MÜNCHEN/HAMBURG
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Stimmung der deutschen Wirtschaft hellt sich auf

Die Sorgen lassen nach. Erstmals seit April blicken die Unternehmen von Europas größter Volkswirtschaft wieder zuversichtlicher in die Zukunft - allen internationalen Krisen zum Trotz.

Vorweihnachtliches Hoffnungszeichen auch für die europäische Wirtschaft? Auch die jüngsten Daten der europäischen Statistikbehörde waren für die Europa-Wirtschaft überraschend eher positiv gewesen.

Wie die Zahlen des gestern vorgelegten Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt, hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich erstmals seit sechs Monaten überraschend aufgehellt. Für November erreicht er 103,2 Punkte, im Vormonat auf 104,7 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München mitteilte. Volkswirte hatten mit einer weiteren Eintrübung gerechnet. „Der Abschwung ist zumindest unterbrochen“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Die Unternehmen schätzten im November sowohl ihre derzeitige Lage als auch ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate besser ein. Während der Lage-Index von 108,4 Punkte auf 110,0 Punkte stieg, verbesserte sich der Index für die Erwartungen in den nächsten sechs Monaten von 98,3 auf 99,7 Punkte.

Stabilität, aber keine Trendwende

Damit wächst die Hoffnung, dass Unternehmen wieder mehr investieren und so die maue Konjunktur anschieben. Positive Signale waren zuletzt vor allem vom Privatkonsum gekommen. Die Unternehmen hielten sich - verunsichert durch internationale Krisen - mit Investitionen zurück. Rückenwind bekämen die Firmen vom schwächeren Euro und dem niedrigeren Rohölpreis, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner laut Mitteilung. „Für viel mehr als Stabilität gibt es derzeit aber noch keine eindeutigen Anzeichen.“

Auch Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sieht noch keine Trendwende. Dafür sei es noch zu früh. Der Anstieg des wichtigen Frühindikators der deutschen Wirtschaft sei aber ein „gutes Signal“. Ökonomen der BayernLB erklärten, die Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland und die hohe geopolitische Unsicherheit schienen die Geschäftsaussichten mittlerweile weniger zu belasten.

Das Stimmungsbarometer wird monatlich durch die Befragung von rund 7.000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie aus der Bauwirtschaft ermittelt. Der unerwartete Anstieg des Ifo-Index sorgte an der Börse für steigende Kurse. Er katapultierte den Dax über die Marke von 9.800 Punkten.

Industrieunternehmen zeigten sich zufriedener mit ihrer Lage als noch im Oktober. Die Zukunftsaussichten beurteilten sie etwas weniger pessimistisch und hoffen, dass der schwächere Euro die Geschäfte im Ausland ankurbelt. Im Großhandel verbesserte sich die Stimmung den Angaben zufolge merklich, die Unternehmen beurteilten vor allem die aktuelle Lage deutlich besser. Einzelhändler blickten weniger pessimistisch in die Zukunft als noch zuletzt. Wirtschaftsforscher, aber auch die deutsche Regierung hatten jüngst ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft noch gesenkt. So erwarten die fünf Wirtschaftsweisen für 2015 nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Damit sind sie pessimistischer als die Regierung. Diese hatte für das kommende Jahr immerhin noch ein Plus von 1,3 Prozent in Aussicht gestellt. Für 2014 hatten die Wirtschaftsweisen ihre Prognose deutlich von 1,9 auf 1,2 Prozent gesenkt.

Nach Überzeugung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft zwar auch im Winter kaum vom Fleck kommen. Die Notenbank rechnet mit einer schwunglosen Wirtschaftsentwicklung mindestens bis Ende 2014, wie es im jüngsten Monatsbericht hieß. Doch die Hoffnung für 2015 wächst. Volkswirt Holstein formuliert es so: „Wenn die Belastungen durch die geopolitischen Krisen im kommenden Jahr etwas an Bedeutung verlieren, wird die deutsche Konjunktur auch wieder an Fahrt aufnehmen.“

Hamburger Hafen auf Rekordkurs

Ein Indiz, dass zur Ifo-Umfrage passt, dürften die neusten Zahlen des Hamburger Hafen sein, der auf Rekordkurs ist. Der Containerverkehr am Hamburger Hafen hat in den ersten neuen Monaten dieses Jahres kräftig zugelegt. Von Januar bis Ende September wurden rund 7,4 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen - ein Plus von 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das teilte die Marketing-Gesellschaft des Hafens am gestrigen Montag mit. Am Jahresende könnte der Hamburger Hafen den bisherigen Rekordumschlag der Jahre 2007 und 2008 mit jeweils knapp zehn Millionen TEU erstmals wieder erreichen. Mit einem Gesamtumschlag von rund 110 Millionen Tonnen erreichte der Hamburger Hafen in den ersten neun Monaten einen Umschlagsrekord.

Wegen der immer größeren Containerschiffe, die Hamburg ansteuern, fordert die Hafenwirtschaft, dass die Elbe bald vertieft wird. Eine rasche und problemlose Abfertigung derartiger Schiffe sei nur bei einer weiteren Vertiefung der Elbe möglich, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) gestern bei der Vorstellung der Zahlen.

Befürchtungen, die Sanktionen gegen Russland würden dem Hamburger Hafen schaden, seien nicht eingetreten, sagte der Vorstand der Hafen-Marketing-Gesellschaft, Ingo Egloff. „Unser Sorgenkind ist logischerweise noch immer Russland, dennoch liegt es immer noch weit vor allen anderen auf Platz zwei hinter China“, sagte er.

Der Containerumschlag zwischen Hamburg und den russischen Häfen schrumpfte bis zum dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent auf rund 504.000 TEU. Ursachen für den Rückgang sind laut Egloff weniger die Sanktionen als die andauernd schwächelnde Wirtschaft Russlands. Das Umschlagsvolumen zwischen Hamburg und China, dem größten Handelspartner im Containerverkehr, stieg hingegen bis September um 12,8 Prozent. Mit dem asiatischen Partner wurden im Containerverkehr rund 2,3 Millionen TEU umgeschlagen.