CLAUDE KARGER

Die Lage ist ernst: „Es gibt keinen lebenden Menschen, der so etwas schon einmal erlebt hat“, sagte unser Chefdiplomat dieser Tage der „Augsburger Allgemeinen“, in der er natürlich wieder eine Lanze brach für ein starkes Europa und den „Geist von Schengen“. „Zieht endlich an einem Strang“, zieht er dann im Bonner General-Anzeiger gegen „kindische Streitereien“ über Euro-Bonds zu Felde. Die Dinger seien doch eine gute Sache, denn gut für den Binnenmarkt. Gut dass Europa in Luxemburg noch funktioniert. „Le Grand-Duché est le visage de l‘Europe qui fonctionne. Frontières ouvertes. Frontaliers toujours bienvenus“, schwärmt die schweizeriche „Le Temps“, die einen Reporter entsandte in dieses einstige Festungsland, wo man ihm sagte, wo man mit „silences efficaces“ gegen die Covid-19-Krise kämpft. „Les Luxembourgeois se taisent, travaillent, encaissent et vivent bien comme cela“, hatten drei Damen auf Parkbänken im belgischen Dinant ihn belehrt aus einer TF1-Reportage hatte er erfahren: „On fait juste les choses de notre mieux. Le Luxembourg est un petit pays qui ne craque pas“. Hoffen wir, dass es auch nie dazu kommt. Denn der Stresstest ist noch längst nicht vorbei und könnte selbst den Geist von Schengen zum Phantom werden lassen.