Hinter all dem, was vordergründig in der Gesellschaft vorgeht, was jeden Tag in den Medien präsent ist und öffentlich diskutiert wird, gibt es in unserem Land zahlreiche Probleme, die die Menschen in der Stille und in der Zurückgezogenheit bewältigen müssen.

Eine Krankheit, respektive die Krankheit eines
nahestehenden Menschen, soziale oder finanzielle Probleme, psychologische Traumata oder auch schwerwiegende Fragen um die Erziehung und die Zukunft der Kinder begleiten viele, ohne dass diese Themen nach außen artikuliert werden können.

Weil Menschen nicht sprechen, und unsere Gesellschaft allgemein auch nur eine scheinbare, nicht aber eine wirkliche Offenheit fördert, nehmen Krankschreibungen zu, was zu einem allgemein gesellschaftlichen Problem geworden ist.

Aus all diesen Gründen ist die Enttabuisierung menschlichen Leidens durch öffentliche Aktionen ein positiver Impuls. In diesem Kontext sei der Rosa Oktober, also der internationale Brustkrebsmonat zu erwähnen, der auch in diesem Jahr hier in Luxemburg Anlass zu zahlreichen Veranstaltungen geben wird, vor allem jedoch zum Nachdenken anregen soll.

Jedes Jahr sterben bei uns 1.000 Menschen an Krebs, was ein Viertel aller Todesfälle ausmacht. Jeden Tag erhält eine Frau eine Brustkrebsdiagnose. Unter den 493 Frauen, die im Jahr 2010 an Krebs in Luxemburg starben, hatten 94 Brustkrebs. Die Krankheit bleibt also lebensgefährlich, obwohl sich in den letzten Jahren die Heilungschancen verbessert haben und auch eine effiziente Vorbeugung möglich ist, und zwar durch ein Mammographie- Programm, das sich alle zwei Jahre an Frauen zwischen 50 und 69 wendet.

Die Zahlen sind eine Sache, die menschliche Misere, die sich hinter einer Brustkrebsdiagnose verbirgt, bleibt jedoch weitgehend ein Tabu in der Gesellschaft. Die Amputation der Brust, oder etwa auch der zwei Brüste, der mit der Chemotherapie verbundene Haarausfall ist ein gravierender Eingriff in das sexuelle Identitätsgefühl der Frau. Die Betroffenen müssen gleichzeitig die Angst um ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Kinder, und den Verlust der äußeren Symbole der Weiblichkeit, wie Brust und Haare, verarbeiten. Auch wenn sich heute mehr und mehr Brustkrebsbetroffene outen, mit nacktem Kopf in die Öffentlichkeit gehen, respektive sich nach einer Amputation fotografieren lassen (wie immer mehr Ausstellungen dokumentieren) bleibt Brustkrebs eine Krankheit, die niemand wirklich sehen will, und die die meisten, Männer und Frauen, verdrängen wollen.

Der Rosa Oktober sollte uns alle dazu anregen,
stehenzubleiben, und über den stillen Kampf der Betroffenen nachzudenken. Die Vereinigung Europa Donna, die sich als europaweites Netzwerk gegen Brustkrebs versteht, fordert in diesem Kontext die Schaffung einer Brustklinik in Luxemburg, wo Frauen sowohl körperlich als auch psychisch betreut werden, und das Augenmerk auf die Brust, als Symbol der Weiblichkeit, der Mütterlichkeit, also des Lebens selbst gerichtet sein soll.