Die Krim ist jetzt wieder russisch, in den Schoß der Heimat zurückgekehrt… Was für ein Theater, es fehlt noch das Absingen patriotischer Lieder durch den Chor der Schwarzmeerflotte. Pardon, das gab es schon in den letzten Tagen vor dem „Referendum“.

In Russland vergleicht man die kalte Übernahme der Krim mit der deutschen Wiedervereinigung, aber nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Der Anschluss der Krim erinnert an einen ganz anderen „Anschluss“, der damals auch frenetisch bejubelt wurde. Der Katzenjammer kam später. Dankenswerter Weise hat schon Hillary Clinton die aktuelle Moskauer Salamitaktik mit der des Gefreiten aus Braunau verglichen. Putins Strategie erinnert an die scheibchenweise Zerschlagung der Tschechoslowakei vor 75 Jahren.

Die derzeitige Politik der Moskauer Regierung ist Expansionismus nach dem Lehrbuch: Destabilisierung, Unterstützung von Separatisten, Propaganda via „Russia today“ und als Finale der Hilferuf der unterdrückten Brüder und Schwestern, der die Panzer rollen lässt.

Putinismus ist Sowjetimperialismus minus Kommunismus und Gulag plus Mercedes und Konto auf Zypern. Die Freunde von der deutschen „Linken“ und der KPL übersehen den Punkt „minus Kommunismus“ geflissentlich und gerieren sich als Putins Fanclub. Die von ihnen verbreitete These von der aggressiven Nato, die mit ihrer Ausdehnung gegen Absprachen verstoßen hat, ist Bullshit. Balten und Polen wollten in die Nato, weil sie dem vormaligen großen Bruder trauen. Wer in Polen mit dem Mann oder der Frau auf der Straße spricht, merkt schnell, dass sie mehr Angst davor haben, von den Russen befreit, als von den Deutschen überfallen zu werden.

Die baltischen Staaten sind alarmiert, weil sie relativ große russische Minderheiten haben - die Mitgliedschaft in EU und Nato ist ihre Versicherung gegen Putins Anspruch Schutzherr aller Russen zu sein. Zweimal hat der Nordatlantikpakt die Bremse gezogen. Als die Ukraine und Georgien in die Nato wollten, gab es ein freundliches „No“. Die Folge? Erst Abchasien und jetzt die Krim. Wenn Tiflis morgen noch mal an den Brüsseler Türen kratzt, wird man sich dreimal überlegen den Bittsteller wieder nachhause zu schicken.

Russland hatte schon zur Zarenzeit den Vorteil seine Kolonien vor der eigenen Haustür zu haben. Man konnte sich nach und nach Mittelasien einverleiben. Mit Stalin setzte dann die Russifizierung ein, d.h. die Umsiedlung von ethnischen Russen in die eroberten Gebiete. Andere, wie die Krimtataren, mussten weichen. Heute gibt es von Litauen bis Kirgisistan russischsprachige Minderheiten - aber wollen sie alle heim ins Reich?

Mit Vernunft ließe sich auch in der Ukraine eine Lösung finden. Mit T-72 vor der Haustür denkt sich aber so schlecht.

Russland hätte jetzt die Chance gehabt angesichts der Paranoia in Washington und der Glaubwürdigkeitskrise der USA von Europa als echter Partner angesehen zu werden, denn Russland ist ein Teil Europas! Stattdessen der Rückfall in alte Muster und Denkreflexe in die Denkmuster des 19.Jahrhunderts. Heute die Krim und morgen Donezk? Schade.