SCHIFFLINGEN
NORA SCHLEICH

Digitalisierung im Haar- und Schönheitsbereich

Bevor Gilberto Cardoso Fernandes (33) aus Schifflingen sich um die Digitalisierung von Beauty-Salons kümmerte, absolvierte er ein Studium in Bildungswissenschaften und war als „Research Associate“ an der Universität Luxemburgs tätig. Nachdem er aber bereits durch eine andere Startup Gefallen am Unternehmertum gefunden hatte, regte sich die Motivation, selbst ein Startup auf die Beine zu stellen. Salonkee profitiert seit der Gründung 2016 von einem ausgeprägten Netzwerk an Kontakten und fügt sich bestens in das Startup Ökosystem hierzulande ein.

Was ist Salonkee?

GILBERTO FERNANDES Mit Salonkee stellen wir Friseuren und Schönheitssalons verschiedene digitale Dienstleistungen wie zum Beispiel einen intelligenten digitalen Terminkalender, automatische Erinnerungs-SMS und vieles mehr zur Verfügung. Der Terminkalender aus Papier ist bereits lange überholt und auch die Terminvergabe per Telefon ist dabei drastisch abzunehmen. Vollgeschriebene Seiten mit unlesbaren Kundennamen, vergessene Termine, lästige Anrufe und Anrufbeantworter sind nur einige der Nachteile, die diese altmodische Arbeitsweise mit sich bringt. Tatsächlich verlieren Salons die noch mit Stift und Papier arbeiten nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Kunden und bares Geld. Unser intelligenter Terminkalender schafft dabei Abhilfe. Zudem ist dieser mit unserer Onlineplattform verknüpft, über welche die Kunden rund um die Uhr ihre Termine online buchen können. Dem Kunden werden dabei ausschließlich die Termine angezeigt, die noch frei sind. Ob jetzt abends nach der Arbeit oder gar in der Nacht, die Öffnungszeiten vom Salon spielen beim Buchen der Onlinetermine keine Rolle. Kunden und Schönheitsinstitute sparen durch die geringere Anzahl an Anrufen somit einiges an Zeit und können sich außerdem online besser vermarkten. In Luxemburg haben wir es in kürzester Zeit zum Marktführer geschafft und arbeiten heute schon mit fast 70 verschiedenen Friseuren und Schönheitssalons zusammen.

Wie kamen Sie auf die Idee?

FERNANDES Die Idee ist schon zu Unizeiten entstanden. Zwei unserer Mitgründer stellten sich zu der Zeit die Frage, warum man um zwei Uhr nachts noch Pizza bestellen, aber keinen Termin zum Haareschneiden buchen kann. Die Geschäftsidee war also schnell offensichtlich, besonders da es noch keine vergleichbaren Angebote gab.

Wer arbeitet in Ihrem Unternehmen?

FERNANDES Unser Team besteht aktuell aus den fünf Gründern. Wir planen jedoch, unser Team bis Ende des Jahres stark zu vergrößern und suchen momentan schon Verstärkung für Vertrieb und Entwicklung. Dass die gesamte Entwicklung intern erledigt wird, hilft uns natürlich dabei neue Funktionalitäten schnell und einfach zu integrieren. Allgemein sind wir als Team recht multidisziplinär aufgestellt und können den Großteil aller Aufgabenbereich selbst abdecken. Durch unsere verschiedenen Kenntnisse entsteht außerdem eine sehr angenehme und fruchtbare Diskussionsdynamik, die uns dabei hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen. Also ich stehe gerne morgens auf, um zur Arbeit zu fahren!

Wie hat sich die Idee zum Projekt entwickelt?

FERNANDES Da keiner von uns direkte Kenntnisse aus dem Haar- und Beautybereich besaß, war uns von Anfang an bewusst, dass wir uns auf unbekanntes Terrain begeben. Unser erstes Ziel war somit ganz einfach: Wir mussten in kürzester Zeit so schnell und so viel wie möglich über die internen Abläufe und Bedürfnisse von Friseuren und Schönheitssalons lernen. Die Entwicklung unserer Idee hat mit Brainstorming auf Stift und Papier begonnen. Wir haben Unmengen an Salons besucht, den Verantwortlichen von unserem Vorhaben erzählt und sie gefragt: Wie sollte eine solche Anwendung funktionieren? Auf was kommt es an? Warum benutzen Sie heute noch keine solche Lösung? Bei einigen Salons haben wir am Anfang gleich eine Abfuhr erhalten. Trotzdem war ein Großteil bereit ihre Meinung mit uns zu teilen. Interessanterweise wurden einige der kritischsten Stimmen anschließend dann doch unsere ersten Kunden. Heute würde ich jedoch nicht mehr von einem Projekt reden, ich sehe uns viel mehr in der raschen Wachstumsphase einem jungen und erfolgreichen Startup.

Die Umsetzung verlief also reibungslos?

FERNANDES Nein, jeder Anfang ist schwer. Negatives Feedback von Saloninhabern war gerade anfänglich auch mal leicht demotivierend. Das gehört aber dazu. Wir haben uns nicht von unserem Weg abbringen lassen und konstant weiteres Feedback eingeholt. Heute sehen wir diese Anfangszeit als das Fundament für unsere hohe Kundenzufriedenheit und unser gutes „Product-Market-Fit“. Mittlerweile sind wir dabei unser System in mehrere Richtungen weiterzuentwickeln und können unseren Kunden in naher Zukunft unter anderem auch ein integriertes Kassensystem mit Warenbestand und somit eine „all-in-one“ Lösung anbieten. Dass die Kunden das wollen, hat sich aus dem eingegangenen Feedback klar herausgestellt.

Was bietet Salonkee momentan an?

FERNANDES Neben den bereits erwähnten Onlinebuchungen und dem digitalen Terminkalender bieten wir den Saloninhabern auch andere praktische Lösungen wie beispielsweise automatische Erinnerungs-SMS an. Der Kunde wird dabei 24 Stunden vor seinem Termin mit einer SMS an diesen erinnert. An sich ist eine SMS ja schon eine veraltete Technologie, aber dennoch ist sie viel persönlicher und effektiver als eine E-Mail. Sie überträgt eine Art Vertrauen und stellt eine direkte Verbindung zur anderen Kontaktperson her.

Wie ist das Feedback bislang?

FERNANDES Im Moment fügen wir jede Woche neue Friseure und Schönheitssalons hinzu. Dass wir eine luxemburgisches Startup sind, kommt bei den Salons in Luxemburg natürlich gut an. Es ist ein großer Pluspunkt lokal präsent zu sein und den Saloninhabern einen reaktiven und persönlichen Kontakt bieten zu können. Das Feedback unserer Partnersalons ist extrem positiv. Weniger lästige Anrufe oder Emails für Terminvereinbarungen, konstanter Strom an Neukunden, weniger vergessene Termine und zufriedene Kunden sind nur einige der Rückmeldungen die wir regelmäßig erhalten.

Auf salonkee.lu kann man außerdem die Anzahl an Onlinebuchungen live mitverfolgen. Heute sind wir bereits bei über 36.000 Onlinebuchungen und jeden Monat kommen tausende neue Buchungen hinzu. Die hohe Anzahl an aktiven Nutzern und Buchungen zeigt uns, dass die Bedürfnisse der Kunden heute nicht mehr die gleichen sind als noch vor ein paar Jahren und dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben. Wir sind mit unserer Lösung auf dem richtigen Weg sind und ermutigt, unsere Dienstleistungen jetzt auch im Ausland anzubieten. Momentan haben wir schon die ersten zufriedenen Kunden im Ausland, mehr werde ich dazu aber noch nicht verraten.

Mit welchen Mitteln haben Sie das Projekt zu Beginn finanziert?

FERNANDES Bis heute haben wir unsere gesamte Aktivität selbst finanziert. Es war natürlich von Vorteil, dass wir die Kernkompetenzen zur Gründung eines Startups und der Entwicklung unserer digitalen Dienstleistungen gleich selbst mitgebracht haben. Wir haben es aber auch kürzlich bei dem „Fit for Start“ von Luxinnovation unter die besten zehn von über 160 Start-Ups geschafft. Neben Coaching bietet diese Programm auch finanzielle Unterstützung an und hilft und dabei unser Wachstum weiter zu beschleunigen.

Wie sieht die Lage heute aus?

FERNANDES Tatsächlich generieren wir als junges Startup heute schon so einiges an Einkünften. Den Großteil investieren wir jedoch gleich wieder in unser Wachstum und in die neue Kundenakquise.

Und was sagen Sie zum Thema Fundraising?

FERNANDES Joker!