LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Beim Neujahrsempfang in der „Chambre des Métiers“ fielen klare Worte

Beim traditionellen Neujahrsempfang der „Chambre des Métiers“ und der „Fédération des Artisans“ auf dem Kirchberg fand Tom Oberweis, Präsident der „Chambre des Métiers“, klare Worte für den Unmut des Handwerks und nutzte die Gelegenheit, eine Reihe von Forderungen und Kritik vorzubringen. Oberweis betonte mit Blick auf „Fridays for Future“ und Demonstrationen, die das abgelaufene Jahr kennzeichneten, dass Klimaschutz zwar wichtig sei, Demokratie und Freiheit jedoch auch. Das solle angesichts der Debatte nicht vergessen werden. Er würdigte den Einsatz der jungen Menschen fürs Klima. Sie würden auch im Handwerk gebraucht, das unter Mitarbeitermangel leidet. Angesichts der anwesenden Politiker - darunter Premier Xavier Bettel sowie Chamberpräsident Fernand Etgen - hob er den guten Draht zu den Ministern Lex Delles (Mittelstand, Tourismus) und Claude Meisch (Bildung, Forschung) hervor. Letzterem dankte Oberweis insbesondere für die Sensibilisierungskampagne beim Projekt „Perspektiv Handwierk“ im Fondamentalsektor sowie bei der Reform der Meisterprüfung. Richtung Delles lobte er dessen 5. Aktionsplan für PME. „Nach einem Jahr kann man sagen, dass wir einen engagierten, dynamischen Minister haben, der sich für die belange vom Handwerk einsetzt“, unterstrich Oberweis mit Blick auf Delles und sein junges Amt. Er habe sich auch der Reform des Niederlassungsrechts und der Neuordnung der Öffnungszeiten angenommen. Dennoch sieht Oberweis eine Menge Herausforderungen, von denen er drei besonders unterstrich: Erstens den Mangel an qualifiziertem Personal und die anstehenden Betriebsübergaben. „In den kommenden zwölf Monaten fehlen rund 9.400 qualifizierte Mitarbeiter“, warnte der Präsident der Handwerkskammer. „In den kommenden zehn Jahren werden 3.500 Betriebe schließen, falls kein Nachfolger gefunden wird. Das betrifft 47.000 Mitarbeiter.“ Zweitens verwies er auf die mangelnden Flächen für die Niederlassung von Betrieben, nachdem im „Plan Sectoriel“ die dafür ausgewiesene Fläche reduziert wurde. „Unverständlich“, nannte Oberweis das, wo doch bekannt sei, dass der Bedarf des Handwerks bei 89 Hektar liege.

Als dritte Herausforderung nannte er den technologischen Wandel. „Insbesondere Digitalisierung und Energieeffizienz betreffen auch die kleinsten Betriebe“, hob er hervor. Wer nicht innoviere, ginge unter. Dann folgten Rügen für die Politik angesichts des administrativen Umfelds und der Belastungen durch Verwaltungsakte. Besonders beim Sozialdialog fehle ein Gespräch auf Augenhöhe, monierte Oberweis, selbst Mitglied der CSV. In den vergangenen Jahren sei noch eine Schieflage beim Arbeitsrecht hinzu gekommen. „Sechs von zehn Betrieben haben hier Schwierigkeiten“, kritisierte der Präsident der Handwerkskammer. Er konnte sich einen Seitenhieb auf die „schlechten Erfahrungen mit der Vorgängerregierung“ nicht verkneifen und verlangte nach einem notwendigen Ausgleich.

„Bei dieser Regierung überschlagen sich Initiativen für Work-Life-Balance“, monierte Oberweis mit Verweis auf neue Urlaubstage und -arten. „Alle Belastungen liegen bei den Betrieben.“ Oberweis betonte, sowohl die Handwerkskammer als auch die „Fédération des Artisans“ wollten ein klares Signal, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Verärgert zeigte er sich auch über die in diesem Monat fällige Indexerhöhung. „Lohnpolitik ist keine Lösung für Wohnungsbaupolitik“, kritisierte Oberweis. Die nächsten Baustellen sieht er bereits: Da ist zum einen der Klimapakt für kleine Betriebe, von dem man noch nichts wisse, zum anderen seien Bauschuttdeponien dringend notwendig und müssten ausgewiesen werden.

Auch müsse bei der Suche nach Talenten mehr geschehen. „„Die Fédération des Artisans“ hat mit den Kompetenzzentren Pionierarbeit geleistet, die ihresgleichen sucht; mit Weiterbildungsangeboten in mehr als 40 Berufen“, unterstrich Oberweis, der sich auch hier Unterstützung von der Politik wünscht.