DÜDELINGEN
CLAUDE KARGER

Was die Abteilung Gesundheitsschutz des „Laboratoire national de Santé“ alles unter die Lupe nimmt

„Die Technologie hilft uns heute sehr, aber vieles ist auch noch Handarbeit“, sagt Gilbert Moris, der Leiter der Lebensmittelüberwachungslabors im Gesundheitslaboratorium. In seinem Labor herrscht auch in der Mittagsstunde reges Treiben, werden Reagenzgläser gefüllt und Filter ausgetauscht. Auf dem Tisch stehen Kisten mit auszuwertendem Material. Proben von Getreide, Tee aber auch von Materialien, die in Kontakt mit Lebensmittel kommen, wie Plastikfolien und Geschirr, werden hier unter die Lupe genommen. Sie können zum Beispiel Phthalate enthalten, also Plastikweichmacher, die den Hormonhaushalt stören.

Was alles in Lebens- und Futtermitteln steckt, ist lediglich mit hochspezialisierten Instrumenten wie denen des LNS zu ermitteln. „Ein Lebensmittel besteht aus hunderttausenden von verschiedenen Molekülen“, erklärt Dr. sc. Moris, „man muss schon wissen, wonach man sucht“. Die Abteilung sucht mittels chemischer Reaktionen und Massenspektrometer - ein Instrument, das einzelne Moleküle nachweisen kann - gezielt krankmachende Bakterien und Gifte und prüft, ob sie die maximal vorgeschriebene Konzentration nicht überschreiten. Salmonellen- oder Schimmelpilzbefall sind ziemlich leicht zu erkennen. Trickreicher wird es, etwa genmodifizierten Organismen auf die Schliche zu kommen. Nicht immer ist die Präsenz von GVO der Etikettierung zu entnehmen, weiß Moris, der mit seiner Mannschaft insgesamt 300 bis 400 Lebensmittelproben monatlich analysiert.

„Lebensmittel waren noch nie so sicher wie heute“

80 Prozent der Proben davon werden von der Lebensmittelsicherheitsabteilung des Gesundheitsministeriums zugeschickt und rund 10 Prozent vom technischen Dienst der Landwirtschaft (ASTA). Moris‘ Abteilung führt aber auch Analysen für die Veterinärverwaltung durch. Streng sind die Normen für die Lebensmittel. „Lebensmittel waren noch nie so sicher wie heute“, unterstreicht Moris. Aber auch für das Labor selbst gibt es strenge Auflagen. Regelmäßig kontrolliert die nationale Akkreditierungsstelle OLAS das Qualitätssystem des Labors, von den Anlagen bis zu den Rohdaten der Analysen. Weichen zum Beispiel Resultate von EU-Qualitätsproben von den Referenzwerten ab, wird nachgebohrt, warum das so ist und ob das betroffene Labor seine Genehmigung überhaupt noch verdient.

Auch Dr. sc. Georges Dahm hat mit Lebensmitteln zu tun. Allerdings sucht der Chemiker in der Abteilung biologische Überwachung und Umwelthygiene darin etwa nach Konzentrationen von Schwermetallen und Giften wie etwa Arsen. Diese können auch in vielen anderen Produkten stecken. Zum Beispiel in Spielzeug. Vor den Weihnachtsfeiertagen schickt das „Institut luxembourgeois de la normalisation, de l’accréditation, de la sécurité et qualité des produits et services“, kurz ILNAS, das hierzulande die Normenkonformität von Spielzeug prüft, kistenweise Proben an das LNS. Im Kasten, der gerade angekommen ist, befinden sich Töpfe mit „Slime“ und Plastilinstreifen. Dahm wird den Stoffen später entlocken, ob sie bei Gebrauch Schadstoffe freisetzen.

Auch die Schwermetallbelastung von Blut- und Urinproben wird in diesem Labor ermittelt, genauso wie die Schadstoffbelastung von Baumaterialien, Gebrauchsgegenständen, aber auch Luftproben.

Was in der Luft liegt

„Momentan gibt es hier eine große Nachfrage. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Bevölkerung immer mehr durch die Medien dafür sensibilisiert wird. Die Anfragen kommen vor allem von privaten Personen, Schulen, Kinderbetreuungsstrukturen und öffentlichen Einrichtungen“, erklärt Sven Simon, „ATM de Laboratoire“ für Umweltschadstoffe. Gemeinsam mit der „Division de la Santé au Travail et de l’Environnement“ sind LNS-Mitarbeiter quer durchs Land unterwegs, um Staub- und Luftproben zu sammeln. Das passiert mittels eines Staubsaugers mit austauschbaren Staubauffanggefäßen. Für Luftproben lässt man eine Pumpe eine genaue Luftmenge ansaugen. Ein chemischer Filter bindet die darin enthaltenen Substanzen wie Formol oder Benzol.

Im Labor werden die Schadstoffe herausgelöst und analysiert. Auch Privatunternehmen oder -haushalte können eine Umweltanalyse im LNS durchführen lassen. Während einige Betriebe ihre Produkte vor der Markteinführung testen lassen, wird das LNS mit Untersuchungen in Privathaushalten betraut, in denen Personen gesundheitliche Probleme haben, deren Ursache ihr Arzt in ihrem Umfeld vermutet. Nicht nur Staub- und Luftproben, sondern auch Tapeten, Matratzen und viele andere Materialien hat Simon in solchen Fällen schon untersucht. Ob er dann auch Empfehlungen erteilt, was die Leute ändern sollten? Simon verneint: die Rolle seiner Abteilung sei es, wissenschaftlich die Zusammensetzung von Proben zu ermitteln. Die Interpretation der Resultate: sie liegt in den Händen anderer Spezialisten des Gesundheitsministeriums.