PASCAL STEINWACHS

Ältere Leser dürften sich angesichts des immer noch andauernden Brexit-Chaos an die Biografie des Doors-Sängers Jim Morrison „No One Here Gets Out Alive“ („Keiner kommt hier lebend raus“) erinnert fühlen, derweil die etwas Jüngeren unter uns wohl eher an Michael Endes „Unendliche Geschichte“ denken. Fakt ist, dass der Klimawandel inzwischen definitiv auch die Politik erreicht hat, wurde der März doch innerhalb der Europäischen Union erst in den April und nun sogar in den Oktober verlegt (der 31. Oktober ist die neue Frist für den Brexit, die bereits dritte nach dem 29. März und dem 12. April), wobei die EU-Staats- und Regierungschefs jedoch anscheinend trotz dem ganzen Hin und Her ihren Humor nicht verloren haben, ansonsten sie die neue Brexit-Deadline wohl kaum auf den 31. Oktober, also Halloween, gelegt hätten. Böse Zungen behaupten dann auch, der 31. Oktober sei mit dem Sankt-Nimmerleins-Tag gleichzusetzen, demnach das Brexit-Chaos also bis in alle Ewigkeit weitergehen würde.

Für das neue Datum, auf das sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Sondergipfel nach einem achtstündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht auf gestern schließlich geeinigt haben, spricht indes, dass die neue EU-Kommission ja erst ab November übernimmt, die Briten also keinen neuen Kommissar mehr stellen würden, und auch die Verhandlungen über den nächsten Sieben-Jahres-Etat der EU erst dann richtig losgehen. Auch spekuliert inzwischen ein Großteil der EU-Spitzen darauf, dass der Brexit nach dieser langen Vertagung möglicherweise doch noch gestoppt werden kann, zum Beispiel über ein zweites Referendum.

Die britische Premierministerin Theresa May ist indessen immer noch so verspult wie eh und je, will sie doch tatsächlich weiter versuchen, den mit der EU ausgehandelten Deal, der in den vergangenen Wochen ja bereits dreimal abgelehnt wurde, noch vor dem 22. Mai durchs Parlament zu bringen, damit die Briten nicht an der Europawahl teilnehmen müssen.

CSV-Präsident Frank Engel, der gestern den EVP-Spitzenkandidaten für die Europawahl, Manfred Weber, in Luxemburg empfing, hätte seinerseits einen harten Brexit einem weiteren Aufschub vorgezogen, müsse doch jedes Spiel irgendwann abgepfiffen werden. Nach der Verlängerung - und wir würden uns hier bereits in der zweiten Verlängerung befinden - komme bekanntlich das Elfmeterschießen, und dieses nehme gemeinhin keine sechs Monate in Anspruch. Als Anwärter auf die Juncker-Nachfolge musste sich Manfred Weber natürlich weitaus vorsichtiger ausdrücken, was in diesem Falle bedeutete, dass er um den heißen Brei herumsprach, indem er lediglich unterstrich, dass die Briten sich endlich entscheiden müssten und eine Vertagung des Brexit die Probleme nicht löse.

Dass der Brexit die EU auch in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird, das machte indes Dänemarks Ministerpräsident Rasmussen deutlich, der am Gipfelende vor die Presse trat, um, anstatt sich zu äußern, als Abschlussstatement einfach Frank Sinatras „We’ll meet again“ zu pfeifen. Damit ist alles gesagt...