LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Schüler heizen beim „Hip Hop Marathon“ mit eigenen Raps und Tanzeinlagen ein

Mobbing, Drogensucht und Verlust geliebter Menschen: In dem Rapsong „Gagner ou perdre“ fassen die drei Jungs ihr Publikum nicht gerade mit Samthandschuhen an, sondern geben ihm eine ordentliche Dosis Realität. „Ich war bereit, über den Tod meines Vaters zu sprechen und zu singen“, sagt der 17-jährige Patrik. Die anderen Textpassagen erzählen von einem aggressiven Typen aus der Klasse und einem Mitschüler, der wegen Drogen abgerutscht ist.

Mit seinen beiden Klassenkameraden tritt er als „Team Timide“ auf der Bühne der Rotondes auf und hat sein Publikum auch mit seinen Tanzeinlagen schnell für sich gewonnen. Das „Team Timide“ ist eine von mehreren Gruppen beim „Hop Hop Marathon“. Bei dem Projekt werden applausträchtig verschiedene Disziplinen auf die Bühne gebracht.

Tipps von Profis

Die Schüler haben sich während des Schuljahres auch im Unterricht mit verschiedenen Disziplinen des Hip Hop auseinandergesetzt und konnten sich schließlich auf Rap, Tanz, Beatbox oder Graffiti festlegen. Ihre gesungenen, getanzten oder gesprayten Werke stehen unter dem Thema „Dream and Reality“. Insgesamt sind elf Gruppen aus sieben Lyzeen beteiligt: „Lycée Technique de Bonnevoie“, „Lycée Technique du Centre - annexe Kirchberg“, „Lënster Lycée“, „Lycée Technique d’Esch-sur-Alzette“, „Lycée Nic-Biever Dudelange“, „Maacher Lycée“ und das „Lycée Classique de Diekirch - annexe Mersch“.

Die Schüler legen sich in drei Graffiti-Crews, drei Tanzgruppen, vier Rapgruppen und einer Beatbox-Crew für ein einstündiges Programm für ihr Publikum ins Zeug. Auf der Bühne stehen sie aber mit echten Szenenamen als „75“, „Graffimof“, „Spoiler Gang“, „The Royals“, „Let Them Bomb Crew“, „Team Timide“, „River of Dreams“, „Madly Kids“, „Dreamcatchers“ und „Monkey Band“. Bei der Herausarbeitung ihrer Darbietungen wurden sie von mehreren Künstlern unterstützt. Für Rap standen ihnen David Galassi und Helder Ferreira zur Seite, beim Tanzen halfen Simi Simoes und Claudia Urhausen auf die Sprünge, Tipps zum besseren Beatboxen gab es von Gabriel Rodrigues und den Weg zum richtig coolem Graffiti zeigten Matthias Sanctobin und Daniel Mac Lloyd auf. Die Animation der Vorstellungen übernahm Tom Mahnen, die Koordination Amandine Moutier. Das Ergebnis wird in einer öffentlichen und in drei Schulvorstellungen auf den Bühnen der Rotondes, der Kulturfabrik in Esch und dem Merscher Kulturhaus gezeigt.

Viele der Schüler haben vorher schon einige Erfahrungen auf der Bühne gesammelt. Suelly hat in der Schule schon getanzt und Theater gespielt. Mit ihren Klassenkameraden singen sie und die anderen Mitglieder der „Monkey Band“ vom „Lënster Lycée“ über persönliche Wünsche wie innige Freundschaft, Reichtum und Frieden, andere wünschen sich ein Treffen mit Cristiano Ronaldo oder Unsterblichkeit für ihre Familie. „Wir sind als Klasse mehr zusammengerückt. Weil jeder Angst hat, etwas falsch zu machen, unterstützen wir uns gegenseitig“, sagt Kiara, 14, ebenfalls Mitglied in der „Monkey Band“. Und tatsächlich treten ihre Klassenkameraden auf, johlen und klatschen die Jungs und Mädchen der sieben Schulen, was das Zeug hält, um sie anzufeuern.

Ein Beispiel, dass die Teilnahme am „Hip Hop Marathon“ eine Tür in die Welt der Musik sein kann, beweist der 21-jährige Marouan, der als „Fetti“ mit seinem Song „Kirchberg“ als „Special Guest“ einheizt. Derzeit studiert er in Marseille Sprachen, tritt als Rapper auf und gibt selbst Musikworkshops für Jugendliche. In Luxemburg hat er schon mit den Rappern von De Läb und Theaterpädagogin Milla Trausch Projekte gemacht und 2011 am „Rap Marathon“, wie der „Hip Hop Marathon“ damals noch hieß, teilgenommen. „Rappen gibt einem Selbstvertrauen und man kann sich weiterentwickeln“, sagt „Fetti“. Wegen der guten Erfahrungen sei er auch froh, als Gast beim „Hip Hop Marathon“ dabei zu sein. Der Marathon findet übrigens schon zum achten Mal statt.

Nächste Bühnen stehen bereit

Bei der Generalprobe am Donnerstag haben die Schüler ihre Raps, Tanz- und Beatboxeinlagen größtenteils selbstbewusst vorgestellt, manch einer traute sich noch nicht zu ganz in die Vollen zu gehen, aber das Zeug, um das Publikum zu überzeugen und zu bewegen, haben sie. Und auch die Graffiti sind zum Stichtag fertig geworden und entpuppen sich als gelungene bunte Kunstwerke. Die Schüler aus den Graffitigruppen stellen ihre Ergebnisse in schnell geschnittenen und mit Raps unterlegten Videos vor, die während der Show eingespielt werden. So ist ihr Beitrag digital präsent. Die Einbindung ihrer Werke, damit sie auch physisch präsenter werden, etwa als Bühnenbild, wäre sicher eine Überlegung wert.

Der 17-jährige Patrick vom „Team Timide“ ist mit dem Ergebnis aus den Workshops und den Songs zufrieden. Insgesamt haben er und seine Mitstreiter vom „Hip Hop Marathon“ acht Monate an ihren Darbietungen gearbeitet. „Wir sind alle zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Patrick, der seit fünf Jahren Hip Hop macht und seit zwei Jahren rappt. „Das ist die Botschaft, man muss darüber sprechen, dadurch wird es besser, sonst kreist es einem immer im Kopf herum“, sagt „Patog“, wie er sich auf der Bühne nennt. Auch, wenn es zwischendurch nicht immer einfach war, seine beiden Mitstreiter von den Texten zu überzeugen, wollen sie ihren Song „Gagner ou perdre“ nun bald auf Youtube stellen. Aber auch sonst kann es für Jugendlichen vom „Hip Hop Marathon“ weitergehen: Wenn sie wollen, können sie am 22. September beim „On Stéitsch“ Festival der Rotondes dabei sein.


Weitere Vorstellungen am Mittwoch, 20. Juni, 10.00,

im Merscher Kulturhaus und am Mittwoch, 27. Juni,

10.00, in der Kulturfabrik. Weitere Informationen

unter www.rotondes.lu und www.onsteitsch.lu