LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Film Fund und LuxFilmFest feierten doppelten Geburtstag

Die Geldfrage war der „Running Gag“ schlechthin an diesem Vormittag, an dem sich die ganze Riege der Filmschaffenden im Kinepolis eingefunden hatte, um einerseits den 30. Geburtstag des Luxemburger Film Fund und andererseits das zehnte Jubiläum des „Luxembourg City Festival“ zu feiern. Eingebettet war das Ganze in eine mit reichlich Humor gespickte und mit zahlreichen Interviews ausgestattete „Séance cinématographique“. So übernahm dann auch eine Off-Stimme - die von Fred Neuen - die Rolle des Moderators: „Wir feiern heute ein doppeltes Fest, niemand soll sagen, wir würden das Geld aus dem Fenster schmeißen. Das Budget hat nicht einmal für einen echten Moderator gereicht“.

Filmfestival als Botschafter

In Zeiten, in denen man über die verschiedensten Supports Zugang zu einem regelrechten Ozean an Filmen habe, würde ein Festival auf Werke aufmerksam machen, die man ansonsten möglicherweise übersehen hätte. In diesem Sinne würde ein Festival die Rolle eines Botschafters übernehmen und eine Verbindung zwischen der Filmindustrie und dem Publikum herstellen. Festivalpräsidentin Colette Flesch ging kurz auf die Geschichte des LuxFilmFest ein, das im Jahr 2007 seinen Ursprung unter dem Namen „Director’s Cut“ gefunden hatte und gleich 3.600 Zuschauer anzog. Die Jahre 2008 und 2009 waren nicht von dem gleichen Erfolg gekrönt und so musste ein neues Konzept her. 2011 folgte der Neuanfang.

Wie Alexis Juncosa, künstlerischer Leiter des LuxFilmFest, erklärte, habe man mehr und mehr versucht, der kulturellen und sprachlichen Diversität Luxemburgs Rechnung zu tragen. Mit Erfolg, die Auflage 2019 zog 30.000 Besucher an. Neben der internationalen Präsenz sei es wichtig, die nationale Produktion zu fördern, genau wie Begegnungen zwischen Filmschaffenden und Zuschauern zu ermöglichen. Seit das Programm für die jungen Kinogänger ausgebaut wurde, was laut Festivaldirektorin Gladys Lazareff eine der Hauptmissionen sei, würde man 6.000 Kinder und Jugendliche pro Ausgabe empfangen. Colette Flesch sprach am Ende zu Recht von einer „Success Story“.

Live ans Rednerpult trat anschließend Kulturministerin Sam Tanson, um ebenfalls die Wichtigkeit des pädagogischen Aspekts hervorzuheben. „Die Bilderziehung ist in unserer heutigen Gesellschaft noch wichtiger geworden“, meinte sie, um dann auf die Pionierarbeit zurückzublicken, die mit der Schaffung des Filmfonds geleistet wurde. „Luxemburg hat sich in den letzten Jahren auf der Europa- und Weltkarte des Kinos etabliert. Wenn man in einen kulturellen Sektor investiert, ihm Mittel gibt, dann entwickelt und entfaltet er sich. Der Luxemburger Film ist heute anerkannt. Daran können wir uns ein Beispiel nehmen. Gerade arbeiten wir am Gesetzesvorentwurf für das Arts Council. Der Film Fund ist eine Inspirationsquelle dafür“, unterstrich die Ministerin.

Auswirkung auf die ganze Kulturlandschaft

Die Arbeit, die über die letzten Jahrzehnte geleistet wurde, wirke sich positiv auf das gesamte Kulturmilieu aus. „Der Film Fund hat eine Zugpferdfunktion, die ich nicht missen will. Umso mehr bedauere ich die Diskussionen der letzten Monate, bei denen es nur noch ums Geld ging. Natürlich müssen wir vorsichtig mit öffentlichen Geldern umgehen, man kann aber Kino oder Kultur im Allgemeinen nicht mit einem Supermarkt gleichstellen, mit einem Ort also, wo Sachen zum Verkauf stehen und nur evaluiert wird, wie viel verkauft wird und wie hoch auf der anderen Seite die Ausgaben sind. Kultur geht weit darüber hinaus, sie macht uns zu intelligenten, offenen Menschen. Kultur ist friedensfördernd, und deshalb unterstützen wir sie“, verdeutlichte Tanson.

Weiter ging es auf der großen Leinwand mit einer Retrospektive: 30 Jahre Filmgeschichte in knapp acht Minuten, um in Erinnerung zu rufen, was die nationale Filmbranche bislang zustande gebracht hat, dies nicht zuletzt dank der Mittel, die der Filmfonds zur Verfügung stellt. Darauf wies auch Yann Tonnar, Präsident der Filmakademie, in seinem Interview hin: „Ohne diese Unterstützung würde es überhaupt keine Produktion in Luxemburg geben.“ Dem pflichtete auch Bady Minck, Regisseurin, Produzentin und vor allem Vorreiterin, bei.

Tonnar erinnerte derweil daran, dass es noch vor zehn Jahren nicht so leicht gewesen wäre, den Leuten klarzumachen, warum eine nationale Filmindustrie von Wichtigkeit sei. „Troublemaker“ sei seinerzeit der erste Kultfilm „made in Luxembourg“ gewesen. Seither habe sich viel getan, besonders Serien seien extrem wichtig für den Sektor geworden. „Was ich mir für die Zukunft wünsche, ist, dass wir weniger über Geld reden und mehr über Kreation, Filme und Talente“, so der Regisseur.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Schließlich war die Reihe an Guy Daleiden, dem Direktor des Film Fund, der den Sektor als „extrem aktiv“ beschrieb. 30 Produktionen würden pro Jahr realisiert. Dahinter würden viele Leute stecken, deren Einsatz auch Früchte trage. „Allein in den letzten fünf Jahren hatten wir über 20 Nominierungen bei den A-Festivals in Europa und zwei Nominierungen bei den Oscars“, listete er auf. Ohne Partner im Ausland wären viele Produktionen nicht machbar. Über die letzten 30 Jahre habe man gute Verbindungen zu verschiedenen Ländern und Partnern aufgebaut und ein Vielzahl an Beihilfen geschaffen. In den letzten Jahren sei darüber hinaus, stärker auf majoritäre Filmproduktionen gesetzt worden, solche also, die größtenteils in Luxemburg und von Luxemburgern oder hier wohnhaften Regisseuren realisiert werden. Auch der Animationssektor sei stark gewachsen und könne international Erfolge verbuchen. „Trotzdem müssen wir uns als Film Fund der Zeit anpassen und auch neue Produktionsarten unterstützen, wie etwa Virtual Reality. Wir können nicht einfach stehen bleiben und mit dem zufrieden sein, was wir haben. Unsere Mission ist es, den Sektor weiterzuentwickeln und auf die Zukunft vorzubereiten“, erklärte Daleiden.

In Person ans Mikrofon treten durfte zum Schluss dann auch Premier Xavier Bettel in seiner Eigenschaft als Medien- und Kommunikationsminister. Er erinnerte daran, dass der Filmfonds damals geschaffen wurde, um „einer amerikanischen Supermacht und einer rapiden chinesischen Entwicklung“ etwas entgegen setzen zu können und die europäische Produktion zu unterstützen. „Bis zu jenem Zeitpunkt wurden Filme in Luxemburg mit ganz viel gutem Willen und ganz viel Energie gemacht, aber mit sehr wenig Mitteln“, wusste er. Unter dem Impuls des damaligen Staatsministers Jacques Santer hätte die nationale Filmförderung ihre Anfänge nehmen können. „Schacko Klak“ (1990) war der erste Film, der eine öffentliche Unterstützung bekam.

Eine lohnende Investition

Zu oft drehe sich die Diskussion nur ums Geld, bedauerte indes auch Bettel. „Wir sind der Überzeugung, dass die Kultur oder der Film keine Ausgabe ist, sondern eine Investition. Das Kino hält uns den Spiegel vor, es hat also eine erzieherische Rolle für uns alle zu spielen“, bemerkte er. Der Film Fund nun habe zuletzt nicht die einfachsten Zeiten durchlebt. Internationale Anerkennung und Preise dürften nicht das wichtigste Kriterium sein. „Auch wenn ihr keinen Preis bekommt, Sam Tanson und ich stehen hinter euch. Ich bin stolz auf die Arbeit, die geleistet wurde“, so der Staatsminister.

Dann war es noch ein letztes Mal an der Off-Stimme, um ein Fazit zu ziehen: „Der Film Fund repräsentiert die Filmindustrie, und das LuxFilmFest repräsentiert das Publikum, beide gehen Hand in Hand, der eine kann nicht ohne den anderen. Das resümiert auch unsere ganze Industrie: Der Film Fund braucht das LuxFilmFest. Dieses braucht die Produzenten und Regisseure, die wiederum die Filmtechniker brauchen, und diese sind auch wieder auf den Film Fund angewiesen. Einer braucht den anderen, wie in einer großen Familie. Und da verläuft auch nicht immer alles reibungslos, manchmal wird heftig gestritten, doch am Ende des Tages kommt man stets zu der Erkenntnis: Familie bleibt Familie“.