LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Auch 2017 sind die Ernteaussichten schlecht - zuerst zu trocken, dann zu nass

Landwirt war wahrscheinlich noch nie ein Traumberuf, aber in den letzten Jahren kam es entweder meteorologisch oder marktpolitisch - Stichwort: Milchpreis - für die Bauern ziemlich „dicke“. Romantik ist in der aktuellen Jobbeschreibung „Bauer“ nicht vorgesehen. In diesem Jahr ist es das Wetter, das genauso wie im Vorjahr wieder für unterdurchschnittliche Erträge sorgt. Seit 2011 ist 2017 das dritte schlechte Jahr für die heimischen Getreidebauern.

Zuerst war es zu trocken, dann kam mal wieder zu viel Regen auf einmal. Allerdings ist hier des einen Leid des anderen Freud‘. Nach dem trockenen Frühjahr sah es bei Grünland - also Heu - und Mais verheerend aus. Beide sind als selbsterzeugte Futtermittel wichtig für die Tierhaltung, Hier hat der Regen im Juli vor allem auf den Weiden das Schlimmste verhindert. Vielleicht rettet er auch den Mais.

Dort zu nass, hier zu trocken

Ein kurzer Rundruf gestern Nachmittag bei landwirtschaftlichen Institution bestätigte das erwartete Bild. Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer stellt sich die jeweilige Situation in den einzelnen Regionen des Landes ganz unterschiedlich dar. Dort zu nass, hier zu trocken. Die instabile Wetterlage setzt die Bauern beim Heumachen und bei der Getreideernte unter erheblichen Zeitdruck. Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, Jos Gantenbein, sprach von einer logistischen Herausforderung für die Bauern. Schon jetzt sei klar, dass die Quantität der Erntemenge wieder unter dem Durchschnitt liegen wird, wobei die Qualität ziemlich gut ist, diese die Mengenverluste aber nicht wettmachen kann. Die mangelnde Konstanz des Wetters hat dazu geführt, dass 2017 ein schwaches landwirtschaftliches Jahr wird. Immerhin sei die Getreideernte im Gutland schon abgeschlossen. Im Ösling sei man noch bei der Ernte, um etwas über die Ergebnisse sagen zu können, müsse man abwarten.

2017 wie 2016

Josiane Willems, Direktorin der Bauernzentrale, nennt ziemlich konkrete Zahlen. Die Erntemengen liegen beim Getreide bis jetzt etwa 30 Prozent unter dem Durchschnitt, beim Grünland - Heu - sogar bei minus 50 Prozent. In den letzten Tagen sei viel geerntet worden, aber da das Ösling noch fehlt, könne man keine abschließenden Zahlen nennen. Nach 2016, das auch ein schlechtes Jahr war, sieht es auch 2017 nicht gut aus.

Der Regen sei aber für Grünland und Mais äußerst wichtig gewesen, anderes hätte die totale Katastrophe bei der Futtermittelerzeugung bedeutet.

Positiv sei zu vermerken, dass es bei den Getreidesorten in diesem Jahr keinen Krankheitsdruck gibt.

Endgültige Zahlen wird Landwirtschaftsminister Fernand Etgen erst auf der alljährlichen „Karschnatz“-Pressekonferenz nennen können.