HAMBURG
LIZ MIKOS

Erste Hilfe für Haustiere: Auch unsere vierbeinigen Freunde geraten mal in Notsituationen

Die Horror-Vorstellung eines jeden Tierbesitzers: Es ist Sonntagabend, der Tierarzt ist nicht erreichbar und mit dem geliebten Fellknäuel stimmt irgendetwas nicht. Was tun? Worauf muss ich achten? Kann ich meinem Tier überhaupt helfen? Diese Fragen wurden mir vor kurzem im Rahmen eines Erste-Hilfe-Kurses für Katzen im Café Katzentempel in Hamburg beantwortet. 22 Teilnehmer - darunter nicht nur die „crazy cat ladies“ sondern auch fünf Männer - haben sich hier zusammengefunden, um am Seminar der Tierärztin Sonja Schirmer teilzunehmen. Umgeben von süßen Kätzchen passte der Rahmen natürlich hervorragend und sorgte für gelegentliches Kichern und liebevolle „Oooohhhhs“. Doch der Kurs war nicht nur niedlich sondern auch super interessant und hilfreich für die anwesenden Katzeneltern.

Notsituationen erkennen - aber wie?

Zu Beginn der Veranstaltung haben wir alle ein Handout bekommen, damit wir uns voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren können, ohne wie Vorzeige-Schüler mitschreiben zu müssen. Ich werde natürlich nicht alles verraten, was mir an Wissen und Tipps vermittelt wurde, da es auch der Tierärztin gegenüber nicht fair wäre, ihr Wissen als meines zu vermitteln, doch so manches kann ich bestimmt durchsickern lassen. Was auf jeden Fall sehr interessant ist, ist abzuklären, wie man die Lebensparameter einer Katze bestimmt. Lebensparameter - für Erste-Hilfe-Anfänger, wie ich es bin - sind Herzschlag, Puls und Atmung. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass man den Puls einer Katze im inneren Oberschenkel misst? Ich wusste es nicht und freue mich schon darauf meine Kater demnächst mit Pulsmessen und Herzschlag fühlen zu nerven, wenn sie mich mal wieder grundlos morgens um fünf wecken.

Doch woran erkennt man eine Notsituation? Tipp Nummer eins, den wir bekommen haben: Kennt den normalen, gesunden Zustand eurer Katze. Klingt banal, ist es aber für Katzen, die Auslauf haben, teilweise ganz und gar nicht. Denn man weiß nie, was in der Zeit passiert, in der man den vierbeinigen Freund nicht im Auge hat. Den Charakter, das alltägliche Auftreten und die generelle körperliche Verfassung seines Tieres zu kennen, hilft also schnell festzustellen, wann dem Tierchen etwas fehlt. Doch auch bei einem kranken oder angefahrenem Tier, das man auf der Straße findet, sollte man auf jeden Fall gleich die Lebensparameter checken: Schlägt das Herz? Atmet das Tier? Und auch die Farbe der Schleimhäute, die hellrosa sein sollten, deutet auf den Zustand des Fellknäuels hin, erklärt die Seminarleiterin.

Wie beim Menschen gilt auch hier: Auf keinen Fall reanimieren, wenn das Herz noch schlägt! Vor allem das Thema Wiederbelebung war super spannend, da man natürlich bei der Katze um einiges zärtlicher rangehen muss als beim Menschen - klingt logisch, ich weiß. Statt beide Hände und volle Kraft in die Herzmassage zu legen, sollte man jeweils zwei Finger pro Hand benutzen, um das Herz zu massieren, oder mit einer Hand den Brustkorb leicht zusammendrücken, erklärt die Tierärztin und zeigt dies auch am Dummy in Hundeform. Am Ende des Seminars darf auch jeder selber nochmal Hand anlegen.

Die richtige Ausrüstung für den Stubenkater

Während des Seminars wurde natürlich nicht nur die Reanimation besprochen, sondern auch wie man das eine oder andere Wehwehchen beseitigt, oder wie man eine passende Zwischenlösung findet, wenn man dem flauschigen Freund helfen will, wenn man nicht gleich zum Tierarzt kann. Dazu gehört nicht nur die Notfallapotheke an sich, sondern auch einiges an Praxis. Im Kurs wird beispielsweise gezeigt, wie man einer Katze einen Verband anlegt, was ganz schnell zu einer sehr heiklen Geschichte werden kann, denn nicht ohne Grund, nennt man die Tierchen auch noch Samtpfoten: Sie haben sehr feine und empfindliche Pfoten. Was uns ganz zu Beginn beigebracht wird, ist, dass man die Zehen der Katze sorgfältig mit Watte auseinander trennen soll, damit diese durch den Verband nicht aneinander scheuern und somit noch ein weiteres Problem verursachen, nämlich wunde Pfoten. Vor allem diese Vorführung war besonders herzergreifend, da die Tierärztin das Prozedere an einer unglaublich ruhigen und braven Katze aus dem Café Katzentempel vorgeführt hat - die danach natürlich auch mit Leckerlis belohnt wurde.

Außer vielen „Ooohhhs“, „Aahhhs“ und „ach Gott, wie süß“, haben wir auch sehr genau beobachten können, wie dieses Vorgehen vonstatten geht. Wie bei der Reanimation konnten auch wir zum Schluss nochmal das Verbandanlegen üben - natürlich NICHT an der lebenden Katze. Zusätzlich zum Dummy, hat die Tierärztin uns eine Silikonpfote mitgebracht, an der wir uns am Ende noch ein bisschen austoben konnten und uns auch noch weitere praktische Tipps holen konnten. Was natürlich auch gut zu wissen ist, ist dass das Wissen, das man in so einem Kurs vermittelt bekommt auch am Hund - vor allem am kleineren Hund - angewandt werden kann.

Bald auch in Luxemburg?

Wer sich nun denkt: „Wie spannend! Ich will die ganzen Tipps und Tricks vom Kurs erfahren!“, da kann ich nur hoffen, dass unter unseren Lesern der eine oder andere vom Fach ist und die Geschäftsidee nach Luxemburg bringt, denn ich kenne genügend Katzen- und Hundebesitzer, die sich freuen würden, ihrem Tierchen, oder auch fremden oder angefahrenen Tieren helfen zu können.