TOKIO/WOLFSBURG
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Mitten im VW-Abgasskandal muss Toyota Autos zurückrufen

Michael J. Fox und Christopher Lloyd, die Stars aus der Science-Fiction-Saga „Zurück in die Zukunft“, arbeiten neuerdings für Toyota. Gemeinsam haben die beiden Schauspieler einen Werbe-Spot für den japanischen Autobauer gedreht, in dem es ebenfalls um die Zukunft geht: Toyotas erstes Serienauto mit Brennstoffzelle, den Mirai, zu Deutsch „Zukunft“.

Während sich der große Rivale Volkswagen wegen des Diesel-Dramas neu aufstellen und verstärkt auf Elektrofahrzeuge setzen will, prescht Toyota mit seinen alternativen Technologien voran. Bereits bei der Hybrid-Technik waren die Japaner Vorreiter in der Autowelt gewesen. Grund zur Schadenfreude aber haben die Japaner nicht. Schließlich hat auch Toyota mit Problemen zu kämpfen, wie der erneute Massenrückruf wegen defekter Module für elektrische Fensterheber zeigt. Betroffen sind 6,5 Millionen Autos weltweit.

Die Japaner setzen so wie andere Autobauer auch zunehmend auf gleiche Teile für mehrere Modelle, um Kosten zu sparen und schneller Autos bauen zu können. Macht jedoch nur ein einziges Teil Probleme, trifft es oft gleich massenweise Autos. Toyota hat andererseits aus den Erfahrungen seines millionenfachen Rückrufs vor fünf Jahren gelernt. Damals hatten die Behörden auf dem extrem wichtigen US-Markt dem Konzern vorgeworfen, die Rückrufe verzögert zu haben. Die Folge war ein erheblicher Imageschaden. Seither wollen die Japaner nichts anbrennen lassen und rufen bei jedem Zweifel an der Qualität sofort alle betroffenen Autos zurück. Schließlich haben die USA das strengste Verbraucherrecht weltweit - und die höchsten Strafen.

Die unattraktiver werdende Dieseltechnik könnte nach Ansicht von Branchenbeobachtern zu neuen Kooperationen zwischen europäischen und japanischen Autobauern bei Hybrid- und Elektroantrieben führen. Hier hatten die Japaner bisher den Schwerpunkt, während die Europäer auf „Clean Diesel“ setzten. Für die Japaner sei der Hybridantrieb eine Brückentechnologie hin zur Elektromobilität, erklärt Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio.

Zugleich aber lernen auch die Japaner von den Erfahrungen der Europäer. So werde in Folge des Skandals bei Volkswagen in japanischen Chefetagen nun viel stärker als bisher wahrgenommen, wie weit schon die Software-Integration und virtuelle Welt im Zuge von Industrie 4.0 in die verarbeitende Industrie vorgedrungen sei, so Schulz.

Verschwundene VW-Aktie

Vor einem Besuch von Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil im Stammwerk in Wolfsburg sorgt derweil eine verschwundene Akte zum Abgas-Skandal für neuen Ärger. Aufgrund einer Strafanzeige der Landesregierung ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen möglichen Diebstahls.

Ob die Handakte am Ende wirklich gestohlen, nur verlegt oder gar versehentlich in den Müll geworfen wurde, war zunächst offen. In der Staatskanzlei wird der Diebstahl nach dpa-Informationen jedoch „als naheliegendste Variante“ vermutet. „In der Handakte befanden sich ausschließlich Ausdrucke und Duplikate von Unterlagen, die meisten davon sind im Netz verfügbar, aber auch hausinterne Vermerke zu rechtlichen Fragen, keine Aufsichtsratsunterlagen“, sagte Pörksen. „

Gleichzeitig hat Volkswagen gestern seinen europäischen Vertragspartnern untersagt, Bestandsfahrzeuge, die von der Dieselaffäre betroffen sind, zu verkaufen. Der Verkaufsstopp gilt für alle Neuwagen mit dem Motor EA 189 ohne Erstzulassung, die im Handel auf Lager stehen. Er geht nach einem Bericht der Fachzeitschrift „Automobilwoche“ (online) auf einen Beschluss des Kraftfahrt-Bundesamts zurück.

Nach Angaben Osterlohs hat der Abgas-Skandal in der ersten Oktober-Hälfte noch nicht auf die Verkäufe durchgeschlagen.