PASCAL STEINWACHS

Manchmal kann es zwar ganz sympathisch sein, wenn Erwachsene sich irgendwie ein kindliches Gemüt bewahrt haben, aber von Politikern wird sich dann doch etwas anderes erwartet - zu Recht. Oder was ist davon zu halten, wenn sich die ehemaligen Lebensabschnittspartner von CSV und LSAP fast vier Monate nach den Wahlen immer noch derart an die Gurgel gehen, als wäre das Ganze ein nie endender Rosenkrieg?

Da kommt der eine, der dominantere der beiden Partner, nicht darüber hinweg, dass der andere nach all den Jahren, die zusammen im Koalitionsbett verbracht wurden, auf einmal nichts mehr von ihm wissen will und sich nach einem, in diesem Falle sogar mehreren Partnern umsieht. Der andere, schwächere Partner, hat sich seinerseits aber in all den Jahren nie richtig ernst genommen, ja unterdrückt gespürt, und fühlt sich in der neuen Lebensabschnittspartnerschaft zu dritt endlich befreit. Was wiederum den ursprünglich dominanteren Partner vor Eifersucht auf die Palme treibt, und es gibt bekanntlich nichts Schlimmeres als einen Menschen, der sich betrogen fühlt.

Das dürfte dann auch erklären, dass Ex-Premier Juncker, wie ebenfalls der abtretende CSV-Präsident Wolter am vergangenen Samstag auf dem CSV-Wahlkongress zum wiederholtesten Male auf den langjährigen sozialistischen Partner eingeprügelt haben, und immer noch der Meinung sind, alles richtig gemacht und die Wahlen gewonnen zu haben.

Und was macht der angegriffene Ex-Koalitionspartner? Anstatt über dem Ganzen zu stehen und einfach mal zu schweigen, sieht sich der scheidende LSAP-Chef und aktuelle Fraktionsvorsitzende Alex Bodry bemüßigt, den CSV-Kongress auf der Internetseite seiner Partei zu kommentieren, und die christlich-soziale Parteiveranstaltung in punkto Erneuerung als „Flop“ zu bezeichnen. Sowohl personell als auch inhaltlich bleibe nämlich alles beim Alten, und die Reden von Juncker und Wolter hätten gezeigt, dass die CSV das Trauma des Oppositionsgangs noch nicht überwunden habe und sich weiterhin als Opfer von Intrigen sehe.

Wie tief der Hass der LSAP auf die Juncker-CSV aber tatsächlich sitzt und wie sehr sich die Sozialisten während ihrer Zeit mit der CSV gedemütigt gefühlt haben müssen, zeigt indes die Bodry‘sche Bemerkung im Zusammenhang mit der blau-rot-grünen Regierungsklausur vom Wochenende, nämlich dass er unter Junckers Vorsitz schon so manche dieser Sitzungen erlebt habe, aber diese sei die mit Abstand fruchtbarste gewesen: „Endlich keine endlosen Diskussionen ohne greifbare Ergebnisse“, so der Sozialistenchef. Die Reaktion der CSV folgte natürlich auf dem Fuße: Wer in der vorherigen Koalition „im Bremshaus“ gesessen habe, das sei den Bürgern klar. „Herr Bodry sollte sich fragen, weshalb die LSAP am 20. Oktober 2013 mit 19,2 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis“ eingefahren habe. Irgendwann sollte dann doch Schluss sein mit dem Schmutzige-Wäsche-Waschen.

Besser geschwiegen hätte derweil auch der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes, denn der soll auf einer rezenten europapolitischen Veranstaltung in Mersch die CSV-Zentrale als „Führerhauptquartier“ bezeichnet haben. Manchmal ist Schweigen wirklich Gold...