ZÜRICH
PATRICK VERSALL

Nicole Johänntgens Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Nicole Johänntgen hätte mit ihrer Unbekümmertheit mit Sicherheit der Kleinstadt Buxtehude gut zu Gesicht gestanden. Die Jazz-Saxophonistin aus dem Saarland verschlug es dann aber, „der Liebe wegen“, in die Schweizer Kantonalstadt Zürich. Wäre ihr Lebenspartner in Buxtehude heimisch gewesen, so hätte sie ihren Lebensmittelpunkt mit Sicherheit nicht in den Norden Deutschlands verlegt. Ihre heimatlichen vier Wände sieht sie demnächst sowieso wohl eher selten, da sie in den kommenden Wochen mit dem Franzosen Rémi Panossian und dessen Trio oder mit ihrer eigenen Band „Nicole Jo“ tourt. „Vor einigen Jahren bin ich aus meinem Dornröschenschlaf erwacht; mir wurde damals klar, dass ich öfters auftreten möchte.“ Sie mochte die Emotionswallungen, in die sie die Auftritte brachte, nicht nur sporadisch genießen. Also begab sie sich auf die Suche nach Auftrittsmöglichkeiten, ging bei Konzertveranstaltern Klinken putzen. Kontakte knüpfen und diese pflegen gehört mittlerweile zu ihrem Alltag.

Die Wahl zwischen Electro und Akustik

Ihr Blickfeld hat sie mittlerweile erweitert, sie habe angefangen, sich großräumiger umzuschauen, wagt auch den Sprung in die Nachbarländer wie eben Luxemburg, wo sie heute Abend in Redingen auftritt. Heutzutage würden die Veranstalter und Clubbesitzer von Anfragen gut ausgebildeter Künstler überschwemmt werden. „Ich muss wirklich zum Veranstalter hin und sagen ‚Hey, ich hab ’ne Band und möchte mit dieser bei Dir spielen‘. Auf das L’Inouï in Redingen stieß sie rein zufällig: Als sie ihren Tourneeplan zusammenstellte, hat sie sich über die Konzertclublandschaft des kleine Nachbarlandes einen Überblick verschafft. Als sie nach Redingen fuhr, um sich dann den Club anzuschauen, war sie hellauf begeistert, der Charme des Konzertsaals hat sie umgehauen. Demnächst wird die Musikerin ihre Tour mit ihrer Band „Nicole Jo“ fortsetzen; in Redingen tritt sie mit Rémi Panossian und dessen Bandkollegen auf. „Rémis französisches Label ‚Plus Loin‘ hat öfters mit der deutschen Presseagentin Judith Kobus zusammengearbeitet. Über sie kam der Kontakt zu ihm zustande.“

Johänntgen und der französische Pianist lernten sich auf dem Toulouser Jazz-Festival „Jazz sur son 31“ kennen und schätzen. „Es hat einfach musikalisch und menschlich zwischen uns beiden gestimmt“. Das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt hat das Festival eröffnet und erhielt tosenden Beifall. Die Zusammenarbeit mit Panossians Bands - die Mitglieder spielen allesamt akustische Instrumente- verlieh Johänntgen, die selten mit Bläsern auf der Bühne steht und mit ihrer Band eher im elektronischen Jazz-Bereich anzutreffen ist, einen gewissen Kick. Sie brauche keineswegs einen musikalischen Tapetenwechsel und sei heilfroh, dass sie ihre eigene Combo habe. Ihr sei aber klar geworden, dass sie dieses akustisch-elektronische Kontrastprogramm brauche. „Ich bin froh darüber, dass ich beides haben kann“. Ein Steckenpferd der Saarländerin ist die Filmmusik. „Es ist schwer, mich momentan auf ein Genre festzulegen.“ Sie befindet sich zurzeit in einer musikalische Versuchsphase, in der sie musikalisch experimentiert. Ob sie irgendwann den Soundtrack zu einem Film beisteuern wird, steht noch in den Sternen. Reizen würde sie ein solches Projekt allemal.
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