LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Doctor Sleep“ ist die Fortsetzung von „Shining“

Die 1980er Verfilmung von Stephen Kings Roman „Shining“ durch Stanley Kubrick ist ein Klassiker des Horrorfilms. Man erinnere sich: Jack Torrance (Jack Nicholson) wird als Hausverwalter des Hotels Overlook im Colorado angestellt, das im Winter leer steht. Seine Frau Wendy (Shelley Duvall) und sein Sohn Danny (Danny Lloyd) begleiten ihn in die Einsamkeit der verschneiten Berge. Im Hotel ereignen sich übernatürliche und gruselige Dinge, die zum Tod von Jack führen. In Dannys Mund wohnt Tony, der durch ihn spricht und ihm kommende Ereignisse voraussagt. Danny erzählt dem Hotelkoch Dick Hallorann (Scatman Crothers) von seinen Fähigkeiten, die dieser als „Shining“ bezeichnet. 2013 schrieb King die Fortsetzung „Doctor Sleep“, die nun von Mike Flanagan verfilmt wurde.

Stärke durch den Tod anderer

Der Film beginnt 1980 mit einer Dreiradfahrt von Danny (Roger Dale Floyd) durch die Gänge des Hotels Overlook. Danny lebt mit seiner Mutter in Florida und wird noch immer von den Gespenstern von damals heimgesucht. Der Geist von Hallorann (Carl Lumbly) rät ihm, imaginäre Boxen in seinem Kopf zu erschaffen, in die er die Geister einsperren kann. Im Jahr 2011 geht die Geschichte in der fiktiven Stadt Frazier weiter. Danny (Ewan McGregor) hat versucht seine Probleme mit Alkohol zu beseitigen, was aber nicht gelang. Er freundet sich mit Billy Freeman (Cliff Curtis) an, der ihm dabei hilft, sein Alkoholproblem loszuwerden. Er arbeitet ein paar Tage in der Woche in einem Hospiz, wo eine Katze den Tod der Patienten erahnt. Danny leistet den Sterbenden in ihren letzten Minuten Beistand, was ihm den Namen „Doctor Sleep“ einbringt.

Dann gibt es die Bande um Rose the Hat (Rebecca Ferguson), die Kinder entführt und tötet, um sich von ihrem
„Stream“, ihrem letzten Atemzug, zu ernähren. Snakebite Andi (Emily Alyn Lind) hat die Fähigkeit, Leute einschlafen zu lassen. Sie wird ebenfalls ein Opfer der Bande, die sich „True Knot“ nennt. Nur wird Andi ewiges Leben versprochen, und sie begleitet fortan Rose, Crow (Zahn McClarnon) und die anderen. Den Jungen Bradley (Jacob Tremblay) tötet die Bande ebenfalls aus „Hunger“. Danny lernt die junge Abra (Kyliegh Curran) kennen, deren „Shining“ stärker ist als seins. Abra erzählt Danny von Rose, und dass sie durch Dannys Baseball-Handschuh die Spur von ihr aufnehmen kann.

Showdown an bekannter Stelle

Der Showdown spielt sich im Hotel Overlook ab, wo Danny auf die Hilfe der Geister hofft, um Rose den Garaus zu machen. Hier begegnet er seinem Vater (Henry Thomas) und weiteren Bekannten aus dem ersten Teil „Shining“. Die famose Szene, wo Blut aus einem Fahrstuhl strömt, fehlt ebenfalls nicht, genau wie auch die Zwillinge.

Nur fragt man sich die ganzen langen 152 Minuten Laufzeit, was King, respektive Regisseur Flanagan, mit dem Film aussagen wollten. Der Anfang ist nicht nur schleppend, sondern man stellt sich viele Fragen: Was die „True Knot“ im Schilde führt oder warum sie mit ihrer Macht mit einem Camper durch die Landschaft fahren, anstatt ein Leben in Saus und Braus zu führen. Viele Situationen sind konfus und nicht unbedingt logisch. Erst als Danny, Abra und Billy der Bande auflauern, kommt etwas Bewegung ins bis dahin lahme Geschehen. Auch die letzten Minuten des Films im verschneiten Colorado bieten leichte Spannung, die durch die Frage, was denn nun wohl geschehen wird aufkommt. Doch weitere Erklärungen bekommt man keine, und auch der finale Schluss ist mehr als rätselhaft. Somit ist aus „Doctor Sleep“ kein Glanzlicht des Horrorfilms geworden, wie aus „Shining“.