heißt, fast jeder zehnte Fahrgast ist ein neuer Kunde für uns!“

Dabei sei es wichtig, auf die nötigen Informationsstrukturen zu setzen. „Die Fahrgäste wollen informiert sein, ob ein Zug sich verspätet oder wo sie aussteigen müssen“, meinte er. Auch in dieser Hinsicht habe sich die CFL deshalb zwar nicht neu erfunden, wohl aber große Schritte in die richtige Richtung gemacht.

Pünktlichkeit derzeit bei 89,4 Prozent

Seit zwei Jahren werden zudem Daten zur Pünktlichkeit der Züge erfasst, weshalb die Zugpünktlichkeit inzwischen leichter auszuwerten sei. Diese liegt demnach bei knapp 92,4 Prozent aller Züge, auf den Personenverkehr hochgerechnet sind es immer noch gute 89,4 Prozent. „Die neuen Fahrpläne mit den neuen Reserven haben etwas gebracht. Wir sind robuster geworden, ohne zu viele Haltestellen komplett abschaffen zu müssen“, sagte Wengler. An dem Hauptproblem, dass eine Verspätung auf einer Strecke auch eine weitere Strecke sabotiert, ändere das aber vorerst wohl nichts.

Denn die Überlastung des Netzes bleibt die Hauptquelle der Ärgernis, wenn es mal nicht rollt: In 55 Prozent der Fällen hängt es am Netz, 18 Prozent allein liegen daran, dass Züge zu lang in ihrer Station stehen oder zu lange unterwegs brauchen. 37 Prozent sei dann der einfache Domino-Effekt: „Wenn es irgendwo klemmt, dann wirkt sich das auf das restliche Netz aus. Wenn der Hauptbahnhof überlastet ist und die Züge nicht ausfahren können, verspäten sich andere Linien“, fasst es Wengler zusammen. Weitere 16 Prozent stammen aus hinzu gekommenen Rückstaus, die aus den Nachbarnetzen übernommen werden. „Das zeigt, dass wir strukturell noch nachzuholen haben“, meint er.

Große Projekte geplant

Entsprechend wichtig sei der knapp 145 Millionen teure Ausbau und die Modernisierung des Zentralbahnhofs in Luxemburg-Stadt. „Damit geht auch eine Reorganisation der Gleise einher, die mehr durchgehenden Verkehr erlaubt“, meint Wengler. „Damit binden wir den Süden und Norden sowie die wichtigen Umsteigemöglichkeiten in Howald und in Pfaffenthal zum Wechsel auf die Tram noch besser an.“ Zudem werde die Ein- und Ausfahrt verbessert, da weitere Gleise zur Verfügung stehen sollen und kein Zug warten muss. Das sei dann auch bei der zweigleisigen Strecke in Richtung Sandweiler und Bettemburg der Fall.

Der Ausbau und die Modernisierung der Bettemburger Strecke bis 2024 beläuft sich auf Kosten von 292 Millionen Euro. Riesige Investments für die Zukunft des Landes, wie Minister Bausch befand. „Wir haben damit eine wichtige Evolution bis 2028 mit neuen Ausbauarbeiten und Modernisierungen im zweijährigen Rhythmus“, meinte er. Wichtige Meilensteine würden so auch zwischendurch entstehen; seit 2008 wurden indes bereits 2,16 Milliarden Euro investiert, bis 2028 sollen es weitere 3,88 Milliarden sein. „Wir investieren gewaltig, und das sind enorm wichtige Investitionen.“ So stehe Luxemburg inzwischen auch bei dem Investment pro Kopf, Kilometer und Einwohner längst an der Spitze, noch vor Vorzeigeschülern wie der Schweiz. „Wir leisten einen infrastrukturellen Kraftakt für die Zukunft dieses Landes und ich bin fest überzeugt, dass das auch in Zukunft so weiter gehen muss“, meinte er.

Abschließend dankte der Minister den Verantwortlichen der CFL, stellvertretend für alle Mitarbeiter der Bahn, für die hervorragende Zusammenarbeit im Dienst der Mobilität Luxemburgs während seiner Amtszeit.