Mit dem Gesamtsieg des Italieners Vincenzo Nibali ging gestern auf dem Prachtboulevard der Champs-Elysées in Paris der diesjährige „Tour de France“ zu Ende. Es war sicher keine besonders spektakuläre Rundfahrt, doch wurde während der vergangenen drei Wochen einmal mehr großer Sport gezeigt, dem am Ende aufgrund der klaren Dominanz des Endsiegers lediglich der echte Nervenkitzel fehlte.
Sei’s drum, wahre Freunde des Radsports kamen trotzdem auf ihre Rechnung, zumal diese Rundfahrt - fassen wir Holz an! - offensichtlich „sauber“ geblieben ist und das Thema Doping diesmal nur im Rückblick auf die Vergangenheit thematisiert werden musste. Spannung wurde immer wieder geboten durch Ausreißversuche, die erfreulicherweise das eine oder andere Mal auch zum verdienten Erfolg geführt werden konnten.
Einen echten Augenschmaus boten einmal mehr auch die herrlichen Bilder der französischen Regionen, die zunehmend auch weniger sportbegeisterte Zeitgenossen vor die Fernsehübertragungen des Rennens lockten. Die Millionen zum Teil überbegeisterter Zuschauer am Rand der Strecke haben bewiesen, dass die Tour-Beliebtheit allen Eklats und Skandalen zum Trotz weiterhin ungebrochen ist.
Doch zurück zur sportlichen Bilanz. Gleich mehrere Dämpfer mussten in den ersten Wochen hingenommen werden mit dem frühen Ausscheiden von mutmaßlichen Favoriten und herausragenden Fahrern wie Christopher Froome, Alberto Contador, Mark Cavendish, Rui Costa, Andy Schleck und Fabian Cancellara. Als ob sie von dieser Dezimierung der Tour-Prominenz profitieren wollten, drückten neue Gesichter dem Rennen auf nachhaltige Weise ihren Stempel auf.
Der Verlauf und das Endresultat des 101. „Tour de France“ müssten vielfach für punktuelle Freude und Zufriedenheit gesorgt haben. Da wäre zum einen die Tatsache, dass nach Marco Pantani im Jahre 1998 erstmals wieder ein Italiener den ersten Platz im Generalklassement behauptet hat, der sich damit in die Reihe von Größen wie Gino Bartali, Fausto Coppi oder Felice Gimondi einreihen konnte.
Eine besondere Genugtuung dürfte es für unsere Nachbarn aus dem Gastland gewesen sein, dass gleich zwei ihrer Landsleute einen Podiumsplatz erreichen konnten, nachdem die letzten Tour-Auflagen für die „Grande Nation“ doch eher enttäuschend verlaufen waren.
Das Abschneiden, vor allem aber der Einsatzwille und der Kampfgeist der beiden luxemburgischen Teilnehmer Frank Schleck und Ben Gastauer - Andy Schleck, dem wir eine nachhaltige Genesung wünschen, hatte nach einem heftigen Sturz schon sehr früh aussteigen müssen - sollte auch innerhalb unserer Landesgrenzen für Zufriedenheit und Freude sorgen. Mit einem 12. und einem 22. Platz im Endklassement wurden die Erwartungen wohl keineswegs enttäuscht. Besonders der Nachwuchs in dieser nach wie vor sehr beliebten Sportart dürfte daraus neue Motivierung schöpfen.
Vive le Tour!


