LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ein neuer Ansatz für Industriezonen und ein EU-weites Projekt

Seit die Politik die „circular economy“ entdeckt hat, gibt es in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen für unterschiedliche Interessengruppen. Gestern lud das „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) zu einer Informationsveranstaltung über Gewerbegebiete ein.

Wie können Unternehmen voneinander lernen, umweltfreundlicher produzieren und vor allem ihre Abfälle und Rückstände sinnvoll wiederverwerten? Wie können Kommunen sie dabei unterstützen? Diese Fragen standen im Zentrum des europäischen Projekts „C2C BIZZ“, das gestern vorgestellt wurde. Den Unternehmen und Gebietskörperschaften wurden verschiedene Instrumente und Ansprechpartner genannt. Hintergrund ist ein absehbarer Rohstoffmangel ebenso wie ein wachsendes Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber der Umwelt.

Gabeln aus Maisstärke statt Plastik

Zunächst einmal geht es darum, allen die Idee des „cradle-to-cradle“ nahe zu bringen (siehe Kasten). Der EcoParc Windhof und das Nachhaltigkeitsministerium organisierten zusammen mit dem LIST die Konferenz. Den rund fünfzig Zuhörern erklärten sie, dass die „Administration de L´Environnement“ (AEV) und das LIST-Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen Informationen und Schulungen anbieten. „Denn es sind innovative Wirtschaften, die weiterkommen“, zeigte sich Camille Gira, Staatssekretär aus dem Nachhaltigkeitsministerium, überzeugt. Für ihn ist die Gabel aus Maisstärke ein gutes Beispiel. „Politik, Forschung und der Privatsektor müssen noch viel mehr zusammenarbeiten“, forderte Gira. Er verwies auf Gerüchte, wonach Apple sich zugunsten von Dänemark aus Luxemburg zurück ziehen will, weil dort der Strom nachweislich grün ist. Umweltfreundlichkeit werde so immer mehr zur Verpflichtung.

Gäste aus Eindhoven und Lille sollten Beispiele für die konkrete Umsetzung der Ideen in der Praxis bringen, blieben jedoch sehr allgemein. Dafür konnte Romain Poulles, Präsident des EcoInnovationClusters von Luxinnovation und Unternehmer, die Anwendbarkeit der vorgestellten Instrumente bestätigen. Christian Tock berichtete über die Studie des Wirtschaftsministeriums (Journal vom 10.02.2015), die die Vorteile des Ansatzes für Luxemburg festhält. „Die Supermarktkette Cactus hat schon entsprechende Konzepte“, betonte Tock. Der Direktor für neue Technologien bedauerte jedoch, dass es an Daten und Statistiken für Luxemburg fehle. „Es gibt viel Potential bei Zusatzstoffen und Materialien.“

Pilotprojekte in sechs Ländern

Jetzt warten Trainings und Pilotprojekte auf Luxemburger Unternehmen und Kommunen. Sicher ist schon: Die Politik lässt nicht locker; weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene. Es ist daher verständlich, dass das Projekt „C2C BIZZ“ zwischen sechs EU-Staaten mit Interreg-Mitteln gefördert wird. Die elf Partner kommen aus Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Luxemburg. Auf luxemburgischer Seite ist neben dem Nachhaltigskeitsministerium das LIST und der Ecoparc Windhof impliziert. Jedes Land verfolg Pilotprojekte. In Luxemburg gibt es beispielsweise die Möglichkeit, sich zum Thema Materialbanken zusammenzuschließen. Ende April oder Anfang Mai will KPMG Workshops für Finanzinstitute zur „circular economy“ anbieten. Im Bereich Gewerbegebiete wären Energienetze mit Geothermie denkbar.


www.c2cbizz.com
www.c2c-centre.com