LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Fortsetzung im Verfahren um die Geiselnahme vom 12. Dezember 2012

Am Mittwoch wurde das Geiselnahme-Verfahren vom 12. Dezember 2012 in Luxemburg-Eich am Bezirksgericht Luxemburg fortgesetzt. Während des Verfahrens vor der Kriminalkammer sorgte die Polizei wieder einmal für Sicherheit im Gerichtsgebäude. Rückblende: Es geht in diesem Prozess um Raub, Geiselnahme, Todesdrohungen, schwere Körperverletzung und Hehlerei. Zwei Hauptangeklagte, Ali A. und Redda B. müssen sich seit Dienstag, dem 26. November, gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen wegen Raub, Freiheitsberaubung und Geiselnahme vor der Kriminalkammer Luxemburg verantworten.

Die Geschichte vom Prinzen

Sie sollen den Direktor einer Treuhandgesellschaft Louis R. (57) am 12. Dezember 2012 in seinem Haus in Luxemburg-Eich überfallen haben. Zuvor hatte Redda B. sich als Sicherheitschef eines kuwaitischen Prinzen ausgegeben, der etwa drei Milliarden Euro in Luxemburger Juwelier-Gesellschaften investieren wollte. Die Männer zwangen ihn, 140.000 Euro vom Firmenkonto abzuheben und in die Wohnung bringen zu lassen. Schwer verletzt musste er acht Uhrenhändler zu einem Treffen im Gebäude einer Treuhandgesellschaft einladen, wo es am 13. Dezember 2012 zu einer weiteren Geiselnahme kam.

Die Richter der Kriminalkammer beschäftigten sich am Mittwoch im Prozess vor diesem Hintergrund ausführlich mit der Frage, ob und unter welchen Umständen ein Geiselopfer als Zeuge im Prozess gegen die Angeklagten zur Verfügung steht. Die Gangster hatten der Geisel Gilles F. eine Sprengstoffweste angezogen, bevor sie den Mann zwangen, mit nach Paris zu kommen. Bevor sie ihn letztlich laufen ließen, hätten sie ihm gesagt, er solle sofort in Luxemburg in die Treuhandgesellschaft anrufen, um die Geiseln zu befreien. Das Gericht stellt den Wert der Aussagen des vermeintlichen Opfers generell nicht in Frage. „Wir sind verpflichtet, zu klären, was an dieser Geschichte dran ist“, betonte Sylvie Conter. Andererseits sei es schon seltsam, dass der Mann nicht als Zeuge am Prozess teilnahm. Er hatte der Vorladung der Staatsanwaltschaft keine Folge geleistet. Das Gericht hatte lange auf den Zeugen gewartet. Am Mittwoch war es dann soweit. Seinen Namen und sein Alter bestätigte der Zeuge. Ja, er wohne und arbeite in Luxemburg, bestätigte F. am Mittwoch die entsprechenden Fragen der Vorsitzenden Richterin Sylvie Conter. Dann erzählte er, wie es zu diesem Deal kam und wie die Gangster vorgingen. Doch offensichtlich kann sich der Mann an manche Fakten nicht erinnern. Auf die Frage der Richterin, ob es überhaupt Kontrollen der Identitäten gab, antwortete er: „C’est possible.“ Die Vorsitzende Richterin konterte: „En fait, il n’y a pas eu de vérifications“, meinte sie.

Vieles hätte er vergessen, einiges falle ihm schwer zu sagen, beteuerte Gilles F. Die Idee zu der Straftat hätte Redda B. gehabt, sagte Ali A. am Mittwoch. Wie lange kennen Sie Redda B. „Den kenne ich seit 2010. Nous n’étions pas un couple“, antwortet er der Staatsanwältin.

Geisel aus Zufall?

Die Rolle des Prinzen hätte man ihm im letzten Moment angeboten. Eine größere Summe wäre im Spiel gewesen. Das Geld, das er schließlich erhalten habe, hätte er in Etappen bekommen: zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Seine Aufgabe: Drei oder vier Personen im Hause festzuhalten. Von den 140.000 Euro, die sie dem Eigentümer des Hauses abgenommen haben, habe er nichts gesehen. Er hätte B. vertraut.

Warum sie Gilles F. als Geisel mit nach Paris nahmen, wollte die Vorsitzende wissen. Zufall, sagte er. Eine Uhr hätte er für 20.000 verkaufen wollen. Im Januar 2013 sei er nach Spanien gefahren. Den zwei anderen Angeklagten, die wegen Hehlerei angeklagt sind, wäre er zwei oder drei Mal in Paris und Malaga begegnet. Die zwei Männer seien Freunde von B. gewesen. Die Waffen, die sie benutzt haben, seien Scheinwaffen gewesen, beteuerte A. Der Angeklagte Daniel V. ist wegen Hehlerei angeklagt. Er gab zu Protokoll, die Uhren zum ersten Mal in einem Hotelzimmer in Paris gesehen zu haben. Er meinte, es seien fünfzehn gewesen. „Sur les montres il y avait des étiquettes avec des prix.“ Fragen hätte er sich aber keine gestellt. Die Uhren hätte er auf 1.200.000 Euro geschätzt. Sieben davon habe er auf einer Uhrenmesse, die gut besucht war, in der Schweiz verkauft. „Auf der Uhrenmesse, waren das waren alles Banditen“, fragte die Vorsitzende Richterin?

Der Prozess wird heute fortgesetzt.