LUXEMBURG
INGO ZWANK

Hotels, Jugendherbergen und Campingplätze zeigen Plus im Bereich der Übernachtungen

Fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukst, 19.000 Arbeitsplätze direkt und indirekt im Sektor: Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Großherzogtums. Plus vier Prozent im Bereich Hotellerie und neun Prozent plus bei den Jugendherbergen sind da bezüglich der Übernachtungszahlen sehr erfreulich. Auch zeigt die touristische Bilanz für den Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2017, die gestern von Staatssekretärin Francine Closener und der Generaldirektorin von „Luxembourg for Tourism“, Anne Hoffmann, in der Villa Vauban vorgestellt wurde, für den Bereich Campingplätze ein Plus von neun Prozent.

„Vier Jahre hatten wir Rekordjahre, fast drei Millionen Übernachtungen, und auch für die ersten sechs Monate können wir einen solchen Trend für das Jahr 2017 erkennen“, frohlockte Closener regelrecht - mit Blick auf das gute Wetter und „die Arbeit von ‚Luxembourg for Tourism‘“.

Amerikaner kommen wieder

Was die nationalen Besuchertendenzen anbelangt, so legte Belgien mit 5,2 Prozent zu, die Schweiz gar mit 12,3 Prozent. Ein Minus wurde bei den Niederländern festgestellt, 7,1 Prozent, „was uns aber nicht beunruhigt“. Was die ausländischen Besucher im Gesamten anbelangt, so konnte hier ein Plus von 5,1 Prozent festgestellt werden. „Und da können wir sagen, dass auch die Gäste von etwas weiter weg - wie den USA - wieder den Weg nach Luxemburg gefunden haben“, immerhin ein Plus von 7,8 Prozent. England steigerte sich um 6,1 Prozent, „wobei wir nun schauen müssen, wie sich der Brexit auf das Besucherverhalten auswirkt“, sagte Hoffmann. Japan

Was die Regionen anbelangt, so legten die Regionen Mosel, Ardennen und der Süden mit bis zu 3,5 Prozent im Bereich der Übernachtungen zu. „Das Müllerthal ging um 0,8 Prozent zurück, doch ich bin überzeugt, dass wir durch unser neues Marketing- und Bookingsystem hier bald andere Zahlen vorlegen können.“ Die sei eine direkte Momentaufnahme, sagte Hoffmann, die alle zwei Monate bei den Leuten vor Ort entsprechende Abfragen macht.

Im Bereich der Attraktionen des Landes sind die Schlösser immer noch sehr gefragt (plus zehn Prozent), die Unterhaltungsstätten legten mit 15 Prozent zu. Im Info-Büro der Hauptstadt wurden zwei Prozent weniger Besucher gezählt, dafür legten die anderen elf Regionen mit acht Prozent zu.

Auf Augenhöhe mit dem Schwarzwald

Für die Tagestouristen vor allem ist dies leicht erklärbar, da ja jeder heute ein Smartphone habe, führte Hoffmann aus. „Da findet man schnell alle Infos und man muss nicht mehr ins Tourismusbüro.“

Die Preisentwicklung bezüglich des Erlöses pro verfügbarer Zimmerkapazität stieg im Hotelbereich übrigens um 9,3 Prozent auf 83 Euro. 65 Prozent mehr Wanderer konnten auf dem Müllerthal-Trail gezählt werden, „ein absoluter Shootingstar“, wie Closener weiter ausführte, die damit betonte, dass das Wandern immer noch ein Anziehungspunkt für die Gäste ist. „Was das anbelangt, da brauchen wir uns beispielsweise nicht vor dem Schwarzwald zu verstecken“, sagte Closener.

Im neu vorgestellten Fünf-Jahresplan sind 60 Millionen für den Tourismus vorgesehen, neben der Promotion ist hier die Modernisierung der Betriebe ein wichtiger Baustein. 88 Campingplätze und 226 Hotels gibt es in Luxemburg, wobei die Hotels zu zwei Drittel belegt sind, aber auch hier müsse an der Kapazität von heute gearbeitet werden, sagte Closener.

Doch alle Bauten und Attraktionen müssen zugänglich sein, auch für Personen mit Einschränkungen. „Barrierefreiheit ist für 100 Prozent der Besucher angenehm“, sagte Closener im Hinblick auf mögliche Baumaßnahmen, die vom Staat mit bis zu 50 Prozent bezuschusst werden können. „So kann hier dann das Label „EureWelcome“ vergeben werden.“

Ein Label mit Innen- und Außenwirkung

Das „ EureWelcome“ Label wird durch das Ministerium für Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der nationalen Dienststelle Info-handicap vergeben und basiert auf dem „Design for All“-Konzept.

Das Label wird an Touristenattraktionen oder Veranstaltungen verliehen, um die Bemühungen in der Barrierefreiheit und der Gastfreundschaft, die Bedürfnisse aller Besucher, darunter Besucher mit Behinderungen, auszuzeichnen. Um sich zu qualifizieren, müssen interessierte Betriebe bestimmte grundlegende Anforderungen der architektonischen Barrierefreiheit und Freundlichkeit erfüllen.

„Tourismus für alle“

Unterstützung gibt es da für den Tourismus des Großherzogtums von „NeumannConsult“ in Person von Kai Pagenkopf, der das Konzept „Tourismus für alle“ vorstellte. „Luxemburg hat hier eine Vorreiterrolle in Europa, ich kenne kein anderes Land, wo „Tourismus für alle“ in ein Regierungsprogramm aufgenommen wurde.“ Auch stellte Neumann kurz den Arbeitskreis vor, der die Aktionen koordiniert und auch den Erfahrungsaustausch voranbringt. „Innenmarketing ist hier besonders wichtig, denn die Leute vor Ort arbeiten direkt mit dem Gast“, sagte Pagenkopf.

Bei barrierefreien Angeboten muss man auch das Handwerk mit ins Boot nehmen, „da brauchen wir noch sehr viel Input für den Tourismus, vom Handwerk, vom Mittelstand.“

Bei den Campingplätzen sei die „Barrierefreiheit“ angekommen, bei der Hotellerie und auch (privaten) Ferienwohnungen muss noch etwas mehr kommen. „Bei der Hotellerie muss noch mehr gemacht werden, das ist aber auch in anderen Ländern der Fall“, führte Pagenkopf aus.

 

www.eurewelcome.lu