LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Diebstahl oder Verkauf? Edelste Weine aus Weinkeller verschwunden

Am Montagmorgen ging es vor dem Bezirksgericht Luxemburg um einen mutmaßlichen Weindiebstahl. Am 27. Februar 2019 soll ein Besitzer eines Restaurants in Luxemburg den Weinkeller seines Vorgängers leergeräumt haben.

Fünf oder sechs Restaurantangestellte sollen ihm dabei geholfen haben. Neun von zehn Zeugen bestätigten das Vorgehen vor Gericht. Der Angeklagte selbst war vor Gericht nicht erschienen und konnte sich somit zu dem Vorwurf nicht äußern. Das wirkte etwas bizarr, der Angeklagte ist wohl in Ferien. Die Verhandlung wurde trotzdem fortgesetzt. Da der mutmaßliche Täter direkt vor Gericht zitiert wurde (citation directe), musste das mutmaßliche Opfer sicherstellen, dass es über ausreichende Beweise gegen den Täter verfügt.

Rachefeldzug

D. ist ein angesehener Sammler von wertvollen Weinen und ist immer noch fassungslos. Als er 2018 sein Restaurant verkauft, lässt er seine wertvollen Prestige-Weine im Keller des Restaurants liegen, mit der Idee, die Flaschen im Restaurant zu verkaufen. Ausgemacht und schriftlich festgelegt war unter dem ehemaligen und neuen Eigentümer eine Gewinnspanne von 30 Prozent. So wurden Weine für 37.000 Euro im Restaurant verkauft.

Doch dann soll am 27. Februar 2019 der neue Restaurant-Besitzer den Prestige-Weinkeller seines Vorgängers leer geräumt und eine wertvolle Sammlung alter französischer Bordeaux-Weine gestohlen haben, das behauptet jedenfalls die Anwältin der Nebenklage. „Mein Mandant selbst hätte sich in seinen wüstesten Träumen nie ausgemalt, dass der neue Eigentümer seine Wein-Sammlung stehlen könnte“, sagte sie vor Gericht. Der Weinkeller sei gut abgesichert gewesen. Nur wenige hatten Zutritt zum Weinkeller. Für den Eigentümer hat die Sammlung einen großen sentimentalen Wert. Die Weine stammten von den
berühmten Weingütern Château Pétrus, Château Lafite-Rothschild, Château Mouton-Rothschild, Château Latour, Château Margaux, Château Haut Brion und Château d’Yquem.

Schaden: rund 63.000 Euro

„Er kann ja den Wein wieder zurückgeben, den er gestohlen hat. Niemand weiß, aber, wo sich der Wein befindet“, meinte die Anwältin der Nebenklage, die auch von einem Rachefeldzug gegen ihren Mandanten spricht. In ihrem Plädoyer schätzte die Nebenklägerin den Schaden auf rund 63.000 Euro, den sie auf jeden Fall zurückerstattet haben will.

Zu obskur scheint dem Verteidiger der Fall. Er sieht in dem Benehmen seines Mandanten überhaupt keine Straftat, denn der Wein sei nur an einen anderen Ort verlegt worden. Der Verteidiger spricht lediglich von einer Zivilaffäre. Außerdem gehöre der Weinkeller seinem Mandanten, und nicht seinem Vorgänger, wie die Nebenklage behauptet, denn der ehemalige Besitzer hätte das Restaurant samt Weinkeller an seinen Mandanten verkauft.

Am 10. Oktober soll das Urteil fallen.