ESCH/BELVAL
JEFF KARIER

Luxemburgischen Künstlern bietet das „Rocklab“ die Möglichkeit einer Künstlerresidenz

Vielen Dank fürs Kommen“, sagt Pascal Schumacher leicht gebückt in ein Mikrofon, als sich die kleine Gruppe von Journalisten und Profis aus der Musikbranche im „Club“, einem der Säle der „Rockhal“, einfinden. Auf der Bühne im Halbdunkel sitzen neben dem renommierten Musiker Schumacher vier Streicher, der französische Gitarrist Maxime Delpierre und der ebenfalls nicht unbekannte Jeff Herr am Schlagzeug.

Gemeinsam stehen die sieben Musiker auf der Bühne der Rockhal, die sie sich als Künstlerresidenz ausgesucht haben, um am neuen Projekt „Drops & Points“ zu arbeiten, das im März in der Philharmonie seine Premiere feiern wird. Die „Rockhal“ und das „Rocklab“ bieten ideale Bedienungen, um an der technischen Umsetzung des Projekts zu arbeiten“, erklärt Raphael Junker, der Manager von Schumacher. Denn wie Junker erklärt, gehöre zu „Drops & Points“ auch ein nicht unwesentlicher visueller Teil.

Erfolgreiches Konzept

Wer bei Künstlerresidenzen an historische Bauten denkt, in denen Kunstschaffende ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, hat zwar nicht unrecht. Das Konzept der Residenz wurde jedoch auch von modernen Häusern aufgegriffen und war auch von Anfang an ein Teil der Ausrichtung der „Rockhal“. „Es ist Teil unserer Arbeit luxemburgischen Musikern passende Rahmenbedingungen zu bieten, damit sie kreativ sein können“ erklärt Sam Reinard, Manager des „Rocklab“, dem Teil der „Rockhal“, dessen Aufgabe es ist luxemburgische Musiker in den verschiedenen Bereichen zu unterstützen. Und Schumacher ist nicht der erste Musiker, der in der „Rockhal“ Residenz bezieht. Zu den Bands und Künstlern, die bereits von dem Angebot der Rockhal profitierten, gehören „Mutiny on the Bounty“, „Tuys“, „District 7“, „Napoleon Gold“ und „Ice In My Eyes“.

Wiederholungstäter

„Für mich ist es nicht die erste Künstlerresidenz. Für das Album ‚Left Tokyo Right‘ zum Beispiel habe ich in Tokyo Residenz bezogen“, erklärt Schumacher, der vor allem in der Jazzszene beheimatet ist, doch immer wieder versucht neues Terrain zu betreten. Die Residenz in Tokyo war damals drei Wochen lang. In der „Rockhal“ waren Schumacher und Co. etwa vier Tage. „Ich würde es vielmehr als ‚Staging‘ bezeichnen, da der eigentlich kreative Prozess für uns Musiker bereits abgeschlossen ist. Jetzt steht das gemeinsame Proben und die Ausarbeitung der visuellen Bühnenshow im Vordergrund.“

Ein solches „Staging“ ist auch ganz im Sinne von Reinard und seinen Kollegen, ist die Möglichkeit einer Vorbereitung auf eine Premiere doch Teil des Konzepts des „Rocklab“. „Als luxemburgischer Musiker oder Band, kann man Räumlichkeiten der „Rockhal“ unter verschiedenen Bedingungen nutzen, um an einem Projekt zu arbeiten. Das können Proberäume sein, unser Tonstudio oder auch unsere Konzertsäle ‚Floor‘ oder ‚Club‘.“

Hinzu kommen Techniker, die einem bei der Ausarbeitung zur Seite stehen. „Man kann das à la carte zusammenstellen, ganz nach den eigenen Bedürfnissen.“ Denn jedes Projekt ist anders. Dass ein Künstler oder eine Band jedoch fast eine ganze Woche ihr Zelt in der „Rockhal“ aufschlägt, ist auch für Reinard eine Premiere.

Für einen reibungslosen Ablauf

Bevor in der „Rockhal“ jedoch eine Residenz möglich ist, egal ob nun ein Tag oder mehrere Tage, müssen die Künstler einen Plan ausarbeiten, was genau sie während ihres Aufenthalts machen wollen. Dazu gehört der Aufbau des Materials, „Soundcheck“, wann gegessen wird und mehr. Denn nur so könne ein reibungsloser Ablauf und eine fruchtbare Residenz ermöglicht werden. „Die Gruppen, die bei uns beim ‚Screaming Fields‘ mitmachen oder auch auf dem ‚Sonic Visions‘-Festival auftreten, steht eine Residenz mit Begleitung bei uns zu. Das ist Teil des Pakets“, führt Reinard das Konzept weiter aus.

Die Arbeit des „Rocklab“ solle man derweil nicht als eine Dienstleistung, eine Begleitung von A bis Z verstehen, sondern als eine qualitative Begleitung, die den luxemburgischen Künstlern zu Teil wird, die ein klares Projekt haben.

„Wenn man nur in seinem eigenen Proberaum ist, hat man als Künstler nicht die Mittel, die wir nun hier haben. Wir haben so die Möglichkeit vor der Premiere unvorhersehbare Probleme zu lösen“, erklärt Schumacher den Mehrwert der Residenz in der „Rockhal“.

Und sein Manager meint: „Die Möglichkeit einer Residenz, dass das gesamte Team, Musiker wie Techniker, in Ruhe, konzentriert und mit einer intensiven Betreuung über mehrere Tage arbeiten, ist unglaublich wertvoll.“


Über das neue Projekt „Drops & Points“ von Pascal Schumacher werden wir in zwei Wochen im Detail berichten