LUXEMBURG
COLETTE MART

Zahlreiche Artikel und Studien offenbaren mittlerweile, dass Frauen weltweit sehr stark von der Pandemie und deren Auswirkungen betroffen sind.  Sie verdienen meistens weniger, arbeiten auch oft im nicht-bezahlten Pflegebereich, also in der Betreuung von Kindern und alten Menschen. Diese Aktivitäten haben während der Pandemie zugenommen, so dass Frauen sich oft in prekären Lagen wiederfinden. 

Außerdem gingen die Aktivitäten des Handels, der Industrie und des Tourismus zurück, so dass viele Frauen und alleinerziehende Mütter ihr Einkommen verloren.  Wer in armen Ländern einen kleinen Handel oder Verkaufsstand betrieb, konnte durch den „Lockdown“ weniger Kunden finden, so dass die Einkünfte noch unsicherer wurden.  

Ein besonders gravierender Einfluss der Pandemie wurde auf die Emanzipation von Frauen in Afrika festgestellt. Mädchen gingen nicht mehr zur Schule, und der Verlust von Einkommen in der Familie führten zu einer Tendenz, Mädchen früher zur verheiraten.  

Die Pandemie wirkte sich auch auf die sexuelle Hygiene aus; Mädchen fanden keine Binden mehr im Handel, Helfer von NGOs konnten sich nicht mehr ohne Weiteres in Dörfer fortbewegen, um aufzuklären, das Tabu der Sexualität zu brechen, gegen Genitalverstümmelung zu sensibilisieren, und über Hygiene bei der monatlichen Periode zu informieren. 

So wurde die Sexualität erneut tabuisiert, und es wird seitens der NGOs befürchtet, dass viele Fortschritte der letzten zehn Jahre durch die Pandemie verloren gehen können. Kurse über Hygiene werden nicht mehr abgehalten. Es musste festgestellt werden, dass Kinderehen wieder zunehmen, Mädchen ab dem 10. Lebensjahr als heiratsfähig gelten, (oft, nachdem sie genital beschnitten wurden).  In Somalia wurde die Ehe mit 13jährigen Mädchen wieder gesetzlich ermöglicht.  Auch gibt es in Afrika Traditionen, die der Emanzipation entgegenwirken. Wenn Mädchen menstruieren, können sie nicht mehr ohne weiteres das Haus verlassen, so dass eine weiterführenden Schulbildung Grenzen gesetzt sind.

Des weiteren führte die Tatsache, dass Frauen und Mädchen vermehrt zuhause sind, auch zu mehr häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch in der Familie. Sie können nicht unbemerkt Hilfe rufen, und wenn sie ihr Einkommen verlieren, sind sie auch noch finanziell von einem gewalttätigen Mann abhängig. Während bei Männern die Pandemie lebensgefährlicher ist und öfter tödlich endet, sind Frauen sehr viel stärker von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen. Auch konnte zum Beispiel in den USA festgestellt werden, dass Abtreibungsgegner die Pandemie dazu nutzten, Schwangerschaftsabbrüche zu erschweren, respektive zum Stillstand zu bringen.  

Geplante operative Eingriffe fanden nicht statt unter dem Vorwand, dass Krankenhausbetten frei bleiben müssen für Pandemie-Opfer.  Missbrauch und Misshandlungen während des „Lockdowns“ führten ebenfalls zu zusätzlichen ungewollten Schwangerschaften.

Allgemein machten humanitäre Helfer und auch Frauenrechtlerinnen darauf aufmerksam, dass die Pandemie die Errungenschaften der Emanzipation entscheidend reduzierte, was alle Länder und Gesellschaften interpellieren sollte.