BERLIN/KÖLN
SIMONE ANDREA MAYER (DPA)

Die Trendfarbe Koralle in der Einrichtung

Die aktuelle Trendfarbe in der Einrichtung ist Koralle. Eine ungewöhnliche Wahl. Der Rosa-Ton fällt eher in eine Kategorie, von der die dezenten Nord- und Mitteleuropäer lieber Abstand nehmen - „nicht zu knallig bitte!“ Und doch leuchtet die Wahl von Koralle als Trendfarbe von Designern, Möbelfirmen und letztlich der Institution Pantone ein - denn es ist meist nur eine Akzentfarbe.

Und diese ist gar nicht so neu auf dem Markt - Anbieter kennen und nutzen Rosa schon seit zwei, drei Jahren immer stärker in der Mode und auch in der Einrichtung als Dekoration und für Möbel. Bereits 2016 hat Pantone mit „Rose Quartz“ ein pastelliges Rosa ebenfalls zur Trendfarbe des Jahres gekürt.

Anregende und lebensbejahend

Koralle aber ist damit nicht zu vergleichen. Laien würden die Farbe am ehesten mit Rosarot oder Rosaorange beschreiben. Die Experten des US-Unternehmens Pantone, die ein verbreitetes Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie entwickelt haben und jedes Jahr eine Trendfarbe ausrufen, beschreiben den Farbtrend 2019 namens „Living Coral“ als ein „anregendes und lebensbejahendes Orange mit goldenem Unterton“.

Doch nicht allein die Beschreibung des Farbtons ist schwierig, es ist auch kniffelig ihn klar im Handel auszumachen. Je nach Lichteinfall und Beleuchtungsvariante changiert der Ton mal mehr, mal weniger in Richtung Rosa, Orange oder gar Rot.

So kann Koralle mal wirken wie ein mädchenhaft-pudriger Hauch Rosa. Mal kann es sich nahtlos in die Orangepalette einfügen, die 2019 ebenfalls verstärkt in den Handel kommt - einhergehend mit dem Design der 1970er Jahre, das ein Comeback erlebt. Die Wohnexpertin Gabriela Kaiser würde es daher so ausdrücken: „Die Farbe ist nicht so superlieblich wie Rosa, aber auch nicht zu knallig.“

Diesen Mittelweg zwischen wohltuend-dezent und knallig-strahlend haben auch die Pantone-Experten in ihren Analysen von gesellschaftlichen Entwicklungen festgestellt - und darauf bezieht sich ihre Wahl. „Es überrascht uns nicht, dass in weltweit unsicheren Zeiten eine warme und wohltuende Farbe an Bedeutung gewinnt und zur Nummer eins wird“, kommentierte Leatrice Eiseman, Executive Director des Pantone Color Institutes, die Wahl Ende 2018. „Eine Farbe, die uns gleichzeitig beruhigt und uns die Energie spendet, die wir brauchen, um eine positive Haltung zu bewahren.“

Trends und Trendfarben spiegeln wieder, was die Menschen bewegt und wonach sie sich sehnen. So etwas entwickelt sich nicht plötzlich - was wiederum zeigt, warum die Farbpalette Rosa nicht 2019 urplötzlich im Handel auftaucht. Man kann davon ausgehen, dass rund fünf bis sieben Jahre vergehen von der Entstehung eines Trends bis zu seinem Verschwinden. Meistens bemerken Verbraucher im Handel nur Trend-Höhepunkt, wenn die Regale voll damit sind.

Das Beispiel Lila

So mancher Trend stirbt auch einen frühen Tod - einige prognostizierte und ausgerufene Farbtrends bei der Einrichtung haben es in den vergangenen Jahren nicht geschafft. Die letztjährige Pantone-Prophezeiung Lila kam zum Beispiel nicht gut bei der großen Mehrheit der Verbraucher an.

Ganz anders soll es bei Koralle sein, sagen Experten. „Pastellige Farben sind schon in. Die aktuelle Pantone-Farbe wird daher Liebhaber finden“, erwartet der Trendanalyst Frank A. Reinhardt. Und Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie sagt, die Branche sei längst aufgesprungen. Sie hat zum Beispiel bei einigen europäischen Herstellern Polstermöbel in einer Mischung von Pastell und Orange gefunden.

Auch auf der ersten großen deutschen Einrichtungsmesse IMM Cologne in Köln im Januar wurde diese Entwicklung deutlich. Und häufiger hörte man dann auch Geschichten wie die vom Regalhersteller String: Seine sonst dezent gehaltenen Regale sollten 2019 einen Farbkick in pudrigem Rosa erhalten. Das wurde nur Tage vor der Verkündung der Pantone-Entscheidung beschlossen, erzählte Mitbesitzer Peter Erlandsson in Köln.

In kleinen Dosen

Aber er kennt auch die Grenzen von Koralle als Einrichtungsfarbe. String bietet bewusst nur ein kleines Regal in dem pudrigen Rosa an. „Bei großen Regalen kann man nichts Verrücktes machen“, erläutert Erlandsson. Sie werden mit mehr Investition für länger gekauft - und sie müssen daher dezenter sein. Kleinere Varianten tauscht man schon mal schneller aus, wenn man sich an einer ausgefallenen Gestaltung sattgesehen habe.

Das zeigte sich auch in Köln - auf einer Schau, wo es den Herstellern eigentlich ums Auffallen und Gesehen werden geht. Und trotzdem setzen die Möbelfirmen Koralle mehrheitlich nur in kleinen Dosen ein. Das erwartet auch Pantone: „Durch seine überschwängliche Natur“ setze die Farbe „eindrucksvolle Farbakzente“, erläutert Eiseman.