LUXEMBURG
LJ/DPA

Nachdem sie am Dienstag mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments geehrt wurden, wurden die jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar am Donnerstag in Luxemburg empfangen.

Im Anschluss an eine Konferenz in der „Fondation Pescatore“ fand ebenfalls ein Treffen mit Großherzogin Maria Teresa statt. Zuvor waren die beiden jungen Frauen im Europahaus, um ihr Anliegen zu erklären. Nadia Murad bedankte sich erneut für den seit 1988 verliehenen Preis für geistige Freiheit, der es erlaube, die Opfer in den Vordergrund zu stellen. Gleichzeitig gab sie im Hinblick auf die anhaltende Präsenz des IS zu bedenken: „Der Genozid geht weiter.“

Die beiden Jesidinnen waren im Irak in Gefangenschaft des IS, wurden vergewaltigt. Im August wurde ihr Heimatort, das Dorf Kotscho im irakischen Bezirk Sindschar überfallen. Der IS massakrierte die männlichen Bewohner. Sämtliche jungen Frauen, darunter auch Aji Bashar, Murad und deren Schwestern, wurden verschleppt, wiederholt verkauft und als Sexsklavinnen ausgebeutet und missbraucht. Vor zwei Jahren gelang der 23-jährigen Nadia Murad und der 18-jährigen Lamiya Aji Bashar die Flucht. Seitdem leben sie in Deutschland und setzen sich für die Rechte der Gemeinschaft der Jesiden im Irak ein.

Der CSV-Europa-Abgeordnete Fränk Engel erinnerte daran, dass die Jesiden seit Jahrhunderten allen möglichen falschen Anschuldigungen ausgesetzt waren. Er berichtete vom Besuch eines jesidischen Flüchtlingscamps in der Türkei. Auf den türkischen Ausweisen - auf denen normalerweise auch die Religion vermerkt sei - seien für Jesiden keine Angabe zur Religion zu finden - ihre Religion sei also nicht anerkannt.