LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Das Jahr 2014 zeigte, dass es um das Luxemburger Grundwasser nicht gut steht

Beschäftigte in den letzten Jahren das Thema Trinkwasser nur als Kostenfaktor, so schlug die Stimmung samt Debatteninhalt im September schlagartig um.

Es ging nicht mehr um die leidige Diskussion um einen einheitlichen Wasserpreis, der die Kommunen des Großherzogtums nachhaltig spaltete, in die mit kompakten Wasserversorgungsnetzen, also die Städte, und diejenigen die viele Kilometer Wasser- und Abwasserleitungen unterhalten müssen, also die Dörfer. Mit einer Deckelung versuchte der damalige Innenminister Halsdorf die Gemüter zu beruhigen. Seit dem Regierungswechsel herrschte Stille in dieser Angelegenheit.

Das Trinkwasser rückte erst wieder in den Fokus, als an der belgischen Sauer ein - vergleichsweise kleiner - Anhänger mit Pflanzengiften zur Rapsbehandlung umstürzte und die Brühe in den Fluss lief. Was zunächst nach dem sprichwörtlichen Sack Reis in China aussah entpuppte sich zwar nicht als Katastrophe, zeigte aber, dass die konventionelle Landwirtschaft Spuren selbst in allertiefsten Gesteinsschichten und damit auch im luxemburgischen Grundwasser hinterlässt. Wie giftig diese Spuren sind, darüber streiten sich die Geister.

Rückblick: Nur ein kleiner Unfall?

Zunächst ging es bei einer Pressekonferenz am 26. September nur um die Belastung des SEBES-Wassers nach dem Unfall. Der Sauerstausee ist Luxemburgs größtes Trinkwasserreservoir, das per SEBES mehr als die Hälfte des Landes mit Trinkwasser versorgt. Eine erste Wasserprobe ergab eine nur geringe Belastung mit dem ausgelaufenen Pestizid - allerdings war die Giftwelle zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im See angekommen. Was bedeutete, dass Luxemburgs nationaler Trinkwasserspeicher eine Grundbelastung mit Pestiziden aufweist! Wohlgemerkt, die 6.000 Liter Metazachlor wären auch ohne Unfall in der Sauer gelandet, nur feiner verteilt.

Zunächst konstituierte sich ein Krisenstab aus drei Ministerien, der sich allein mit der Problematik SEBES-Wasser befasste. Den Gemeinden wurde empfohlen, ihre eigenen Quellen auf eine Leistung von 100 Prozent hochzufahren, außerdem stand die Aktivierung von vier nationalen Ersatzquellen für den Fall eines SEBES-Ausfalls im Raum. Aber immer hieß es: Das SEBES-Wasser ist voll nutzbar.

Umdenken nötig

Allerdings mussten Innen- und Landwirtschaftsminister sowie die Umweltministerin einräumen, dass nun grundsätzliche Fragen im Raum standen. Staatsekretär Gira wies damals darauf hin, dass eigentlich schon seit zwei Jahrzehnten 80 Trinkwasserschutzgebiete hätten ausgewiesen werden müssen.

Dauerbelastung des Grundwassers

In den nächsten Wochen beschäftigte man sich intensiv mit den Pestiziden und dem luxemburgischen Grundwasser und kam zum erschreckenden Ergebnis, dass Pestizide quasi überall auftauchen. Es ist zwar richtig, dass das Trinkwasser durch die nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel nicht toxisch belastet, also für den Menschen ungiftig ist. Wasser kann also unbedenklich getrunken und genutzt werden. Rufe, dass das Trinkwasser in Ordnung ist, überdecken das Problem.

Die Mehrheit der Proben war belastet

Rund 130 Proben wurden durch 49 Kommunen und sieben Syndikate eingereicht. Dabei wurde festgestellt, dass in 75 Prozent der Proben mindestens ein Pestizid nachgewiesen werden konnte und in 33 Prozent der Fälle wurde mindestens ein Pestizid entdeckt, das den Grenzwert von 100 ng/l überschreitet.

In der Folge wurden in neun Gemeinden einzelne Quellen vom Netz genommen, in anderen musste das Trinkwasser gemischt werden, um den Vorschriften zu entsprechen.

Drastische Anhebung der Grenzwerte

In vielen Gemeinden blieb nur der Verwaltungsweg um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Einigen Trinkwassersyndikaten und Gemeinden wurde eine Ausnahmegenehmigung erteilt und der Grenzwert der ansonsten bei 100 ng/l liegt, auf 3.000 (!) ng/l angehoben.

Auf Regierungsebene werden nun für SES, SIDERE und Junglinster drei Wasserschutzgebiete ausgewiesen, zehn weitere sollen bald folgen.

Königsweg Biolandbau?

Die Meinung der Umweltverbände ist, eindeutig hilft nur die Umstellung auf Biolandwirtschaft dem Grundwasser.

So ist man beim Mouvement écologique der Meinung, dass in den großen Trinkwassereinzugsgebieten, etwa rund um den Obersauerstausee, in Zukunft nur noch Biologischer Landbau zugelassen werden darf. Die Bio-Landwirtschaft ist nach Auffassung des Méco der Königsweg zu pestizidfreiem Grund- und Oberflächenwasser.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Debatte um Schutzzonen zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium entwickeln wird.