LUXEMBURG
SVEN WOHL

Bettemburgs Schöffenrat zerpflückt das Projekt der Joghurtfabrik von Fage

Bettemburg schmeckt der Joghurt von Fage nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Allein am administrativen Werdegang des Dossiers lässt der Schöffenrat kein gutes Haar: Man zeigte sich im gestern veröffentlichten Schreiben stark verwundert, dass das Dossier zur öffentlichen Anhörung mitten in der Urlaubszeit eingereicht worden sei. Dies habe verhindert, dass man dieses komplexe Thema von allen Seiten belichten könnte. Auch stelle man die Frage in den Raum, inwiefern eine effiziente Teilnahme der Öffentlichkeit vollzogen werden könnte. Die Umstände entsprächen nicht dem, was man aus anderen europäischen Ländern gewohnt sei.

„Richter in eigener Sache“

Diese Einwände sind jedoch einzig und allein der Prolog zu den Kernpunkten der Kritik. Vor allem der Wasserverbrauch steht hier im Rampenlicht. Zunächst fordern die Gemeindeverantwortlichen eine komplette und detaillierte Aufschlüsselung des Wasserverbrauchs der Anlage. Dann kritisieren sie die Überwachung der Ablaufwerte des behandelten Abwassers. Vor allem bei der konkreten Kontrolle der Einleitwerte hapere es: „Geradezu inakzeptabel ist für den Schöffenrat das Prinzip der Eigenüberwachung, sprich das äußerst intransparente und umstrittene Prinzip des ,Richters in eigener Sache‘“. Der Schöffenrat fordert die „tägliche und konsequente Überwachung seitens einer vom Betrieb unabhängigen Kontrollinstanz“. Als ein Beispiel dafür, wie es nicht gehen kann, wird der Fall der „Diddelenger Baach“ zitiert, welcher regelmäßig kontaminiert und verunreinigt wird.

Der Schöffenrat legt weiter der Regierung ans Herz, das gesamte Projekt zu überdenken. Denn dieses entspreche nicht den Vorstellung bezüglich einer nachhaltigen Wirtschaft, des Naturschutzes und des Verbrauchs natürlicher Ressourcen. Angeführt wird die Problematik des Plastikmülls. Selbst wenn der größte Teil der 80.000 Tonnen an Plastikmüll nicht an Ort und Stelle anfalle, so würde doch eine große Menge in andere Länder exportiert werden. Zusätzlich fallen Lebensmittelabfälle an: Während eines sogenannten Stresstests werden täglich zwei Tonnen Joghurt produziert um anschließend wieder sofort zerstört zu werden.

Problematischer Wasserverbrauch

2.000 Kubikmeter Wasser sollen täglich  in der ersten Phase gebraucht werden, um Joghurt herzustellen. In einer zweiten Phase sollen es dann 2.500 Kubikmeter sein. In Anbetracht der sommerlichen Wasserknappheit, unter der das Großherzogtum leidet, würde dies die Situation noch einmal wesentlich verschlimmern. Umso erstaunlicher sei es dann, dass das Wasserwirtschaftsamt bestätigt, dass die Wasserreserven ausreichen würden, um diese Fabrik zu versorgen.
Die Frage steht im Raum, was passiert, wenn eine Knappheit besteht, und man entscheiden müsste, ob die Industrie oder die Bevölkerung Vorrang bei der Versorgung hätte. Dazu gesellt sich das Risiko, dass die Alzette regelrecht ersticken könnte. Diese Angst teilt auch das „Comité de pilotage du Contrat de rivière du Bassin supérieur de L‘Alzette“: 3.100 Kubikmeter Abflüsse würden so in den Fluss gelangen. Die Qualität dessen Wassers hätte bereits stark gelitten - eine Situation, die sich so verschlimmern könnte, so das Komitee in seinem gestrigen Schreiben.