Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA zwischen Januar und März um 2,9 Prozent gesunken war, zieht die weltgrößte Volkswirtschaft wieder kräftig an. Wie Bloomberg gestern mitteilte, legte das BIP mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,0 Prozent zu. Besser als gedacht. In Europa sieht es derweil etwas zurückhaltender aus, das konnte man auch gestern an der Lethargie an den Wertpapierhandelsplätzen sehen.
Alle scheinen gespannt darauf zu warten, wie sich die angekündigten Wirtschaftssanktionen, die die USA, die EU, aber auch Länder wie Japan jüngst gegen Russland aussprachen, auswirken. Wie Russlands Präsident Putin gestern schon zurück drohte, könne Energielieferungen, also vor allem Gas, bald teurer werden. Obst und Gemüse aus Polen werden schon „aus Gesundheitsgründen“ von Russland boykottiert.
Umso größer nun die Sorge, das Wachstum könnte durch die verschärften Sanktionen und eine etwaige Antwort des Kremls ausgebremst werden. Seit Jahresbeginn sind die deutschen Exporte - Russlands größter Handelspartner - in das Riesenreich in Erwartung von Sanktionen seit Jahresbeginn bereits um 14 Prozent gesunken, so gestern der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Angesichts der bisherigen Wachstumsschwäche erscheint eine Rezession oder Nullwachstum in Russland wahrscheinlich, was Exporte nach Russland freilich erschweren. „Sanktionen sind nie gut“, wird MAN -Chef Georg Pachta-Reyhofen bei der Deutschen Presse Agentur zitiert. „Aber Konflikte sind auch nie gut.“ In diesem Fall habe es zuerst den Konflikt gegeben. Dann müsse die Politik - wenn nötig auch zum eigenen Nachteil - Konsequenzen ziehen. Weitgehend gelassen haben erst einmal die Finanzmärkte auf die abermalige Zuspitzung der Ukraine-Krise reagiert.
Luxemburg betroffen?
Obwohl die Handelsbeziehungen zwischen Luxemburg und Russland noch eher gering seien, so Handelskammer-Direktor Carlo Thelen, habe man in der Vergangenheit viel Arbeit in den Ausbau dieser Handelsbeziehungen gesteckt. Russland habe viel Potenzial, so Thelen, und die gegenwärtigen Ereignisse verlangsamten nun den Ausbau, sowohl was den Güterverkehr, den Tourismus oder den Ausbau des Bankenplatzes Moskau betreffe. Das alles werde jetzt zurückgeworfen, was nicht gut für Russland sei, von wo Investoren schon seit Anfang des Jahres achtzig Milliarden Euro abgezogen hätten. Man dürfe zwar nicht die Augen vor dem verschließen, was in der Ukraine vorginge, allerdings hätten wirtschaftliche Sanktionen oft keinen großen Einfluss auf die Politik, gibt Thelen zu bedenken.
Spezialtechnik für die Ölindustrie darf nicht mehr nach Russland exportiert werden, ebenfalls Hochtechnologie, die auch zu militärischen Zwecken genutzt werden kann. Die EU beschloss einen erschwerten Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Zwei russische Banken gibt es in Luxemburg; eine Filiale der Gazprom-Bank und die East-West United Bank (EWUB). Letztere antwortete gestern nicht auf unsere Frage, ob nun die Pläne der EWUB, bei Investitionen in die Ukraine zu helfen, vorerst aufs Eis gelegt oder ganz gestoppt wären. Head of Corporate Clients bei der russischen Bank ist der Niederländer Boudewijn Blok, der zuvor bei der ING Bank arbeitete; deren Direktorin Therese Brouwer war samt Ehemann und Kinder beim Abschuss der MH17-Maschine über der Ukraine ums Leben gekommen.
Nach Angaben der Finanzaufsicht CSSF habe man derzeit aber keine Informationen darüber, dass Kapital aus Luxemburg abgezogen würde. Luxemburg gilt als größter „Direktinvestor“ in Russland, weil viel russisches Geld in Luxemburg „gelagert“ wird.
Nach Angaben des Luxemburger Finanzministeriums haben die Sanktionen sicher auch gewisse Auswirkungen auf Luxemburg, eben weil es hier auch einige russische Unternehmen und die genannten zwei Banken gibt, die nun auch keine neuen Aktien oder Anleihen auflegen dürfen. Der Effekt dürfte aber eher gering sein. Zudem seien die Sanktionen erst einmal auf drei Monate beschränkt, und man hoffe, dass sich bis dahin eine Annäherung finde.


