LUXEMBURG
MARCO MENG

Billigflieger könnte Großbritannien den Rücken kehren - und Luxemburg statt Hahn ausbauen

Die Gefahr für Hahn ist nicht Frankfurt, sondern Luxemburg“, so der Ryanair-Verkaufschef David O’Brien im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe). Die Flughafengebühren seien am Findel zwar leicht höher als beim Hahn, aber die deutsche Luftverkehrsabgabe sorge dafür, dass Luxemburg insgesamt billiger sei.

Eine solche Aussage aus dem Mund eines Ryanair-Vorstandsmitglieds dürfte ein deutlicher Fingerzeig dafür sein, wohin die Reise in Zukunft geht. Denn der Hahn wird die Luftverkehrsabgabe nicht ändern können. Mehr Flüge von Ryanair ab Luxemburg könnten auch durch den Brexit kommen. Denn der irische Billigflieger kündigte für den Fall eines harten Brexit an, seine Flotte von 85 in England stationierten Maschinen auf die Standorte in Irland und Kontinentaleuropa, darunter Luxemburg, zu verteilen. Ryanair fliegt den Findel seit Oktober letzten Jahres an, hat hier aber noch keine Flugzeuge stationiert. Die nächstliegende Ryanair-Basis ist der Hunsrückflughafen.

Am EU-Himmel wird die Luft dünner

Schon ohne diesen harten Schritt hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary bereits angekündigt, die für das laufende Geschäftsjahr erwarteten 50 neuen Boeing-Jets außerhalb Großbritanniens zu stationieren. Folge der zig neuen Ryanair-Flüge auf dem Kontinent wäre ein noch schärferer Wettbewerb hier - auch auf dem Findel. Schon jetzt rechnen neben Ryanair auch Lufthansa und Easyjet in den kommenden Monaten mit sinkenden Ticketpreisen. Allerdings könnten andere Airlines die von Ryanair aufgegebenen Strecken von und nach Großbritannien fliegen, machen die Iren ihre Drohung wahr. Falls es bis September 2018 keine Klarheit über ein neues Luftverkehrsabkommen mit Großbritannien gebe, so O’Brien gegenüber er „Süddeutschen Zeitung“, werde Ryanair für Sommer 2019 viele Flüge von und nach England streichen. Besonders Flüge zwischen Luxemburg und London, die ohnehin gewinnträchtig sind, würden an Attraktivität gewinnen.

An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt kann sich O’Brien mittelfristig die Stationierung von bis zu 20 Ryanair-Flugzeugen vorstellen. Die Flotte von derzeit dort zwei stationierten Maschinen will Ryanair im kommenden Winter zunächst auf sieben Jets ausbauen. Der Flughafenbetreiber Fraport hatte mit Gebühren-Rabatten für neue Strecken Ryanair und andere Billigflieger angelockt. Während die irische Fluggesellschaft nun in Frankfurt expandiert, wird am Flughafen Hahn, einst die größte Ryanair-Basis in Deutschland, abgebaut. Wie sehr im Gegenzug die Präsenz auf dem Findel ausgebaut wird, hängt also nicht zuletzt von den Brexit-Verhandlungen ab. Dass erst jüngst das neue Terminal-B fertiggestellt wurde, das für Interkontinentalverbindungen ausgelegt ist, käme dem zugute. Die Freude von Luxair und Easyjet über eine stärkere Ryanairpräsenz am Findel dürfte sich hingegen eher in Grenzen halten.