LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Mit „Rusty Boys“ realisiert Andy Bausch einen neuen Spielfilm

Andy Bausch drehte mit „Trouble No More“ 2010 seinen letzten Spielfilm. Seither hat er eine Reihe interessanter Dokumentarfilme realisiert, wie unter anderem „D’Belle Epoque“, „Faustino“ oder „Streik“. Sein neues Projekt „Rusty Boys“ lag einige Zeit in der Schublade, ehe es wieder in Angriff genommen wurde. Frank Feitler überarbeitete mit Bausch das Drehbuch, das schließlich vom Luxemburger Film Fund angenommen wurde, so dass auch eine finanzielle Unterstützung für die Produktion des Films durch Paul Thiltges genehmigt wurde.

Nicht bedingungslos alt werden

Nuckes (André Jung) mag Westernfilme und arbeitet in einem Altersheim. Dort besorgt er den Bewohner Zigaretten und organisiert auch mal ein leichtes Mädchen (Iva Bukvic) zum Geburtstag von Lull (Pol Greisch). Das gefällt der Direktorin (Fabienne Hollwege) gar nicht, und sie entlässt Nuckes.

Auch Rentner Fons (Marco Lorenzini) wird wegen eines Fehlverhaltens vor die Tür gesetzt. Bei Nuckes kriselt es in der Ehe mit Henriette (Monique Reuter), die ihn verdächtigt, eine Affäre mit einer viel jüngeren Frau, Sabinn (Marie Jung), zu haben. Fons zieht erstmal zu seiner Tochter Maisy (Myriam Muller) und ihrem Mann Pitt (Pitt Simon), dem Sohn von Lull, ehe er Unterschlupf in Jängis (Fernand Fox) Gartenhaus findet.

Nuckes hat die Idee, das leerstehende Haus von Madame Boever (Annette Schlechter) in ein autonom geführtes Altersheim umzufunktionieren. Somit bräuchten sie sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Jackie (Valérie Bodson) versucht, das Haus, das in einem desolaten Zustand ist, für eine Agentur zu verkaufen. Den Interessenten fehlt das nötige Kleingeld, und so versuchen sie bei einer Ministerin (Brigitte Urhausen) einen Antrag auf finanzielle Unterstützung für ihr Wohnheim zu stellen. Schließlich begeistern sich auch Lull und Nelly (Josiane Peiffer) für ihren Plan.

Viel Witz und auch Emotionen

„Rusty Boys“ ist in vielen Ansätzen ein typisches Produkt aus Luxemburg: Von den Schauspielern her, den Schauplätzen, die oft in Filmen von Bausch auftauchen, und den Dialogen mit urtypischen luxemburgischen Wendungen. Der Film bietet auch eine universelle Geschichte, die überall spielen könnte, denn die Probleme von alten Menschen sind auf der ganzen Welt gleich. Bausch gelingt es, neben den vielen witzigen Szenen, auch Emotionen ins Spiel zu bringen. Besonders gefallen die Relation von Nuckes und Henriette, die durch das Nicht-Sagen der Wahrheit aus den Fugen gerät, die Familienverhältnisse von Fons und die aufkommende Zuneigung von Nelly zu Lull.

Die ganze Geschichte ruht daneben ganz auf den Schultern der Schauspielergarde, allen voran André Jung, der seinem (Texas)Nuckes vielschichtige Charaktereigenschaften verleiht, mal ernst, mal verspielt, mal deprimiert. Klasse beweisen Marco Lorenzini als lässiger Fons, Fernand Fox als resignierender Hobbygärtner, Pol Greisch als grantiger pensionierter Zahnarzt, Josiane Peiffer als Frischverliebte und Monique Reuter als enttäuschte Ehefrau. Daneben spielen Luc Feit, Marie-Paule von Roesgen, Claire Johnston, Al Ginter und Christiane Rausch, und es gibt sogar einen Schauspieler, dessen Name nur zu lesen ist. „Rusty Boys“ kann sich durchaus sehen lassen, und ist sicher einer der besten Spielfilme von Andy Bausch.