RODANGE
CORDELIA CHATON

Saica-Präsident Ramón Alejandro und Wirtschaftsminister Etienne Schneider eröffnen Werk

Die spanische Saica-Gruppe weihte gestern in Anwesenheit von Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider offiziell ihr Werk in Rodange ein. Auf den Moment hatte das spanische Familienunternehmen lange gewartet; der Betrieb läuft seit fast einem Jahr. In Luxemburg werden von rund 80 Mitarbeitern so genannte Flex-Verpackungen aus bedrucktem Plastikfilm hergestellt, die beispielsweise für Keks- oder Nussverpackungen oder als Etiketten genutzt werden. Das Werk soll rund 20 Millionen Euro jährlich umsetzen.

Saica hatte den Betrieb in Rodange 2015 gemeinsam mit einem Werk in Italien aufgekauft. Zuvor hieß es Centroplast Europe S.A., davor Convert-Lux S.A. und MIPA S.A.. Die Spanier erwarben noch drei weitere Unternehmen in Europa und starteten das neue Geschäftsfeld der Flex-Verpackungen, um ihren Kunden ein breiteres Angebot machen zu können. Dafür investierten sie nicht nur massiv, um die IT-Systeme auf einen Stand zu bringen, sondern auch rund 35 Millionen Euro, um neue Maschinen anzuschaffen, insbesondere für den Rotationsdruck.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Familienunternehmen, das 2018 sein 75. Jubiläum feierte, beschlossen, das neue Geschäftsfeld SaicaFlex zu gründen. Denn das Unternehmen aus Saragossa ist mit Papier- und Wellpappeverpackungen groß geworden. Saica ist in Spanien branchenführend und gehört in Frankreich und Großbritannien zu den Platzhirschen. Die Gruppe ist in neun EU-Ländern aktiv, wächst seit 2016 um rund 14 Prozent jährlich und beschäftigt über 10.000 Mitarbeiter, davon 1.200 in der so genannten Flex-Sparte. Die Eröffnung war so wichtig, dass Saica-Präsident Ramón Alejandro selbst anreiste.

In Luxemburg hat das Unternehmen rund sechs Millionen Euro in eine Anlage zum Auffangen der Lösungsmittel gesteckt. Dadurch werden jährlich rund 900 Tonnen Lösungsmittel gespart, die nicht verbrannt werden. Das dadurch eingesparte CO2 entspricht der Bindungsleistung von etwa 45.000 Bäumen pro Jahr, wie Javier Fernandez, General Manager des Geschäftsbereichs SaicaFlex, betonte. Die gleiche Anlage steht auch in Italien, denn Alejandro ist eine saubere Industrie wichtig. „Dreckige Industrie hat keine Zukunft“, sagte der fünffache Vater, der das Unternehmen in der dritten Generation leitet.

Der Saica-Chef war sich mit Wirtschaftsminister Schneider darin einig, dass Umweltschutz und circular economy entscheidende Themen sind. „Durch den Geschäftsbereich SaicaFlex, zu dem Luxemburg gehört, wollen wir genau wie im Papierbereich den Kreis schließen“, erklärt Alejandro. Das Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit spanischen Universitäten und Forschungsinstitutionen zum einen „Monoflex“ entwickelt, ein Produkt, das zu 100 Prozent aus einer Kunststoffsorte besteht und voll recycelbar ist. Damit wird das Recycling möglich und einfach - allerdings muss es organisiert werden. Außerdem hat Saica „Greenheart“ entwickelt, einen Kunststofffilm, bei dem bis zu 45 Prozent Recyclingkunststoff zugegeben werden, den Saica aus Pellets herstellt. „Wir bieten unseren Kunden das Produkt „Greenheart“ an, damit sie mit dem Argument des Recyclings werben können, das läuft auch“, erklärt der Saica-Chef. Bislang wird „Greenheart“ von einem Hersteller von Spültabs als Verpackung genutzt. Im Lebensmittelbereich ist es aufgrund der Gesetzeslage schwer einsetzbar.

Für Alejandro ist Recycling Alltag, schließlich wuchs die Gruppe aus der Idee heraus, Verpackungspapier herzustellen. Dafür wurde schnell recycelt. Und das Akronym „Saica“ steht für „Sociedad Anónima Industrias Celulosa Aragonesa“, also die aragonische Zelluloseindustrie. Heute sammelt Saica rund 2,7 Millionen Tonnen Wertstoffe - insbesondere Altpapier - ein. Alejandro macht klar, wie viel das ist: „Stellen Sie sich 33 Fußballstadien voller Papier vor. So viel recyceln wir jährlich.“

In Luxemburg will Saica noch mehr investieren, denn Alejandro will eine neue Laminierungs- und sowie eine Schneidemaschine kaufen. In der großen Halle ist noch Platz für den Ausbau. Bei der Produktionsbesichtigung sicherte Schneider ihm Unterstützung zu: „Wir brauchen eine moderne Industrie.“

Alejandro lud Schneider nach Saragossa ein. Im dortigen Werk steht Technologie, die mit Hilfe aus Luxemburg finanziert wurde. Denn Saica hat mit einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 70 Millionen Euro Investitionen in neue Technik finanziert, um zwei Produktionslinien in seinem Werk für Wellpappenrohpapier in El Burgo de Ebro (Provinz Saragossa) zu verbessern. Um den Kredit zu erhalten, war Alejandro zwei Mal in Luxemburg. Die Werkseröffnung markiert seinen dritten Besuch.

www.saica.com