LUXEMBURG/FOETZ
MARCO MENG

Der Wäscheservice von Klin will es Kunden so einfach wie möglich machen

Ein eigenes Unternehmen gründen, das hatte Pit Zens schon immer im Hinterkopf. Ein Auslandsaufenthalt brachte ihn dann auf die Idee zu Klin sàrl, die er gemeinsam mit einem Freund beim Technoport umsetzte.

Was genau macht Ihr Unternehmen?

Pit Zens Klin ist eine Textilreinigung auf digitaler Basis. Kunden können bei uns auf klin.lu ein Konto erstellen; basierend auf der Adresse legen wir dann fest, zu welchen Zeiten wir bei jedem vorbeikommen, um die Wäsche abzuholen. Die wird dann hierher in unsere Halle nach Foetz gebracht, und 48 Stunden danach kann der Kunde seine saubere Wäsche zurückerhalten.

Es ging uns darum, dem Kunden mit unserem Reinigungsservice einen einfachen und reibungslosen Ablauf anzubieten und solche Sachen wie Öffnungszeiten zu vermeiden oder dem Kunden zu ersparen, mit seinen Vorhängen, Bettdecken oder Hemden zum Geschäft kommen zu müssen. Wir wollten mit unserem Unternehmen diesen ganzen Dienstleistungsbereich, der sich seit zwanzig, dreißig Jahren nicht wirklich erneuert hat, so digitalisieren, dass das zum Vorteil des Kunden ist. Wir nehmen natürlich auch Bestellungen telefonisch entgegen. Aber die Tatsache, dass wir online praktisch rund um die Uhr zur Verfügung stehen, macht es dem Kunden möglich, zu jeder Zeit seine Bestellung abzugeben, ob via Smartphone oder Desktop-Computer.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Zens Die kam mir während meiner Studienzeit. Für meinen Master war ich in London, wo es ein ähnliches Konzept gab, das ich damals selbst nutzte und toll fand. Knapp zwei Jahre, nachdem ich nach Luxemburg zurück kam, sagte ich mir, dass dieses Konzept etwas wäre, das auch in Luxemburg stark nachgefragt werden könnte. Ich wollte mich schon immer selbstständig machen, und als ich dann eine Marktanalyse machte, hat sich wirklich herausgestellt, dass die bis dahin verfügbaren Angebote in diesem Bereich nicht ideal waren und was ich vorhatte, viele Leute ansprechen würde.

Wer sind Ihre Hauptkunden? Sie sagten eben Hemden, da denkt man natürlich gleich an den Bankensektor.

Zens Es geht bei uns von bis… unser tägliches Brot sind Großkunden, ob Consultingfirmen oder Banken. Das erlaubt uns, ein großes Volumen an Wäsche von einem Standort mitzunehmen. Dieses Geschäft möchten wir ausbauen. Aber natürlich bieten wir ebenso beispielsweise älteren Ehepaaren an, sei es deren Bettwäsche oder Vorhänge zu waschen, was sie dann nicht mehr selbst zu tun brauchen. Der Fahrer holt die Wäsche ab, und 48 Stunden später gibt er sie gereinigt zurück.

Seit wann sind Sie operationell?

Zens Ich gründete die Firma Anfang April 2017, hatte aber im September schon mit der Testphase begonnen.

Also noch sehr jung…

Zens Ja. Darum geht es jetzt vor allem darum, uns bei potenziellen Kunden bekanntzumachen, vor allem eben bei Firmenkunden, weil das uns erlauben würde, schnell zu wachsen.

War der Start schwierig?

Zens Eine gute Idee ist das eine, die Umsetzung das andere. Vor allem, wenn man so etwas vorher noch nie gemacht hat, ist es zuweilen doch schwieriger als man vorher dachte. Wir sind ja wirklich eine komplette Neugründung und haben ein Unternehmen übernommen; das heißt, es braucht dementsprechend auch Zeit, an Kunden zu kommen, weil wir bei null angefangen haben. Beim Erstellen des Businessplans und der Prognosen, wie viele Kunden man im ersten oder zweiten Monat hat, kann es leicht passieren, dass man da zu optimistisch herangeht. Unser Wachstum bislang ist gesund, aber es dauert auch seine Zeit. Das hatten mir vorher schon Freunde, die sich ebenfalls einmal selbstständig gemacht haben, gesagt. Man muss sich darauf einstellen, dass es länger dauert, und dafür muss man auch die Geduld mitbringen.

Wie machten Sie das mit der Finanzierung?

Zens Am Anfang mussten wir viel investieren, denn wir haben im Gegensatz zu ähnlichen Anbietern im Ausland unseren eigenen Maschinenpark. Wir haben Maschinen gekauft, die bei uns in der Halle stehen, die Anschlüsse dafür mussten auch gemacht werden und so weiter. Also es war schon eine mittelgroße Investition. Das haben wir mit Eigenkapital privat finanziert, hinzu kam ein Bankkredit und eine Finanzierung über die öffentliche Förderanstalt SNCI.

Als die ersten Investitionen anstanden, gab es da nicht auch Augenblicke, in denen Sie dachten, es sein zu lassen wäre doch einfacher?

Zens Ja, das gab es in der Vorbereitungs- und Gründungsphase in den letzten anderthalb bis zwei Jahren schon. Das war schon eine sehr emotionelle Zeit! Darum ist auch wichtig, dass man sich mit den richtigen Leuten zusammensetzt. So ein Projekt alleine zu stemmen, ist kaum möglich. Ich hatte das Glück, die richtigen Partner für die Gründung von Klin zu finden, denn wir ergänzen uns in unseren Kompetenzen.

Welche Pläne haben Sie weiter?

Zens Da haben wir verschiedene Visionen. Es gibt verschiedene Branchen, wohin wir unsere Dienstleistung ausweiten könnten und Partnerschaften eingehen könnten, auch im privaten Bereich gibt es Potenzial. Zum Beispiel sehe ich die Möglichkeit, Komplettlösungen anzubieten, das ist eine wahrscheinliche Option. Momentan zieht die Nachfrage gut an, und wir hoffen, dass wir in sechs bis zwölf Monaten auch davon leben können. Wie gesagt wollte ich schon immer eine eigene Firma gründen. Dabei ging es mir aber nicht darum, Millionen damit zu verdienen, sondern etwas Sinnvolles aufzubauen, was bleibt. Darum geht es wirklich.


www.klin.lu