LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

ALIA verurteilt Manipulation von Bild und Ton in Lunghi-Affäre

Ein „Blâme“ für RTL Télé Lëtzebuerg: Die so genannte Affäre Lunghi, die bereits zum Rücktritt und zu einer Verwarnung des ehemaligen Mudam-Direktors Enrico Lunghi sowie zum Rücktritt des RTL-Direktors Alain Berwick geführt hat, hat nun einer weitere Folge. Die „Autorité luxembourgeoise indépendante de l’audiovisuel“ (ALIA) teilte am Montag mit, dass ihr Verwaltungsrat sich am 12. Januar mit der von Marc Thoma erstellten RTL-Reportage in der Sendung „Nol op de Kapp“ befasst hat und eine offizielle Rüge aussprach.

Dabei handelt es sich um ein längeres Interview der Journalistin Sophie Schram und dem Mudam-Direktor Enrico Lunghi, das in stark gekürzter Form wiedergegeben wurde. Die ALIA stellte nun eine Manipulation in Bild und Ton fest, die zum Anschein einer inexistenten Realität führte und gegen bestimmte Pflichten, die sich aus dem Konzessionsvertrag mit CLT-Ufa ergeben, verstießen. Diese Pflichten betreffen unter anderem den Respekt der „honnêteté de l’information“ und das Verbot, durch Schnitte oder Montagearten den Sinn der eingefangenen Äußerungen und Bilder zu verändern.

Die ALIA habe sich selber mit der Angelegenheit befasst, nachdem sie für Wirbel in der Presse sorgte, heißt es in der Mitteilung. Im Rahmen ihrer gesetzlichen Kompetenzen habe sie sich darauf beschränkt, zu untersuchen, ob die deontologischen Regeln, denen RTL Télé Lëtzebuerg unterliegt eingehalten wurden. Es obliege ihr nicht, das Verhalten des Mudam-Direktors zu beurteilen.

In einer gründlichen Analyse sei festgestellt worden, dass die Reportage einerseits Sequenzen auslässt, ohne klar anzuzeigen, dass die Bilder in Wirklichkeit nicht direkt aufeinander folgten und andererseits zwei Sätze aneinandersetzt und daraus eine Aussage macht, die real im Intervall von 30 Sekunden geäußert wurden. Der Zuschauer wird hier mit einer einzigen und starken Aussage konfrontiert, ohne mitgeteilt zu bekommen, dass dazwischen andere Fragen und Antworten ausgetauscht wurden.

Die ALIA hat auch festgestellt, dass RTL Télé Lëtzebuerg im Lastenheft angehalten ist, ein Qualitätsprogramm zu liefern und bestimmte Pflichten eines öffentlichen Dienstes zu erfüllen. Die Zuschauer müssten dementsprechend erwarten können, vollstes Vertrauen in die Sendungen und deren Informationen haben zu können. Das sei hier nicht erfüllt - die Sendung „De Nol op de Kapp“ habe nachweislich und gravierend die Regeln verletzt, die sie beachten muss.

Die ALIA wurde 2013 als unabhängiges Organ gegründet, indem der nationale Programmrat und die unabhängige Rundfunkkommission, die die Radiofrequenzen vergab, zusammengelegt wurden. Sie überwacht, ob die audiovisuellen Medien die gesetzlichen Regeln einhalten, beurteilt Beschwerden, die von Personen eingereicht werden, kann sich aber auch selber mit Affären befassen. Sie kann Rügen erteilen, Rügen aussprechen, die dann öffentlich vorgelesen werden müssen oder Geldstrafen zwischen 250 und 25.000 Euro verhängen. „Wir haben schon mehrere Rügen ausgesprochen und auch Geldstrafen verhangen“, sagte ALIA-Direktor Romain Kohn am Montag dem „Journal“. RTL kann gegen die ALIA-Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht in Berufung gehen.