LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Arztpraxen haben ab nächstem Montag wieder geöffnet

Luxemburg hatte heute keinen neuen Corona-bedingten Todesfall zu beklagen; Die Zahl der Verstorbenen bleibt demnach unverändert bei 89. Das teilte das Gesundheitsministerium am späten Nachmittag mit. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 83 Jahren. Auf Covid-19 positiv getestet wurden in Luxemburg inzwischen 3.769 Personen - das sind 28 mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 3.050 Ansässige und 719 Nichtansässige; 51 Prozent sind Männer und 49 Prozent Frauen.

Seit Beginn der Krise wurden bislang insgesamt 41.758 Corona-Tests durchgeführt. Hospitalisiert sind im Moment 136 Leute (Covid-19 und Verdachtsfälle), von denen 21 auf der Intensivstation liegen. Entlassen wurden bislang 810 Corona-Patienten.

„Centres de soins avancés“ bleiben bestehen

Eine Videopressekonferenz gab es heute auch wieder, diesmal mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Dr. Alain Schmit, dem nationalen medizinischen Koordinator (der auch Präsident der Vereinigung der Ärzte und Zahnärzte, AMMD, ist, dieses Amt aber momentan ruhen lässt, seit er Koordinator ist, wie er unterstrich), die hier noch einige Zusatzinformationen zur Wiederaufnahme der medizinischen Aktivitäten ab nächstem Montag gaben, nachdem am Dienstag bereits eine entsprechende Mitteilung des Gesundheitsministeriums veröffentlicht wurde.

Wie Lenert unterstrich, hätten die strengen Schutzmaßnahmen im Gesundheitswesen ihre Früchte getragen, so dass es jetzt an der Zeit sei, in eine nächste Phase überzugehen und die normalen medizinischen Aktivitäten ab dem 4. Mai wieder anlaufen zu lassen. Die „Centres de soins avancés“ (CSA) würden aber weiterhin bestehen bleiben, allerdings nur noch zwischen 10.00 und 18.00 geöffnet sein und nur noch für Covid-19-Patienten da sein.

Die „Maisons médicales“ würden ihrerseits ab Mitte Mai wieder außerhalb der normalen Öffnungszeiten der Arztpraxen für Nicht-Corona-Parienten zugänglich sein, derweil aber auch in Zukunft weiterhin auf die Telemedizin zurückgegriffen werden soll. Auch sollen in den Spitälern die getrennten Covid-Eingänge bestehen bleiben.

Schutzmaßnahmen am Empfang

Für die ärztlichen, zahnärztlichen und tierärztlichen Aktivitäten, die am nächsten Montag zusammen mit denjenigen für andere Gesundheitsberufe wie beispielsweise Krankenpfleger, Hebammen, Physio- und Psychotherapeuten wieder aufgenommen werden, gelten allerdings spezielle Bedingungen, bleibe der Alltag im Gesundheitswesen doch ein anderer als vor Krise, wie Paulette Lenert unterstrich. So solle man zuerst seinen Arzt anrufen. Wenn man dann in der Praxis sei, müsse man eine Maske tragen, seine Hände desinfizieren und den nötigen Sicherheitsabstand einhalten.

Dr. Alain Schmit wies seinerseits darauf hin, dass das Gesundheitssystem in den letzten Wochen komplett umgekrempelt worden sei, was aber nötig gewesen sei, um der Sache Herr zu werden, und dies sei gelungen. Nun müssten wir lernen, mit dem Virus zu leben.

Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, der kann übrigens zur Quarantäne gezwungen werden, die laut Gesetz verbindlich sei, wie Paulette Lenert hervorhob.

Zwei Patienten aus dem Grand-Est haben Intensivstation verlassen

Dann war auch noch zu erfahren, dass am Wochenende zwei Covid-19-Patienten aus dem Grand-Est, die bislang eine Intensivbehandlung im Escher CHEM bekamen, die Intensivstation verlassen konnten und nun eine normale Behandlung erfahren. Bereits am 15. April konnte eine Patientin aus dem Grand-Est das Krankenhaus verlassen, wo jetzt noch zwei Patienten aus dem Grand-Est auf der Intensivstation liegen. Seit Anfang der Pandemie konnten insgesamt 116 Covid-19-Patienten das CHEM nach erfolgreicher Behandlung verlassen.

Ab nächstem Montag kehren auch die „Hôpitaux Robert Schuman“ mehr oder weniger zur Normalität zurück, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Chirurgische Eingriffe sollen hauptsächlich in der Zithaklinik stattfinden, derweil im Kirchberger Spital nur wenige chirurgische Interventionen durchgeführt werden sollen. In der Bohler-Klinik wird indes ab dem 4. Mai wieder normal gearbeitet.

Weitere Lockerungen ab 11. Mai?

Im Regierungsrat wurden derweil heute eine Reihe von weiteren großherzoglichen Reglementen im Zusammenhang mit der Corona-Krise angenommen. Unter anderem wurde beschlossen, dass die für die Kurzarbeit bewilligten Gelder im Falle von falschen Angaben direkt zurückbezahlt werden müssen, aber darauf hatte Arbeitsminister Dan Kersch bereits bei der Vorstellung der finanziellen Hilfen hingewiesen. Das Gleiche gilt auch für Unternehmen, die ihre im Rahmen der Kurzarbeit bekommenen Hilfen für andere Zwecke als für die Bezahlung von Gehältern benutzt haben.

Die Formulare über die Beihilfen in Höhe von 5.000 Euro für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, über die Beihilfen von 2.500 Euro für Selbstständige, über die Soforthilfen von 12.500 Euro für Unternehme mit zehn bis 20 Mitarbeitern sowie über die rückzahlbaren Beihilfen von maximal 500.000 Euro sind übrigens jetzt alle auf guichet.lu abrufbar.

Mitte nächster Woche soll indessen entschieden werden, ob es ab dem 11. Mai zu weiteren Lockerungen in Luxemburg kommen wird, und nach den Baumärkten und Recycling-Centern auch wieder kleinere Geschäfte öffnen dürfen sowie veschiedene Sportarten wieder erlaubt werden sollen, wie Premier Bettel in den letzten zwei Tagen in verschiedenen Interviews unterstrich, wobei aber natürlich alles von der Entwicklung der Infektionszahlen abhänge.

OGBL will Tripartite

Der OGBL forderte indes erneut die Einberufung einer Tripartite, um zusammen mit den anderen Gewerkschaften und Vertretern von Patronat und Regierung über die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise zu beraten.

Bausektor: LCGB zieht gemischte Bilanz

Der LCGB zieht seinerseits eine gemischte Bilanz uber die Wiederaufnahme der Arbeit auf den Baustellen seit letzter Woche. Auch wenn der Wiedereinstieg fur die meisten Unternehmen ohne große Probleme erfolgt sei, stünden fur viele Unternehmen noch immer die Gewinne vor dem Schutz der Gesundheit und der Sicherheit der Beschaftigten, ganz zu schweigen von kleinen Unternehmen, die aufgrund fehlender Ressourcen auf viele Hindernisse stoßen würden, wenn es um die Umsetzung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen gehe. Deshalb fordert der LCGB eine sofortige und obligatorische Schulung im „Institut de Formation Sectoriel du Batiment“; die Kosten fur diese Schulung mussten von den Arbeitgebern getragen werden.

Die Caritas macht sich ihrerseits Sorgen über die sozialen Konsequenzen der Corona-Krise, wie sie in einer Mitteilung festhält. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie bei der Vorstellung ihres Sozialalmanachs auf die Folgen der Pandemie im Kampf gegen die Armut hingewiesen.

Bus und Tram ab Montag wieder regelmäßiger

Dann wurde heute auch mitgeteilt, dass der öffentliche Transport ab nächstem Montag wieder langsam hochgefahren wird. Busse (AVL, TICE, RGTR) fahren dann wieder regelmäßiger, was auch für die Tram und den Schülertransport gilt. Die CFL schickt ihrerseits ab dem 11. Mai wieder mehr Züge auf die Schienen.

Interaktive Covid-19-Karten

Um die Entwicklung der Covid-19-Pandemie in der Großregion geografisch zu visualisieren, hat das Geografische Informationssystem der Großregion (GIS-GR) zwei interaktive Kartenlayer entwickelt. Die dreisprachigen Karten (FR-DE-EN) ermoglichen es, uber ein einfaches Anklicken die Daten eines bestimmten Gebietes einzusehen.

Fur weitere Informationen: www.gis-gr.eu