LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das Handwerk ächzt unter Kontrollvorschriften, die für die Industrie gemacht sind

Mittags ein Sandwich beim Bäcker um die Ecke kaufen? Oder einen Obstsalat im Gemüseladen? Das machen viele Luxemburger. Was sie nicht wissen: Seit einem halben Jahr gelten EU-Vorschriften, die für die Industrie sinnvoll sein mögen - aber die kleinen Betriebe schwer belasten. Wer als Bäcker eine Scheibe Schinken auf den Sandwich legt, muss nachweisen, von welchem Rind auf welcher Weide die stammt.

Jetzt mahnt die Handwerkskammer zur Vernunft im Vorschriften und Kontroll-Dschungel. Dafür gibt es gleich zwei Gründe. Zum einen ist es jetzt knapp ein halbes Jahr her, dass die Unternehmen ihre Produkte gemäß den neuen EU-Auflagen kennzeichnen müssen. Das betrifft in Luxemburg rund 275 Unternehmen. Zum anderen haben das Landwirtschafts- sowie das Gesundheitsministerium in Luxemburg ein Audit in Auftrag gegeben. Es soll feststellen, ob sich die vielen Kontrollinstanzen nicht vereinfachen lassen. Bislang kann jeder mal beim Handwerk vorbeikommen: Zoll, Labore, der Veterinär... „Da ließen sich Dopplungen vermeiden“, meint Tom Wirion.

Der Generaldirektor der Handwerkskammer hatte gestern zu einer Pressekonferenz geladen. Wirion hofft, dass die Politiker das Handwerk mit ins Boot holen und fragen. „Eine Task force wäre gut“, meint er mit Verweis auf Belgien. Dort wurde in Folge des Dioxin-Skandals im Jahr 1999 die „Agence fédérale pour la sécurité de la chaîne alimentaire“ (AFSCA) gegründet, die sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen Sicherheit bei den Kontrollen gibt. „Wir haben nichts gegen Regeln für Konsumenten“, betont Wirion. „Aber wir fragen uns, ob die, die darüber abstimmen, sich der Folgen bewusst sind.“

Im Handwerk gärt es. Immer mehr Betriebe schließen. Die, die bleiben, werden größer. Es gibt einen Trend, die Produktion auf der grünen Wiese zu zentralisieren. Das aber widerspricht der Idee des Handwerks. Betroffen von den Änderungen sind vor allem Müller, Bäcker, Traiteure, Metzger und Konditoren. Denn im Lauf der Zeit haben sie ihr Angebot der Nachfrage angepasst.

Heute kaufen mehr Menschen mittags etwas ein, gleichzeitig haben die Haushalte weniger Geld für Essen zur Verfügung. Mehr Kinder essen in Krippen und Schulen, viele Kunden wollen Fertig- oder Halbfertigspeisen. Darüber hinaus gibt es globale Ess-Trends. Also verkauft das Handwerk mehr verpackte Wraps, Brötchen, Salate, Joghurts, Eis, Lasagne und Salate. Und es ächzt unter der Last der zunehmenden Vorschriften.