LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die Luxair hat einen Simulator für Notfälle eingerichtet - das Journal mittendrin beim Absturz

Ih, Feuer! Feuer an Bord einer Luxair-Maschine auf dem Weg nach Nizza. Zum Glück haben die Flugbegleiter den Zwischenfall schnell unter Kontrolle, können den Brand löschen und geben dann dem Piloten Bescheid. Der beschließt dann, lieber doch nach Luxemburg zurück zu fliegen. Ein plötzlicher Druckverlust in der Kabine setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf.

Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen und noch nicht so recht vom Schock erholt, wollen die Herrschaften von der Luxair sofort wieder los. Also nochmal rein. Hoffentlich gibt es Bonusmeilen für Vielflieger... Dafür schmiert der Flug dann direkt beim Start ab - wir müssen evakuieren, und zwar schleunigst. Also raus über die Rutsche oder über den Notausgang an den Flügeln.

Routine bringt Sicherheit

Das Alles ist gottseidank nur eine Simulation: Im Neuen „Cabin Emergenci Evacuation Trainer“ der Luxair, der ab sofort betriebsbereit ist und den Crewmitgliedern an Bord der Luxair-Maschinen eine bessere Routine für mehr Sicherheit vermitteln soll.

Denn nur aus dieser Routine könne überhaupt Sicherheit entstehen, meint beispielsweise der Pilot Christian Stenhamn. „Selbst wenn man es schon tausende Male geübt hat, Training ist immer wichtig. Damit im Notfall die Instinkte greifen“, erklärt er. Recht hat er: Im Notfall gelang es mir nicht einmal auf Anhieb, den Gurt zu öffnen. Da fehlt also noch Training.

Entsprechend sei der Simulator darauf ausgelegt, möglichst viele Szenarien in der Luft detailgetreu nachzustellen: vom brennenden Notebook über den Druckverlust bis hin zum Crash kann der Koordinator gleich mehrere Szenarien für die Trainierenden bereit halten.

Der Simulator wurde den Luxair-Vorstellungen entsprechend von dem Trick-Unternehmen „TFC“ aus Hamburg aus zwei ausgeschlachteten 737-Modellen zusammen gebaut und mit der typischen Luxair-Ausstattung versehen. Das bedeutet daher auch, dass alle Maßen - von der Höhe des Ganges bis zu den Sitzabständen und sogar der Höhe des Flugzeuges (und deshalb auch der Rutsche) - exakt dem realen Vorbild entspricht. „Das ist extrem wichtig, um die notwendige Routine zu bekommen“, erklärt Luxair-Pilot Laurent Donteri. „Je öfter wir mit den realen Proportionen und der realistischen Umgebung trainieren, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass wir in Notfallsituationen instinktiv die richtigen Entscheidungen treffen können“.

Auf Wunsch auch Klassenraum

Daher habe sich die lange Arbeitsphase von knapp zwei Jahren, in denen das Modell exakt den Wünschen der Luxair angepasst wurde, mehr als gelohnt. Künftig sollen dann auch andere Airlines auf dem Notfall-Simulator trainieren können, womit sich die Luxair eine Rolle als technologischen Vorreiter auflegt: „Wir müssen wirklich auf solche fortschrittlichen Methoden setzen, um uns auch in Zukunft auszeichnen zu können“, sagte Joe Schroeder der Luxair. Privatleute sollen hingegen nicht in den Simulator. Ob er dann auch einmal in das Programm der Flugangst-Seminare aufgenommen wird, ist fraglich.

„Wir haben bislang auf älterem Material trainiert, das aber inzwischen nicht mehr den Maßstäben entsprach“, erklärt Stenhamn. Zudem könne man neben Zwischenfällen auch den normalen Flugalltag üben: Der Bordservice lasse sich durch die exakten Proportionen ebenfalls trainieren, weshalb der Simulator auch über funktionierende Einrichtungen verfügt. Ein zusätzlicher Bildschirm in der Kabine erlaubt zudem, den Simulator als Klassenraum zur Ausbildung zu verwenden. Das perfekte Trainingsgerät also.