NIC. DICKEN

Die einhelligen Lobreden und Würdigungen, die der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, bei seinem Ableben am vergangenen Samstag erfahren hat, können nicht wirklich verwundern. Annan galt und gilt als einer der markantesten Mandatsträger in der bewegten Geschichte einer unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg von damals 51 Nationen ins Leben gerufenen Weltorganisation, die sich vorrangig um Friedenssicherung, aber auch um die Wahrung von Völker- und Menschenrecht sowie um humanitäre und soziale Zusammenarbeit bemühen sollte.

Die letzte globale Aufgabe, der sich die UNO, gerade auch unter dem Impuls ihres zum Jahrtausendwechsel amtierenden Generalsekretärs Kofi Annan, widmete, war die Durchsetzung der so genannten Millenniumsziele, wo der Kampf gegen Hunger und Armut, die Beseitigung sozialer Missstände und Diskriminierungen, sowie die Sorge um stärkere Nachhaltigkeit in der Politik wesentliche Anliegen sind.

Im Rückblick kann man feststellen, dass die UNO trotz einer alles andere als befriedigenden Gesamtbilanz doch eine ganze Reihe von Erfolgen vorweisen kann, die allerdings auch nicht immer den dauerhaften Bestand hatten, den man sich eigentlich hätte wünschen können. Behindert u.a. durch ein Vetorecht, das den Großmächten USA und Russland (frühere Sowjetunion) zugestanden worden war, konnte die Weltorganisation nicht immer jene Akzente setzen, die aus einem objektiven Blickwinkel heraus hätten gesetzt werden müssen.

Und genau hier brachte Kofi Annan sein persönliches Engagement ein, seine in Jahrzehnten im Einsatz für humanitäre Anliegen gesammelten Erfahrungen, vor allem aber den Mut, in schwierigen Situationen Zugeständnisse zu verlangen und auch durchzusetzen, wo offene Gegensätze schroff aufeinander stießen.

Der 1938 in Ghana geborene und aus privilegierten Verhältnissen stammende Kofi Annan schlug nach internationalen Studien vorwiegend in den USA schon früh die Laufbahn des Berufsdiplomaten ein, die ihn unmittelbar zur UNO führte. Dass er dort nicht nur Funktionär war, sondern maßgebliche Posten besetzte, machte sein persönliches Engagement deutlich, ein Merkmal, das seine spätere Einstellung als Leiter der Vereinten Nationen prägen sollte.

Seine afrikanische Abstammung erleichterte ihm sein Wirken auf diesem Kontinent, wo bis in seine Amtszeit hinein Völkermorde wüteten, die er mit großem Bestreben einzudämmen und zu beenden suchte.

Aber auch andere Konfliktherde, etwa auf dem Balkan und im Nahen bis Mittleren Osten machten ihm zu schaffen und führten ihn zu teilweise sehr gewagten Stellungnahmen, wobei vor allem sein letztendlich dann doch erfolgloser Einsatz gegen den Irak-Krieg in Erinnerung bleibt. Er selbst musste denn auch einräumen, dass seine Mandatsperiode nicht ohne Mängel und Fehlerstellen geblieben war. An seine Ehre, seinen überzeugten Einsatz und an sein charismatisches Bemühen um Frieden und Menschlichkeit kann dies jedoch nicht wirklich rühren.